Vorarlberger Gemeinden sehen Meilenstein: Pfand auf Dosen und Plastikflaschen fix

Politik / 08.09.2022 • 18:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vorarlberger Gemeinden sehen Meilenstein: Pfand auf Dosen und Plastikflaschen fix

Ab 2025 sind Getränkeverpackungen nicht mehr kostenlos verfügbar.

Wien 25 Cent ab 2025. Das sind die wichtigsten Eckpunkte des künftigen Pfands auf Plastikflaschen und Dosen. Zwar hat die Koalition aus ÖVP und Grünen dieses Vorhaben schon vor einem Jahr beschlossen. Allerdings fehlten bislang noch die Details.

Jeder Cent wirke sich positiv auf die Rückgabequote aus, ist Herbert Koschier überzeugt. <span class="copyright">VN/RAUCH</span><span class="copyright"></span><span class="copyright"></span><span class="copyright"></span><span class="copyright"></span><span class="copyright"></span><span class="copyright"></span><span class="copyright"></span><span class="copyright"></span>
Jeder Cent wirke sich positiv auf die Rückgabequote aus, ist Herbert Koschier überzeugt. VN/RAUCH

Nun steht fest, dass in knapp zweieinhalb Jahren 25 Cent pro Alu-Dose oder Plastikflasche von 0,1 bis drei Litern fällig werden. Verpackungen von Milcherzeugnissen werden aus hygienischen Gründen von der Regelung ausgenommen, wie Klimaministerin Leonore Gewessler (Grüne) am Donnerstag informierte. Herbert Koschier, Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft und Umwelt im Gemeindeverband, sieht bei den Plänen zwar noch Luft nach oben. Die Einführung des Pfandsystems bezeichnet er dennoch als Meilenstein gegen Littering – also gegen das achtlose Wegwerfen von Abfällen.

Klimaschutzministerin Gewessler will das Pfandsystem für Konsumente möglichst komfortabel gestalten. <span class="copyright">APA</span>
Klimaschutzministerin Gewessler will das Pfandsystem für Konsumente möglichst komfortabel gestalten. APA

“25 Cent sind nicht zu hoch”

Gewessler beteuert, dass das neue Pfandsystem für den Konsumenten möglichst komfortabel sein soll. Den Betrag von 25 Cent bezeichnet sie als “hoch genug, um einen Anreiz zu schaffen, aber nicht zu hoch“.

“Aus unserer Sicht wäre ein Pfand von 30 bis 35 Cent besser gewesen”, ergänzt Koschier auf VN-Nachfrage. Schließlich wirke sich jeder Cent mehr positiv auf die Rückgabequote aus.

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Robert Nagele, Vorstand von Billa AG und des „Trägerverein Einwegpfand“, der zur Umsetzung des neuen Pfandsystems gegründet wurde, hält ein ordentliches Sammelsystem für notwendig, um das EU-Sammelziel von 90 Prozent bis 2029 zu erreichen und Littering zu reduzieren. Gute Organisation sei dabei maßgeblich: Immerhin müssten 2,4 Milliarden Verpackungen künftig vom Handel wieder zurück genommen werden. Während die großen Handelsketten die Kosten vorerst selbst übernehmen müssen, gibt es für kleinere Geschäfte einen Fördertopf der EU, der 80 Millionen Euro umfasst.

Der Vorstand des "Trägervereins Einwegpfand", Robert Nagele (BILLA), ist mit der Lösung zufrieden. <span class="copyright">APA</span>
Der Vorstand des "Trägervereins Einwegpfand", Robert Nagele (BILLA), ist mit der Lösung zufrieden. APA

Der Handel hat nun bis 2025 Zeit, entsprechende Umbauarbeiten abzuschließen und Rücknahme-Automaten zu besorgen. Ab dann müssen alle Geschäfte das Pfandgut annehmen, wenn sie die entsprechenden Produkte anbieten. Für kleine Läden gibt es Ausnahmen: Sie müssen nur Flaschen und Getränke in verkaufsüblicher Menge annehmen oder nur Produkte, die sie auch tatsächlich verkaufen. Eine Bäckerei, die zum Beispiel nur Getränke in Halbliterflaschen anbietet, hat auch nur solche zurückzunehmen.

Entlastung für die Gemeinden

Das Pfandsystem wird die Gemeinden ordentlich entlasten. So würden wohl 30 bis 40 Prozent der Kosten eingespart, die bislang für Reinigungen durch Gemeindemitarbeiter auf Grund des Litterings anfallen, erklärt Koschier. Bislang werden in den 96 Kommunen dafür jährlich sechs bis acht Millionen Euro ausgegeben, die Ersparnis läge also bei 1,8 bis 3,2 Millionen Euro. “Darüber hinaus profitieren auch Naherholungsgebiete und die Tierwelt vom Pfand, weil einfach weniger Abfall in der Natur landet.”

 Robert Nagele (BILLA), Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) und  Philipp Bodzenta (Coca-Cola) präsentierten am Donnerstag die Eckpunkte des neuen Pfandsystems. <span class="copyright">APA</span>
 Robert Nagele (BILLA), Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Philipp Bodzenta (Coca-Cola) präsentierten am Donnerstag die Eckpunkte des neuen Pfandsystems. APA

Kostbare Rohstoffe

Philipp Bodzenta, Chef von Public Affairs von Coca Cola AG, betont neben dem Umweltschutz auch die wirtschaftlichen Vorteile: „Es war uns immer ein Dorn im Auge, wenn unsere Produktabfälle achtlos in der Natur gelegen sind.” Es handle sich um kostbare Rohstoffe.

Pro Jahr fallen in Österreich über 900.000 Tonnen Plastikmüll an. Rund 50.000 Tonnen davon sind nur Getränkeverpackungen. Das sind beinahe 2,5 Milliarden Flaschen und Dosen, die oft in der Natur landen. 

Über 10.000 Tonnen Kunststoffverpackungen werden in Vorarlberg über den Gelben Sack jährlich gesammelt. <span class="copyright">VN/J. SCHWALD</span>
Über 10.000 Tonnen Kunststoffverpackungen werden in Vorarlberg über den Gelben Sack jährlich gesammelt. VN/J. SCHWALD

In Vorarlberg werden über den Gelben Sack jährlich rund 10.000 Tonnen Kunststoffverpackungen gesammelt. An Metallverpackungen fallen jährlich rund 2100 Tonnen an, wie der Leiter der Abteilung für Abfallwirtschaft und Umwelt im Gemeindeverband erklärt. “Es ist davon auszugehen, dass circa 30 bis 40 Prozent beider Fraktionen Getränkeverpackungen sind.” Mit dem Pfandsystem ändere sich das Sammelsystem: “Der Gelbe Sack wäre allein mit Kunststoffverpackungen also nur noch zur Hälfte gefüllt”, hält Koschier fest. “Dies soll durch die Mitsammlung von sonstigen Metallverpackungen im Gelben Sack ausgeglichen werden.”

Julia Schilly, Birgit Entner-Gerhold

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