Ein doch nicht ganz ruhiger Wahlkampf in Höchst

Politik / 21.11.2022 • 11:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein doch nicht ganz ruhiger Wahlkampf in Höchst
In Höchst ist es eine Woche vor der Stichwahl zwischen Heidi Schuster-Burda (ÖVP) und Stefan Übelhör (Grüne) doch nicht ganz ruhig. VN

Interne Briefe, die an die Öffentlichkeit kommen und Vorwürfe wegen nicht zustande kommender Kandidatenduelle prägen die Woche vor der Stichwahl.

Höchst Eine Woche vor der Stichwahl in der Bodenseegemeinde ist der Wahlkampf manchen Beobachtern wohl zu ruhig, wie ein an die Öffentlichkeit gelangter Brief aufzeigt.

So wurde mehreren Medien in Vorarlberg ein vor etwa einem halben Jahr verfassten Brief der ÖVP-Kandidatin und Vizebürgermeisterin Heidi Schuster-Burda an den damaligen Bürgermeister Herbert Sparr zugespielt. Darin knüpfte sie die eigene Kandidatur für das Bürgermeisteramt an den Rückzug des früheren ÖVP-Fraktionsvorsitzenden Bernhard Hirt aus der Gemeindevertretung.

Ein doch nicht ganz ruhiger Wahlkampf in Höchst

Das schwierige Verhältnis zwischen den beiden ÖVP-Politikern war kein Geheimnis. In der Gemeindevertretung kritisierte Hirt die Bildungspolitik in Höchst, dem Aufgabengebiet der Vizebürgermeisterin, und vermisste Selbstreflexion. Schuster-Burda spricht in dem Brief von Alleingängen und fälschlichen Behauptungen Hirts zu ihrer Person. Für eine Zusammenarbeit fehle daher die notwendige Vertrauensbasis zwischen den beiden.

Hirt kannte den Brief an den Bürgermeister. Er verstand seine Arbeit in der Gemeindevertretung immer am Thema und dem Miteinander orientiert. Nun stehe es ihm aber fern, sich gegen die eigene Fraktion und Schuster-Burda als Bürgermeisterkandidatin zu wenden und konzentriere sich vollends auf seinen Brotberuf.

Das sagt Schuster-Burda

Dass der Umgang zwischen den beiden Fraktionskollegen schwierig ist, räumt Schuster-Burda auch gegenüber den VN ein. Die Vizebürgermeisterin bedauert, dass der für den Bürgermeister gedachte Brief an die Öffentlichkeit kam. Er gebe Einblick in harte Wochen und Monate, die in den Brief mündeten. “Es ist nicht das einzige anonyme Schreiben, der Umgangston ist rauer geworden”, erklärt sie.

Heidi Schuster-Burda bedauert, dass das Schreiben nach außen drang. <span class="copyright">ÖVP</span>
Heidi Schuster-Burda bedauert, dass das Schreiben nach außen drang. ÖVP

Der Konflikt zwischen ihr und Hirt habe eine Dynamik gewonnen, die auch von der Opposition aufgegriffen wurde. Dies tue ihr Leid, sei aber kein Spiegelbild der Volkspartei in Höchst. “Wir sind eine ganz tolle Fraktion, es wäre unfair, das eigene Urteil an einzelnen Personen aufzuhängen”, betont Schuster-Burda. So habe Hirt ihre Kandidatur auch mit seiner Stimme unterstützt. Die Arbeit sei in den vergangenen Wochen wieder ruhig und konstruktiv vonstatten gegangen.

Brief war Grünen bekannt

“Ich habe Hirt immer als feinen Kerl wahrgenohmen, der überall angesehen war”, erklärt Stefan Übelhör, der Schuster-Burda als Kandidat der Grünen bei der Stichwahl herausfordert. Der Brief war ihm und seiner Fraktion bekannt, man sprach darüber auch mit der ÖVP. “Wir sind die Partei der Menschlichkeit, dies bedeutet auch Anständigkeit im Umgang mit dem politischen Kontrahenten”, erklärt er, warum sie den Brief nicht kommunizierten. In diesem Sinne habe man auch auf das Umfeld eingewirkt. “Wir waren gegen die Veröffentlichung, wir wollen niemanden schlecht machen”, versichert Übelhör.

<p class="caption">Geht für die Grünen in die Stichwahl: Höchste-Zeit-Kandidat Stefan Übelhör.<span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="copyright">VN/HK</span></p>

Geht für die Grünen in die Stichwahl: Höchste-Zeit-Kandidat Stefan Übelhör. VN/HK

Man habe einen fairen Wahlkampf ohne Schlammschlacht versprochen, daran halte man sich. Dennoch, die Demontage Hirts aufgrund der Kritik an die eigene Fraktion innerhalb der ÖVP könne er auch nicht gutheißen. Übelhör verweist auf eine Presseaussendung Schuster-Burdas. Darin wird ihm der Unwillen zu einem öffentlichen Schlagabtausch beider Stichwahlkandidaten unterstellt. Übelhör verweist hier auf zeitliche Engpässe und Terminschwierigkeiten, da er als Unternehmer für den Fall eines Wahlsieges Vorbereitungen für einen fließenden Übergang treffen muss. “Als Unternehmer bin ich diesem verpflichtet”, betont der Grüne.

Angesichts solcher Umgangsformen stellt er in Frage, in welcher Person die Probleme innerhalb der Volkspartei begründet sein könnten: “Da muss man sich fragen, ist die gesamte Welt böse oder ist es nicht eher eine einzelne Person, die ihren Teil dazu beiträgt.”

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