Damit Europa sich versteht

Politik / 27.10.2022 • 22:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Am Arbeitsplatz: Britta Walch (r.) und Hubert Rinner in einer der Dolmetscherkabinen rund um das Plenum des EU-Parlaments in Straßburg Schinwald/EU-Parlament
Am Arbeitsplatz: Britta Walch (r.) und Hubert Rinner in einer der Dolmetscherkabinen rund um das Plenum des EU-Parlaments in Straßburg Schinwald/EU-Parlament

Im EU-Parlament in Straßburg kümmern sich zwei Österreicher um sekundenschnelle Übersetzungen.

sTRASSBURG Auf dem Weg zum Parlament der Europäischen Union in Straßburg fällt vor allem die sprachliche Vielfalt auf. Im Flugzeug spricht ein deutscher Mitarbeiter mit ihrer Kollegin aus Italien; in der Straßenbahn unterhält sich ein Österreicher mit einer irischen Beamtin der Kommission: Alle auf Englisch. Doch damit der Austausch untereinander auch in offiziellen Plenarsitzungen, Ausschüssen oder Arbeitstreffen reibungslos über die Bühne geht, beschäftigt das Parlament knappe 300 Dolmetscherinnen und Dolmetscher; 1500 externe werden je nach Bedarf angefordert.

Nur zwei der “Fixen” stammen aus Österreich: Britta Walch und Hubert Rinner sind aus Tirol nach Brüssel und Straßburg – die beiden Sitze des EU-Parlaments – gewechselt. Beide übersetzen aus dem Deutschen ins Englische, Französische und Spanische, Walch zusätzlich ins Schwedische und Portugiesische. Essentiell sei hierbei, sich ständig mit den Sprachen zu beschäftigen, betont Rinner im VN-Gespräch: “Wir müssen up to date sein, sodass wir wissen, was politisch in ‘unseren’ Ländern passiert.” Dem pflichtet Britta Walch bei: “Man muss sich fachlich weiterbilden und zum Beispiel auf kulturelle Gegebenheiten in den Mitgliedsstaaten eingestellt sein. Darauf wird gerne Bezug genommen.”

20 Minuten zu zweit oder zu dritt

Beim simultanen Dolmetschen legen Walch, Rinner und ihre Kollegen Schichten von rund 20 Minuten ein, sie arbeiten in Teams. Wenn bestimmte Fachbegriffe dann nicht einfallen sollten, kann der Kollege einspringen. Mit 24 Amtssprachen kann aber nicht jede einzelne der 552 möglichen Sprachkombinationen abgedeckt werden, dann behilft sich die EU einem Relais-System: “Bei ukrainischen Reden kann man zum Beispiel ins Englische arbeiten, das übersetzen wir dann weiter”, erklärt Walch.

Die “Kunden” von Britta Walch und Hubert Rinner sind aber nicht nur die Abgeordneten, die sich verstehen wollen, sondern auch die europäischen Bürgerinnen und Bürger. So gibt es auch Dolmetscher, die etwa jede Rede ins Irische übersetzen, obwohl dort überwiegend Englisch gesprochen wird. Das sei gut, so Rinner: “Jeder soll das genau so sagen können, wie er es sagen möchte.” Das hat auch der ukrainische Präsident Selenskyj bei einer Ansprache im März getan (“Wir kämpfen für unsere Freiheit”), damals kämpfte der ukrainische Übersetzer mit den Tränen. Und Europa hat es verstanden.

Die Reise nach Straßburg erfolgte auf Einladung des Europäischen Parlaments. Die redaktionelle Verantwortung
obliegt allein den Vorarlberger Nachrichten.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.