Warum die Caritas trotz aller Mühen kaum hinterher kommt

Politik / 02.12.2022 • 17:45 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Warum die Caritas trotz aller Mühen kaum hinterher kommt
Die Caritas würde sich Großquartiere als Puffer wünschen, bis Wohnungen bezugsfertig sind. Den Bedarf schätzt Fachbereichsleiter Bernd Klisch auf 500 Betten. APA, VN

Die Unterbringung von Flüchtlingen in Vorarlberg ist komplex und langwierig. Die Caritas wünscht sich mehrere Großquartiere.

Feldkirch Seitdem der Bund mit Zelten zur Unterbringung von Asylwerbern in Vorarlberg drohte, ist der Kampf um mehr Unterkünfte wieder im allgemeinen Fokus. Die Caritas hat allein heuer 1400 Betten geschaffen, dennoch fehlen beinahe 1000 Betten im Land. Warum die Caritas beinahe einer Sisyphos-Aufgabe gegenübersteht.

Vom Tempo getrieben

“Derzeit ist es so, dass über die Medien viele erfahren, dass wir Unterkünfte suchen und sowohl die Caritas wie das Land entsprechende Angebote machen”, freut sich Caritas-Fachbereichsleiter Bernd Klisch über angebotene Unterkünfte. Diese sind jedoch selten gleich bezugsfertig. Oft standen die Wohnungen lange leer und müssen saniert werden. Handwerker sind jedoch selten für den nächsten Tag verfügbar, dann braucht es noch Geschirr und andere Einrichtungsgegenstände sowie einen Mietvertrag. Zwischen dem Angebot und Bezug einer Wohnung liegen daher oft mehrere Wochen bis Monate, betont Klisch. Die Caritas habe daher zu jedem Zeitpunkt an die 30 Wohnungen in Arbeit.

Die Tennishalle in Nenzing wurde im April zum Auffanglager umgerüstet, damals für etwa 100 Personen. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Die Tennishalle in Nenzing wurde im April zum Auffanglager umgerüstet, damals für etwa 100 Personen. VN/Paulitsch

Hinzu kommt, dass sich die Anforderungen dauernd verändern. Einmal braucht es Plätze für Familien mit Kindern, dann für männliche Asylsuchende. Nicht jede Wohnung ist für alle Bedürfnisse gleich geeignet. “Natürlich gibt es Gemeinden, die sagen, dass ihre Schulen absolut voll sind”, verweist Klisch auf die nächste Herausforderung. “Das verstehen wir auch, dass man auf solche Dinge Rücksicht nehmen muss.”

Bernd Klisch muss jede Woche an die 50 Personen unterbringen, 30 Wohnungen werden zu jedem Zeitpunkt für Aufnahmen vorbereitet. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Bernd Klisch muss jede Woche an die 50 Personen unterbringen, 30 Wohnungen werden zu jedem Zeitpunkt für Aufnahmen vorbereitet. VN/Steurer

Und wo die Unterkünfte vorhanden sind, fehlt es an Personal. “Wir suchen ganz dringend Mitarbeiter mit sozialer oder pädagogischer Ausbildung, vor allem in den peripheren Lagen wie dem Bregenzerwald und im Oberland”, erklärt Klisch. Da das Rote Kreuz und ORS im Vergleich zu 2015 weit weniger involviert sind, lastet nun mehr auf der Flüchtlingsbetreuung der Caritas. Mitarbeiter wurden aufgestockt. Derzeit sind in Summe als Caritas in allen Bereichen rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

Herausforderung 1: Es fehlt der Puffer

40-50 Menschen werden vom Bund jede Woche in die Landesbetreuung übergeben. 2015 hatte die Caritas den Vorteil, mehrere Hundert Betten in den Großquartieren als Puffer in der Hinterhand zu haben. Hier konnten die Flüchtlinge schnell für einige Wochen untergebracht werden, bis sich eine passende Wohnung fand. Derzeit fehlt dieser Puffer. Fragt man Klisch, wie viele Betten hier sinnvoll wären, spricht er von etwa 500 Betten. Dies wäre aber schlussendlich eine politische Entscheidung.

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Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sieht hier derzeit eher eine Containerlösung statt Hallen. “Keine der angebotenen Hallen wäre schnell verfügbar. Containerstandorte könnten aber überlegt werden”, räumt Wallner ein. Das Land verfügt über Container für etwa 50 Personen. “Für uns ist weniger wichtig, ob es mehrere kleine Quartiere sind oder wo sie sind”, betont Klisch. Nur vorhanden sollten sie sein. Der Fairness halber müsse man aber betonen, dass der Bezirk Bludenz mit Nenzing und Gaschurn als einziger überhaupt Großquartiere stellt und da bereits zwei.

Herausforderung 2: Der Wohnungsmarkt

Leistbares Wohnen und der Bedarf an Sozialwohnungen hat auch Auswirkungen auf die Caritas. “Wir haben derzeit 700 Menschen mit Bleiberecht, also gewährtes Asyl oder subsidiärer Schutz, in den Wohnungen”, betont Klisch. Diese sind zwar nicht mehr in der Grundversorgung, finden aber keine leistbare Wohnung für sich und ihre Familie. Die Wohnungen stehen damit aber nicht für die Versorgung anderer Flüchtlinge zur Verfügung.

2015 gab es mehrere Großquartiere, die vom ORS und Roten Kreuz betreut wurden. <span class="copyright">Vol/VLach</span>
2015 gab es mehrere Großquartiere, die vom ORS und Roten Kreuz betreut wurden. Vol/VLach

Mit Nachverdichtung stößt man ebenfalls an Grenzen. Mehrere Personen teilen sich nun ein Zimmer, aus Wohn- wurden Schlafzimmer, mehrere Familien teilen sich Küchen. “Belegen wir die Unterkünfte zu dicht, nehmen die Konflikte zwischen den Bewohnern zu”, warnt Klisch.

Herausforderung 3: Die Stimmung

2015 war die Solidarität gegenüber den Migranten weit größer, sowohl in der Bevölkerung als auch in der Politik. “Derzeit sind wir davon weit entfernt oder sie beschränkt sich auf bestimmte Gruppen, das spüren wir sehr”, bestätigt Klisch. Dabei müsse man die Migration auch als Chance für Vorarlberg sehen. Schließlich sei unser Wohlstand auf Zuwanderung angewiesen, Stichwort Fachkräftemangel. “Die Menschen, die wir aufnehmen, kommen, um zu bleiben”, erklärt Klisch. “Wir sollten versuchen, ihnen einen guten Start zu ermöglichen, damit sie Fuß fassen können.”

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