Post-Monarchie-Sorgen

Politik / 20.09.2022 • 22:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die pompösen Beisetzungsfeierlichkeiten für die britische Königin markieren das Ende einer weltweiten Trauerwelle von Angola bis Simbabwe. Und auch das Ende einer medialen Dauerberieselung für den Rest der Menschheit, die sich begründet Sorgen um das eigene Überleben zu machen hat.

Die komatöse Flucht in eine Scheinwelt ist jedenfalls vorbei und wir müssen uns zur künftigen Ablenkung wieder auf monarchistischen Firlefanz wie den vermeintlichen Bruderzwist von William und Harry und den Zickenkrieg zwischen Kate und Meghan beschränken. Zur Not können wir ja auch auf diverse internationale und nationale Stars und Sternchen, sowie Balltreter und andere Aufmerksamkeit heischende Freudenspender zurückgreifen.

Ein jetzt drohender brutaler Überlebenskampf hat viele Facetten: Es geht buchstäblich um die Zukunft Aller, um Freiheit, Leben und Tod, und so ganz nebenbei um die Rettung unseres Planeten. Es geht, in willkürlicher Reihenfolge, um aktive Völkermorde, um mörderische Kriege, einer davon auf europäischem Boden, und um den weltweit schon vollzogenen oder begonnenen Abbau von demokratischen Freiheitsrechten. Letzteres wie etwa in den USA oder genau so wie in EU-Staaten wie Polen und Ungarn. Inzwischen sind nur noch weniger als die Hälfte der in den Vereinten Nationen vertretenen Staaten funktionelle Demokratien.

Als Folge von Kriegen, staatlicher Misswirtschaft, Klimawandel und Naturkatastrophen sind gegenwärtig mehr als eine Milliarde Menschen vom Hungertod bedroht. Inflation, Energieknappheit und drohende Rezession zwingt viele Menschen in Europa, sich in den kommenden Monaten im Extremfall zwischen Verhungern oder Erfrieren entscheiden zu müssen.

Auslöser dieser lebensbedrohenden Tsunami ist der von Herrschern über Energie-Konzernen betriebene gierige Raubtierkapitalismus mit astronomischen Preiserhöhungen, für die es keine sachlichen Zwänge gibt. Es sind Taten steinzeitlicher Gewaltausübung und staatlich goutierter Ausnutzung einer Notsituation zum alleinigen Zweck des Gewinnraffens für Wenige.

Die Unterwanderung der notwendigen sozialen Komponente der Marktwirtschaft macht sie – wenn ihr Handeln zum Tod von Konsumenten führt – im Ergebnis zu strafrechtlich nicht verfolgbaren Totschlägern. Und Regierungen, die abträgliche Folgen mit Hilfsmaßnahmen zu mildern versuchen, zu Lebensrettern. Nach dem Monarchiegeklingel haben sie, die Demokraten, unser aller Aufmerksamkeit verdient.

„Es geht buchstäblich um die Zukunft aller, um Freiheit, Leben und Tod, und um die Rettung unseres Planeten.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at