Gegen Omikron-Varianten: Die neuen Impfstoffe kommen

Politik / 15.09.2022 • 05:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Impfstoff wurde an die aktuellen Erfordernisse angepasst. An Sicherheit und Handling ändert sich nichts. <span class="copyright">AFP</span>
Der Impfstoff wurde an die aktuellen Erfordernisse angepasst. An Sicherheit und Handling ändert sich nichts. AFP

Erste Dosen sind schon im Land. Vakzin für vorherrschende Varianten für kommende Woche erwartet.

Schwarzach Der adaptierte Coronaimpfstoff kommt am Freitag in Vorarlberg an, berichtet die Landespressestelle.

Allerdings handelt es sich dabei nur um jenes Vakzin, das an die Variante BA.1 angepasst ist. Und eben diese Variante spielt aktuell keine Rolle mehr. „Sie ist inexistent“, sagt Infektiologe Herwig Kollaritsch. Der Mediziner ist Mitglied des Nationalen Impfgremiums, das dem angepassten Impfstoff vermutlich heute, Donnerstag, grünes Licht geben wird, wie er im VN-Gespräch erklärt. Der Haken: „Der BA.1-Varianten-Impfstoff bietet gegenüber dem bisherigen Impfstoff kaum Vorteile.“ Eine gewisse Kreuzimmunität schaffe er gegenüber den Varianten BA.4 und BA.5 aber sicher.

8,4 Millionen Dosen

Der echte Variantenimpfstoff gegen BA.4 und BA.5 sei vermutlich besser. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hatte diesen am Dienstag zugelassen. Schon kommende Woche ist mit einer Lieferung nach Österreich zu rechnen. „Dann kann er an die Bundesländer verteilt werden“, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Ein exakter Zeitpunkt sei aber nicht bekannt, vermeldet die Landespressestelle. Der Bund hat für Österreich rund 8,4 Millionen Dosen dieses Impfstoffs besorgt. Vom BA.1-Vakzin wurden 750.000 Dosen bestellt, 34.020 davon sollen laut Ministerium nach Vorarlberg.

Kollaritsch kündigt eine baldige Empfehlung für den Variantenimpfstoff an. <span class="copyright">APA</span>
Kollaritsch kündigt eine baldige Empfehlung für den Variantenimpfstoff an. APA

In Vorarlberg wurde bislang noch kein Variantenimpfstoff verimpft. „Wir warten auf das Nationale Impfgremium“, erklärt Robert Spiegel, Impfkoordinator der Ärztekammer Vorarlberg. Auch er sagt, dass es im Grunde keine Rolle spiele, ob man sich mit dem bisher verfügbaren oder dem BA.1-Vakzin impfen lasse. Der auf BA.4 und BA.5 angepasste Impfstoff sei entscheidender. Mit einer Empfehlung des Nationalen Impfgremiums ist auch hier zu rechnen.

„Die BA.4/5-Impfstoffe haben natürlich einen Vorteil. Wie groß er sein wird, weiß noch keiner, weil keine Effektivitätsstudien gemacht wurden“, sagt Kollaritsch. Das Vakzin sei angepasst und entsprechend der Vorgaben für die Zulassung bei der EMA eingereicht worden. Der Infektiologe vergleicht dies mit einem Beispiel aus der Automobilindustrie: „Die grundlegende Technik bleibt gleich, es wird nur eine andere Karosserie darübergestülpt. Wir haben ein bewährtes Prinzip, das an die jetzigen Erfordernisse angepasst wird. Das ändert nichts an Fahreigenschaften, Motor, etc.“ Die Sicherheit sei weiterhin sehr hoch.

Der an BA.4 und BA.5 angepasste Impfstoff sei entscheidender, sagt Robert Spiegel. <span class="copyright">VN</span>
Der an BA.4 und BA.5 angepasste Impfstoff sei entscheidender, sagt Robert Spiegel. VN

Ob man nun auf das auf BA.4 und BA.5 angepasste Vakzin warten soll oder sich besser gleich den aktuell verfügbaren Impfstoff verabreichen lasse, sei sehr von der individuellen Situation abhängig. „Wenn ich in einer Hochrisikosituation bin und zum Beispiel als Lehrer in die Klasse gehe, würde ich nicht warten“, sagt Kollaritsch. Das hänge aber auch vom Zeitpunkt der dritten Impfung ab. „Wenn sie im Mai oder Juni war, muss ich mich nicht hetzen.“ Seitens der Vorarlberger Landesregierung wird davon abgeraten, “eine erforderliche dritte Impfung oder eine Auffrischungsimpfung über die sechs Monate hinauszuschieben”. Der “alte” Impfstoff biete auch bei der Auffrischung einen guten Schutz.

Baldige Empfehlung

In den Vorarlberger Impfstraßen wird sich durch die neuen Vakzine nichts verändern. Die Variantenimpfstoffe sind nur für Dritt- oder Viertimpfungen geeignet. „Im Moment wird automatisch der herkömmliche Impfstoff verimpft“, erklärt Spiegel. Sobald es die auf BA.4 und BA.5 angepassten Impfstoffe gebe, werde das sicher auch für diese gelten, sofern das Nationale Impfgremium grünes Licht gebe. Die Empfehlung solle bald vorliegen, heißt es aus dem Gesundheitsministerium.

"Für einen optimal anhaltenden Schutz sind sie für die Auffrischungsimpfungen besonders wichtig", sagt Gesundheitsminister Johannes Rauch. <span class="copyright">APA</span>
"Für einen optimal anhaltenden Schutz sind sie für die Auffrischungsimpfungen besonders wichtig", sagt Gesundheitsminister Johannes Rauch. APA

Ressortchef Johannes Rauch (Grüne) sieht in den angepassten Vakzinen ein zusätzliches Werkzeug, um die Bevölkerung vor einer schweren Coronaerkrankung zu schützen. Die Auffrischungsimpfungen seien zentral für einen anhaltenden Schutz. “Sie sind eine der wichtigsten Maßnahmen, damit wir gut durch den Herbst und Winter kommen.“