Keine gfreute Sach?

Politik / 01.12.2022 • 06:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Keine gfreute Sach?

Letzte Woche wurden die VN Klimaschutzpreise in Mäder verliehen: tolles Ambiente im J.J. Ender Saal, super organisiert, mitreißend moderiert und mit inspirierendem Austausch mit den Preisträgerinnen und Preisträgern. Alles, was man für ein schönes Fest braucht. Und doch, für mich als Festredner keine gfreute Sach. Zu schwer lastete die Herausforderung Klimakrise auf mir.

Am Tag davor war ich im BORG in Götzis und habe mich mit knapp 40 jungen Frauen und Männern übers Klima unterhalten. Über Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel. Darüber, wie man Klimatologe wird. Was einem die Matura bringt und ob man es mit ihr zu etwas bringen kann. Und dann wieder über Klimakatastrophen und über das, was uns in Zukunft bevorsteht, wenn wir uns alle nicht drastisch verändern.

Anfang letzter Woche ist nämlich der Bericht des CCCA über das verbleibende Treibhausgasbudget Österreichs veröffentlicht worden. Wir können nur noch 280 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen, wenn wir das Limit von 1,5 Grad globaler Temperaturerhöhung einhalten wollen, wobei wir ca. 80 Millionen Tonnen pro Jahr ausstoßen.

Bei gleichbleibenden CO2-Emission müssten wir also Mitte 2025, in zweieinhalb Jahren, diese auf Null setzen. Auf einen Schlag. Oder – was bei den SchülerInnen besondere Aufmerksamkeit erregte – wir teilen das verbleibende Budget mithilfe der Integralrechnung auf die kommenden Jahre auf. Dann können wir bei drastischer Transformation unserer Gesellschaft erreichen, dass Bereiche, die sich mit der Klimaneutralität besonders schwer tun, bis 2040 Zeit haben. Das bedeutet aber auch, dass wir gleich im kommenden Jahr unseren CO2-Ausstoß um über 22 Prozent verringern müssen.

Als ich vor zehn Jahren Vorträge über die nötigen CO2-Einsparungen gehalten habe, da lagen diese prognostizierten Abnahmen pro Jahr im einstelligen Prozentbereich. Und seither brachte jedes Jahr, das verging, Krisen, die gerade wichtiger waren als die Klimakrise. Auch heute heißt es da und dort, zuerst mal die Energiekrise lösen. Aber mittlerweile sind 22 Prozent weniger CO2 pro Jahr nötig. Daher müssen wir heuer, jetzt, unser Leben grundlegend transformieren. Dazu brauchen wir ein Klimaschutz- und ein Klimawandelanpassungsgesetz. Damit wir unser restliches Treibhausgasbudget fair aufteilen können. Damit wir eine Chance auf eine lebenswerte und klimafitte Zukunft haben.

Letzte Woche in Mäder und Götzis waren viele dabei, die an diese Zukunft glauben. Und es werden immer mehr. Das gibt mir Mut und Zuversicht. Und darum ist die gemeinsame Bewältigung der Klimakrise trotzdem a gfreute Sach.

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