Umdenken

Politik / 01.11.2022 • 22:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die gegenwärtige weltweite Unsicherheits- und Krisenlage hat es schmerzhaft ans Licht gebracht: Die Weltpolitiker müssen sich vom viel zu lange hochgehaltenen „Wandel durch internationalen Handel“ verabschieden. Also von der Mantra, dass internationale wirtschaftliche Verflechtungen und gegenseitige Abhängigkeiten ewigen Frieden garantieren, und das kriegerische Bekämpfen von Differenzen verhindern.

Der russische Krieg gegen die Ukraine ist ein entlarvendes Paradebeispiel für die verhängnisvolle Fehleinschätzung. „Putin kann uns nicht den Öl- und Gashahn zudrehen, weil sein Land unser Geld zum Überleben seines Staates braucht“, verkündeten die Globalisten-Groupies. Bei der angeblichen „Win-Win-Situation“ vergessend, dass vermeintlich „abhängige“ Staaten Kriege – siehe den elenden in Osteuropa – auch wegen Allmachts-Fantasien ohne Rücksicht auf die Kosten und/oder in der Erwartung eines gigantischen territorialen und wirtschaftlichen Raubzugs anzetteln können. (Siehe russischen Getreide-Klau und die geplante Annektierung der ukrainischen Anbauflächen).

Auf Kündigungen der friedlichen Zusammenarbeit mit Sanktionen zu reagieren, befriedigt Emotionen, hat regelmäßig aber nur einen sehr überschaubaren Nutzen. Wie beim Ukraine-Krieg werden die Strafmaßnahmen vom Vertragsverletzer einfach als lästige, aber hinzunehmende Kriegskosten verbucht. Obendrein schaden die Sanktionen auch den Volkswirtschaften und großen Teilen der Bevölkerungen in den Sanktionen verhängenden Staaten.

Die nächste Nagelprobe des Politik-Prinzips der Globalisierung hat sich bereits für das Verhältnis zwischen den „westlichen“ Staaten und der Volksrepublik China angekündigt: Weil die westlichen Staaten hauptsächlich aus Kostengründen der Entstehung eines grotesk unausgewogenen Handelsvolumens zu Gunsten Chinas zusahen, befinden sie sich inzwischen in einer gefährlichen Abhängigkeit vom fernöstlichen Handelspartner.

Der die finanziellen Handelsbilanz-Überschüsse schon seit einiger Zeit zu großen Investitionen in Schlüsselbereichen der westlichen Staaten nutzt. Damit sichert sich China erheblichen wirtschaftlichen und auch politischen Einfluss in diesen Ländern und beschränkt ihre Handlungsfähigkeit.

Höchste Zeit also, „im Westen“ die Politik des „Wandels durch internationalen Handel“ zu überdenken und neu zu justieren. Das wird eigene große Umstellungen, Investitionen und auch Preiserhöhungen bedeuten. Aber es wird letztlich buchstäblich „preiswerter“ sein als das Ertragen von Kriegen, Kriegsfolgen und unerträglichen Abhängigkeiten.

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at

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