Corona-Aussichten mit vielen Fragezeichen

Politik / 16.09.2022 • 16:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Corona-Aussichten mit vielen Fragezeichen

Unterschiedliche Szenarien zur Lage im Herbst und Winter.

Schwarzach Deutschland hat vor kurzem seine Corona-Regeln angepasst. Dort gelten im Herbst und Winter wieder bestimmte Masken- und Testpflichten. Die einzelnen Bundesländer können strengere Bestimmungen erlassen. In Österreich soll der sogenannte Variantenmanagementplan das weitere Vorgehen bestimmen; er ist bereits im Juli beschlossen worden. Robert Spiegel, Corona-Koordinator der Vorarlberger Ärztekammer, verweist auf die vergleichsweise große Anzahl von Personen, die noch nicht vollständig geimpft sind.

Derzeit scheint die Lage ruhig. Doch die Inzidenzen sind mit Vorsicht zu genießen. <span class="copyright">APA/Punz</span>
Derzeit scheint die Lage ruhig. Doch die Inzidenzen sind mit Vorsicht zu genießen. APA/Punz

Weniger Tests

Blickt man sich die aktuellen Zahlen an, scheint die Lage indes ruhig. Nach dem Dashboard der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) hat Vorarlberg in Österreich die niedrigste Sieben-Tages-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche. Sie liegt bei rund 229, österreichweit bei 360. Am schlechtesten schaut es in Niederösterreich und Wien aus. Allerdings sind die Werte trügerisch: Es wird viel weniger getestet, besonders seit Ende der verpflichtenden Quarantäne. Verlässlicher ist da die Abwasseranalyse von insgesamt sechs Kläranlagen in Vorarlberg, die rund drei Viertel der Bevölkerung abdecken. Zuletzt war die Rede von einem leicht sinkenden Trend auf niedrigem Niveau. Dominant ist noch immer die Omikron-Untervariante BA.5.

Eine Prognose will Spiegel nicht machen. Er blickt mit gemischten Gefühlen in den Herbst. <span class="copyright">Ärztekammer</span>
Eine Prognose will Spiegel nicht machen. Er blickt mit gemischten Gefühlen in den Herbst. Ärztekammer

„Prognosen kann man sowieso keine machen“, sagt Spiegel, Corona-Koordinator der Ärztekammer im Land zu den VN. Er blicke aber mit gemischten Gefühlen auf die Situation im Herbst. „Wir haben die Hausaufgaben nicht gemacht.“ Nach wie vor seien nämlich fast die Hälfte der Menschen nicht vollständig geimpft. Der Mediziner spricht auch das Ende der Maskenpflicht an. Die Auswirkungen seien mit Blick auf das Wiederaufflammen der Influenza noch unklar. Optimistisch stimmt ihn aber, dass sich keine neuen Varianten abzeichnen. Zudem könnte der Impfschutz in der nächsten Zeit noch ansteigen. Dazu kämen die vorhandenen antiviralen Medikamente und Antikörper-Infusionen.

Der Experte thematisiert aber auch die Bedeutung der Eigenverantwortung, etwa, was die Maske in Öffis oder Selbsttests vor größeren Events angeht.  Ein großes Problem ortet er mit Krankenständen in der kalten Jahreszeit. „Wenn viele grippig und corona-positiv sind, ist mit zahlreichen Ausfällen zu rechnen.“

Wieder Lockdown?

Im Variantenmanagementplan des Bundes ist jedenfalls von vier verschiedenen Szenarien die Rede, vom Auslaufen der Pandemie bis hin zu einem sehr ungünstigen Fall mit einer hohen Infektionswelle und einer Zunahme schwerer Erkrankungen. Dann könnten auch wieder strenge Bestimmungen bis hin zu Lockdowns und Einschränkungen im Reiseverkehr möglich sein. Spiegel bezeichnet den Variantenmanagementplan als „Teil des Monitorings.“ Fest stehe aber: Komme eine neue Variante auf, sei man aber eigentlich immer zu spät dran.

In Vorarlberg steht schon ein angepasstes Vakzin zur Verfügung. <span class="copyright">APA/Neubauer</span>
In Vorarlberg steht schon ein angepasstes Vakzin zur Verfügung. APA/Neubauer

Was die Immunität in der Bevölkerung angeht, hofft der Covid-Koordinator der Ärztekammer darauf, dass sich mehr Menschen impfen lassen, und auch den vierten Stich abholen. Geimpfte könnten zwar krank werden, aber nicht schwer krank. Das entlaste auch das Gesundheitssystem.

Angepasstes Vakzin verfügbar

Der neue, auf die Variante BA.1 adaptierte Impfstoff, hat mittlerweile Vorarlberg erreicht. „Wir haben kleine Mengen da“, sagt Spiegel. Wer sich das unbedingt wünsche, werde damit geimpft, dringend notwendig sei das aber nicht. Diese Variante spielt derzeit aktuell nämlich keine Rolle mehr. Anders sieht es mit BA.4/BA.5 aus. Auch gegen sie soll es ein adaptiertes Vakzin geben. Der Mediziner rechnet in der letzten Septemberwoche in Vorarlberg damit.