“Wir sind bereit für den Frieden”

Politik / 14.11.2022 • 22:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Selenskyj war ohne Helm, aber mit Leibwächtern in Cherson. REUTERS
Selenskyj war ohne Helm, aber mit Leibwächtern in Cherson. REUTERS

Ukrainischer Präsident Selenskyj besucht befreite Stadt Cherson. Kämpfe im Osten dauern an.

Cherson, Kiew, Moskau Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Montag die von der russischen Besatzung befreite Stadt Cherson im Süden des Landes besucht. “Wir kommen voran”, sagte er vor Soldaten vor einem Verwaltungsgebäude, an dem sich zahlreiche Zivilisten mit ukrainischen Fahnen versammelt hatten. “Wir sind bereit für den Frieden, für Frieden für unser gesamtes Land.” Selenskyj bedankte sich bei der NATO und anderen Verbündeten für ihre Unterstützung im Kampf gegen Russland.

Die Reaktionen der Bevölkerung auf die Ankunft der ukrainischen Truppen in Cherson sprächen für sich, sagte Selenskyj. Er grüßte auf den Straßen Soldaten, verteilte Orden und posierte für Fotos mit den Truppen. Kremlsprecher Dmitri Peskow wollte den Besuch nicht kommentieren, sondern sagte lediglich: “Sie wissen, dass es sich um das Gebiet der Russischen Föderation handelt.”

Seit Freitag begrüßen die Menschen in der Stadt die einrückenden ukrainischen Soldaten teils frenetisch. Die russischen Streitkräfte hatten sich zuvor auf das östliche Ufer des Flusses Dnipro zurückgezogen. Cherson ist eine von vier ukrainischen Regionen, die die Regierung in Moskau zum Teil des Staatsgebiets der Russischen Föderation erklärt hat.

Das ukrainische Militär war aus Vorsicht erst langsam in die Stadt und die umliegenden Gebiete eingerückt. Als eine Sofortmaßnahme nannte Selenskyj die Minenräumung in Cherson und Umgebung.

Entzug der Akkreditierung

Unter anderem deswegen entzog das ukrainische Militär mehreren westlichen Journalisten nach ihrer Berichterstattung aus dem Gebiet Cherson die Akkreditierung. „In jüngster Zeit haben einige Medienvertreter die bestehenden Verbote und Warnungen ignoriert und ohne Zustimmung der Kommandeure und zuständigen PR-Abteilungen des Militärs ihre Berichterstattung aus Cherson aufgenommen, noch bevor die Stabilisierungsmaßnahmen abgeschlossen waren“, so die Begründung des Generalstabs am Montag.

Nach Angaben Selenskyjs haben Ermittler in der Region Cherson bisher bereits mehr als 400 russische Kriegsverbrechen aufgedeckt. Es seien Leichen von Soldaten und Zivilisten gefunden worden. Weiter sagte er in seiner Video-Botschaft am Sonntag, es würden russische Soldaten und Söldner festgenommen. In 226 Ortschaften mit insgesamt über 100.000 Einwohnern sei der Rechtsstaat wiederhergestellt worden.

Das ukrainische Verteidigungsministerium teilte am Sonntag mit, in den vergangenen Tagen seien 179 Ortschaften entlang der Küste des Dnipro im Süden des Landes zurückerobert worden. Der Generalstab erklärte, im Osten in Lukansk und Donezk würden die schweren Kämpfe fortgesetzt. In beiden Regionen seien in den vergangenen 24 Stunden mehrere russische Angriffe abgewehrt worden.

Nach achtmonatiger Besetzung durch die russischen Streitkräfte jubeln die Menschen in Cherson Selenskyj zu. AFP
Nach achtmonatiger Besetzung durch die russischen Streitkräfte jubeln die Menschen in Cherson Selenskyj zu. AFP

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