Massive Angriffe auf Cherson – Kiew hat wieder Strom

Politik / 27.11.2022 • 15:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ukrainische Artillerie westlicher Bauart im Einsatz im Donetzk. <span class="copyright">Radio Free Europe/Radio Liberty/Serhii Nuzhnenko via REUTERS</span>
Ukrainische Artillerie westlicher Bauart im Einsatz im Donetzk. Radio Free Europe/Radio Liberty/Serhii Nuzhnenko via REUTERS

Russland hat die von ukrainischen Truppen zurückeroberte Stadt Cherson und deren Umgebung laut ukrainischen Behörden massiv beschossen.

Kiew, Moskau Bei mehr als 50 Angriffen seien auch Wohnhäuser von Granaten getroffen worden, berichtete Militärgouverneur Jaroslaw Januschewitsch am Sonntag im Nachrichtenkanal Telegram. Demnach gab es mindestens einen Toten und zwei Verletzte. In Kiew wurde unterdessen die Versorgung mit Strom, Wasser, Wärme und Mobilnetz weitgehend wieder hergestellt.

Die Ukraine warf Russland zum wiederholten Male Terror und gezielte Angriffe auf Zivilisten vor. Die Angaben waren zunächst nicht unabhängig zu überprüfen. Unter dem Druck ukrainischer Angriffe hatten russische Truppen Cherson nach mehr als acht Monaten Besatzung Mitte November geräumt. Die Lage in der Stadt mit einst etwa 300.000 Einwohnern ist auch wegen der Zerstörungen der Stromleitungen und der Infrastruktur kritisch.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von APA Livecenter angezeigt.

Die Behörden der Hauptstadt Kiew vermelden unterdessen gute Nachrichten: Die Versorgung mit Strom, Wasser, Wärme und Mobilnetz in der Drei-Millionen-Metropole sei nahezu vollständig wiederhergestellt, teilte die Militärverwaltung mit.

Die Hauptstadt war vier Tage lang wegen russischer Angriffe auf die Energie-Infrastruktur ohne Strom. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko deswegen ungewöhnlich offen kritisiert. Der ehemalige Box-Weltmeister warnte daraufhin vor politischem Streit. Der “Bild am Sonntag” sagte Klitschko: “Der Schlüssel des Erfolgs der Ukraine nach dem Angriff Russlands auf unser Land ist der Zusammenhalt, sowohl national als auch international.”

Ein Entertainer unterhält Kinder während dem Blackout in Charkiw. <span class="copyright">SERGEY BOBOK / AFP</span>
Ein Entertainer unterhält Kinder während dem Blackout in Charkiw. SERGEY BOBOK / AFP

Bei einem russischen Raketenangriff wurde unterdessen nach ukrainischen Angaben die Großstadt Krywyj Rih im Süden des Landes getroffen. Zwei Raketen hätten am Sonntagmorgen eine Verkehrsinfrastruktureinrichtung zerstört, teilte der Militärgouverneur des Gebiets Dnipropetrowsk, Walentyn Resnitschenko, im Nachrichtenkanal Telegram mit. Einzelheiten nannte er nicht. Die Militärverwaltung rief die Bevölkerung auf, sich in Luftschutzkellern in Sicherheit zu bringen. In der Stadt sei es zu Explosionen gekommen. Über Opfer wurde zunächst nichts bekannt.

In mehreren Gebieten im Osten und Süden der Ukraine wurde Luftalarm ausgelöst. Auch der Bezirk Nikopol nördlich des Flusses Dnipro wurde nach ukrainischen Angaben mit Granaten und schwerer Artillerie beschossen. In der Nacht auf Sonntag trafen außerdem zwei Raketen einen landwirtschaftlichen Betrieb in einem Vorort der südukrainischen Stadt Saporischschja, wie das Militär mitteilte. Tote oder Verletzte habe es nicht gegeben.

Russische Rekruten im Omsk. <span class="copyright">REUTERS/Alexey Malgavko</span>
Russische Rekruten im Omsk. REUTERS/Alexey Malgavko

Binnen 24 Stunden seien in verschiedenen ukrainischen Gebieten durch russische Angriffe insgesamt sieben Zivilisten getötet und weitere 19 verletzt worden, teilte der Vizechef des Präsidialamtes, Kyrylo Tymoschenko, bei Telegram mit. Am Samstag waren bei erneuten russischen Raketenangriffen auf die ukrainische Industriestadt Dnipro nordöstlich von Krywyj Rih laut Militärgouverneur Resnitschenko, mindestens 13 Menschen verletzt worden.

Auf der Gegenseite berichteten die von Russland unterstützten Separatisten in Donezk am Sonntag von drei getöteten Zivilisten. Nach Angaben des Moskauer Verteidigungsministeriums wurden zudem im Gebiet Saporischschja vier ukrainische Raketen- und Artillerie-Depots durch russische Angriffe zerstört.

Russland hat unterdessen nach Einschätzung britischer Geheimdienste in der schwer umkämpften Region Donezk viele Gefallene zu beklagen. Rund um die Städte Pawliwka und Wuhledar im Süden der Region habe es intensive Kämpfe mit schweren Verlusten für die russische Marineinfanterie gegeben, hieß es in einem Bericht des britischen Verteidigungsministeriums. London wertet die Kämpfe auch als Zeichen dafür, dass Russland die Region als möglichen Startpunkt einer Offensive Richtung Norden sieht. APA

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.