Verschärfung des Lehrermangels befürchtet

Politik / 04.10.2022 • 07:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Für die Volksschule in Wald am Arlberg konnte bis zum neuen Schuljahr keine Lehrperson gefunden werden. Deshalb musste sie stillgelegt werden. <span class="copyright">Doris Burtscher</span>
Für die Volksschule in Wald am Arlberg konnte bis zum neuen Schuljahr keine Lehrperson gefunden werden. Deshalb musste sie stillgelegt werden. Doris Burtscher

Viele Pädagogen erreichen in den nächsten Jahren das Pensionsalter.

Schwarzach In Vorarlberg herrscht ein Mangel an Lehrerinnen und Lehrer. Weil es bis zuletzt nicht gelungen ist, neue Pädagogen zu finden, mussten sogar zwei Kleinschulen in Wald am Arlberg und in Partenen stillgelegt werden. Nun schlagen die Neos Alarm: Die Situation werde sich in den nächsten Jahren noch einmal massiv verschärfen, glaubt Parteichefin Sabine Scheffknecht und verweist auf eine aktuelle Beantwortung einer Anfrage durch Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP): Demnach könnten viele Lehrpersonen in den nächsten drei bis fünf Jahren in Pension gehen. 641 Pädagoginnen und Pädagogen sind nämlich Jahrgang 1962 und älter und somit heuer 60, weitere 467 sind 58 Jahre alt. Außerdem würden zu wenige junge Menschen nachkommen, kritisieren die Pinken. 

Rund 500 Absolventen

„Im besten Fall kommen von der Pädagogischen Hochschule (PH) rund 500 Absolventinnen und Absolventen in den nächsten fünf Jahren an die Schulen“, sagt Scheffknecht. Der Rest müsse über Quereinsteiger oder Menschen aus anderen Bundesländern gedeckt werden: „Das ist fatal.“ Schon jetzt hätten beispielsweise im Volksschulbereich nur noch 35 von 108 Neulehrerinnen und Neulehrer, die heuer ihren Dienst antraten, einen Abschluss von der PH.

Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink verweist darauf, dass nicht alle Pädagogen im Pensionsalter diesen auch antreten. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink verweist darauf, dass nicht alle Pädagogen im Pensionsalter diesen auch antreten. VN/Paulitsch

Ob alle Pädagogen, die das Pensionsalter erreichen, diese auch tatsächlich antreten, ist allerdings offen. In der Anfragebeantwortung hält Schöbi-Fink mit Verweis auf die Bildungsdirektion fest, dass eine seriöse Antwort auf diese Frage schwierig sei, „da Lehrpersonen, die das Pensionsantrittsalter erreicht haben, nicht zwingend zu diesem Zeitpunkt eine Pension beziehungsweise den Ruhestand antreten müssen und es zudem umfangreiche Arbeitszeitmodelle gibt.“ Im Schuljahr 2022/23 sind den Angaben zufolge jedenfalls insgesamt 28 pensionierte Lehrpersonen im Pflichtschulbereich beschäftigt; sie besetzen mehr als 14 Vollzeitstellen. Bei den Bundesschulen sind es neun Menschen, beziehungsweise knapp drei Vollzeitstellen. Insgesamt haben 413 Lehrpersonen im vergangenen Schuljahr den aktiven Dienst verlassen, 144 aus dem Volksschulbereich (etwa 59 Vollzeitstellen). „Da Lehrpersonen die Gründe für ihr Ausscheiden nicht anführen müssen, liegen darüber keine aussagekräftigen Informationen vor“, teilt Schöbi-Fink mit.

Die Neos-Klubobfrau Sabine Scheffknecht schlägt Alarm. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Die Neos-Klubobfrau Sabine Scheffknecht schlägt Alarm. VN/Steurer

Geht es um die vermuteten Neulehrer in den nächsten fünf Jahren, verweist die Landesstatthalterin auch auf etwa 150 bis 200 Quereinsteiger im Pflichtschulbereich, mit denen man angesichts der aktuellen Zahlen zusätzlich rechnen könne. In den Bundesschulen sind es etwa 70 Personen jährlich. Mit Blick auf die Studierenden hält sie fest, dass viele bereits während des Studiums Teilzeit an den Schulen unterrichten würden. Deshalb sei eine genaue Prognose schwierig.  Was den Sekundabereich angeht – dieser umfasst etwa Unter- und Oberstufe von AHS, die BHS oder Berufsschulen – ließe sich auch nicht abschätzen, wie viele Studentinnen und Studenten in welchem Schultyp arbeiten werden. In den Volksschulen glaubt Schöbi-Fink an eine positive Dynamik: Denn hier könnte es zu einer Veränderung des Studiums kommen. Sie verweist in diesem Zusammenhang auch auf den gemeinsamen berufsbegleitenden Bachelor mit der PH Oberösterreich.

Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) hatte erst Anfang September angekündigt, eine Umstellung des Lehramtsstudiums für den Volksschulbereich zu prüfen: Anstelle des achtsemestrigen Bachelorstudiums mit anschließendem Master in zwei Semestern könnte ein Bachelor in sechs Semestern und ein Master in vier Semestern treten, hieß es vonseiten des Ministers. Der achtsemestrige Bachelor schrecke viele Studierende ab. Daher habe er die PH beauftragt, Möglichkeiten für eine Umstellung der Studienarchitektur zu erarbeiten. Dafür wird es allerdings ein Gesetz brauchen.

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