Flüchtlinge: So bemühen sich die Gemeinden um die Quartierssuche

Politik / 24.11.2022 • 05:55 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
In Schwarzach laufen die Bauarbeiten für eine Industrie- und Gewerbehalle. Flüchtlinge werden hier aber keine untergebracht. Die Causa ließ die Wogen hochgehen. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
In Schwarzach laufen die Bauarbeiten für eine Industrie- und Gewerbehalle. Flüchtlinge werden hier aber keine untergebracht. Die Causa ließ die Wogen hochgehen. VN/Steurer

Nach Rückschlag in Schwarzach: Mehrere Möglichkeiten zur Flüchtlingsunterbringung werden geprüft.

Magdalena Raos, Geraldine Reiner

Schwarzach Vorarlberg sucht händeringend Flüchtlingsunterkünfte. Unlängst setzte es einen Rückschlag: Wie die VN berichteten, mussten Pläne zur Anmietung einer Halle in Schwarzach für 150 Personen begraben werden. Die Gemeinde überlegt nun, ein altes Flüchtlingsquartier zu renovieren, das eigentlich abgerissen hätte werden sollen. In den letzten Tagen seien Schwarzach auch einige Wohnungen angeboten worden. In anderen Kommunen gibt es ebenfalls Bemühungen. Das betrifft mitunter auch Hallen.

Ehemalige Gasthäuser

In Lustenau berichtet Bürgermeister Kurt Fischer, dass derzeit größere Unterkünfte wie ehemalige Gasthäuser geprüft werden. Im Zuge der Fluchtbewegung 2015 und 2016 habe Lustenau zwar Erfahrungen mit Großunterkünften sammeln können, und zwar bei der ehemaligen „Blauen Sau“. Zudem gab es ein Quartier für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Doch diese stünden nun nicht mehr zur Verfügung. Man sei jedenfalls in enger Abstimmung mit dem Land.

Laut Bürgermeister Fischer werden mehrere größere Unterkünfte geprüft, Hallen seien keine darunter.
Laut Bürgermeister Fischer werden mehrere größere Unterkünfte geprüft, Hallen seien keine darunter.

Fischer verweist auf eine „große integrative Leistung“, die 2015 und 2016 gelungen sei. Die Situation ließe sich mit heute aber kaum vergleichen. Allein innerhalb der von Russland angegriffenen Ukraine seien Millionen auf der Flucht, im Winter drohe eine weitere Zuspitzung der Lage. Grundsätzlich spricht der Bürgermeister von einer „großen Herausforderung“; dazu trage auch der angespannte Wohnungsmarkt in Vorarlberg bei.

Bregenz habe einige Wohnungen für ukrainische Flüchtlinge zur Verfügung gestellt, außerdem gebe es zahlreiche private Quartiere, so Michael Ritsch. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Bregenz habe einige Wohnungen für ukrainische Flüchtlinge zur Verfügung gestellt, außerdem gebe es zahlreiche private Quartiere, so Michael Ritsch. VN/Hartinger

Eine Halle ist derzeit auch in der Landeshauptstadt kein Thema. „Großquartier ist bei uns keines geplant, aber wir haben die letzten Wochen und Monate gemacht, was machbar war“, sagt Bürgermeister Michael Ritsch. Die Stadt habe einige Wohnungen für ukrainische Flüchtlinge zur Verfügung gestellt, außerdem gebe es zahlreiche private Quartiere. Was ihn schon länger wundere, sei die Frage, warum nicht das ehemalige Corona-Notspital auf dem Dornbirner Messeareal als Unterkunft genutzt wird. „Da ist eine komplette Infrastruktur mit Kabinen, Betten und allem Möglichen vorhanden, was allemal besser wäre als ein Zelt“, merkt Ritsch an. Am Ende müsse man aber schauen, dass man leerstehenden Wohnraum mobilisiert „und das haben wir in Bregenz ganz aktiv unterstützt.“

Dornbirns Bürgermeisterin Andrea Kaufmann zufolge ist das ehemalige Notspital keine Option. Es gebe keinen Lockdown mehr, die Messe könne wieder uneingeschränkt stattfinden, entgegnete sie der Ritsch-Forderung bei Vorarlberg LIVE. Dass das wieder funktioniere, sei wirtschaftlich gesehen sehr wichtig. „Aber wir werden sicher andere Lösungen finden.“ Wie in vielen anderen Kommunen würden frühere Großquartiere von 2015 inzwischen völlig anders verwertet.  In der Sendung verriet die Bürgermeisterin aber: „Wir haben ein, zwei, drei Hallen identifiziert, die jetzt vom Land geprüft werden.“ Welche das konkret sind, wollte sie aber nicht sagen – wegen des Negativbeispiesl Schwarzach. „Wichtig ist mir, sowohl für die Stadt Dornbirn, als auch für das ganze Land, dass wir die Menschen gut verteilen.“ 

Dornbirns Stadtchefin Kaufmann zufolge werden bis zu drei Hallen geprüft.
Dornbirns Stadtchefin Kaufmann zufolge werden bis zu drei Hallen geprüft.

In der Gemeinde Lauterach würde es wiederum eine leerstehende Halle geben, die dem Rewe-Konzern gehört. Bis vor wenigen Monaten war darin der AGM untergebracht. Für Flüchtlinge sei sie seines Wissens bislang aber kein Thema gewesen, sagt Bürgermeister Elmar Rhomberg. „Es war lange nicht klar, was mit der Halle passiert. Wir hatten immer wieder Interessenten, die Mietflächen gebraucht hätten. Da hat es immer geheißen, dass konzernintern noch nicht entschieden ist, was damit passiert.“  Die Gemeinde sei aber aktiv auf der Suche, man spüre auch, dass die Bereitschaft in der Bevölkerung nicht mehr so da sei wie vor eine paar Jahren. Derzeit sind laut Rhomberg elf Gemeindewohnungen an die Caritas vermietet. Das Gasthaus Krone, in dem in der Vergangenheit 30 unbegleitete Flüchtlinge untergebracht waren, steht nicht mehr zur Verfügung. Die Caritas habe das Haus vor zwei Jahren aufgegeben, jetzt wohnen dort Mitarbeiter eines Lauteracher Betriebs.

Lauterachs Bürgermeister Rhomberg schildert, dass das Gasthaus Krone nicht mehr zur Verfügung steht. <span class="copyright">VN</span>
Lauterachs Bürgermeister Rhomberg schildert, dass das Gasthaus Krone nicht mehr zur Verfügung steht. VN

Aufregung um Halle in Schwarzach

Die geplante Anmietung einer Gewerbehalle in Schwarzach hatte zuletzt hohe Wellen geschlagen. Bürgermeister Thomas Schierle sah sich übergangen. Er verteilte ein Flugblatt an die Haushalte und überlegte rechtliche Schritte. Letztlich gab das Land die Pläne auf, nachdem der Grundstücksbesitzer auf Nutzungsbeschränkungen pochte. Derzeit sind rund 3100 Menschen in Vorarlberg untergebracht. Nach dem bundesweiten Verteilungsschlüssel sollten es 4000 sein. Landesrat Christian Gantner (ÖVP) zufolge sind heuer bereits drei Quartiere mit mehr als 100 Betten eröffnet worden.

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