Mit einem blauen Auge aus der Wirtschaftskrise

Politik / 15.12.2022 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Positiver gestimmt als vielleicht erwartet, gehen Wifo und IHS in die Zukunft. <span class="copyright">APA/EVA MANHART</span>
Positiver gestimmt als vielleicht erwartet, gehen Wifo und IHS in die Zukunft. APA/EVA MANHART

Das Wirtschaftsforschungsinstitut und das Institut für Höhere Studien präsentieren ihre Konjunkturprognose für das Jahr 2023 und blicken auf die vergangenen Monate zurück.

Wien „Wer hätte das gedacht?“ fragt der Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), Klaus Neusser, bei einem Pressegespräch in die Runde: „Wer hätte vor einem Dreivierteljahr gedacht, dass wir, nach dem Schock des beginnenden Krieges, jetzt eigentlich relativ gut dastehen?“. Die Inflation sei zwar „exorbitant hoch, die anderen Indikatoren sind aber recht positiv.“

Tatsächlich sei die volkswirtschaftliche Lage, auch trotz den Folgen der Pandemie, heute deutlich besser als nach der Finanzkrise ab 2008, bestätigt der Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Gabriel Felbermayr: „Das war wie so häufig eine Mischung aus Glück einerseits und tatsächlich eine bessere Wirtschaftspolitk.“

Ein stabiler Arbeitsmarkt als Stabilisator für die Wirtschaft

Zwar dürfte die Wirtschaft kommendes Jahr noch stagnieren, verkündeten die beiden Institute bei ihrer jährlichen Konjunkturprognose. Ab 2024 sollte das Wirtschaftswachstum aber auf 1,2 bis 1,8 Prozent anziehen: „Die österreichische Volkswirtschaft kommt also mit einem blauen Auge durch die Energiepreiskrise“, vermutet Felbermayr. Mitunter ein Grund dafür – neben einem stabilen Bankensystem – sei der Arbeitsmarkt: „Es herrscht nicht mehr die Angst vor Massenarbeitslosigkeit, sondern es ist eher umgekehrt. Die Frage ist: ‚Wie kann man Arbeitsplätze füllen?‘.“ Die Einkommen seien dank ausgebliebener Kündigungswellen deutlich stabiler, der Arbeitsmarkt aufgrund der demographischen Entwicklungen ausgeglichener.

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Jedenfalls habe die Teuerung ihren Höhepunkt überschritten. Nach einer Gesamtinflation von 8,5 Prozent 2022, soll sie sich 2023 auf knappe 6,5 und 2024 auf an die 3,5 Prozent verlangsamen. Die Zielmarke sei damit aber noch nicht erreicht, der Markt reagiere nur langsam: „Der direkte Effekt der Energiepreise nimmt ab. Aber die Überwälzung der hohen Koten auf die Verbraucher dauert noch an“, vermutet der Wifo-Chef.

Zinsen über deutschem Niveau

„In der Haushaltspolitik ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, vom Gas zu gehen“, richtet Felbermayr außerdem unter anderem Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) aus, dessen Budget für die kommenden Jahre Rekord-Schuldenstände vorsieht: „Das muss die Budgetpolitik, in der gesamten Eurozone, damit sie einen Beitrag zur Inflationsbekämpfung leisten kann, tun.“ Die Staatsschuldenquote fällt in den kommenden Jahren aber. Das sei auf die hohe Inflation zurückzuführen: Altschulden würden entwertet, so Felbermayr, und die Steuern steigen auch auf ein Rekordniveau. Aber: „Die Zinsen für Staatsanleihen sind deutlich gestiegen, das bedeutet auch, jetzt restriktiver werden zu müssen.“ Für zehnjährige Anleihen liegen die Zinsen demnach bei 2,5 Prozent, 0,6 Prozentpunkte über dem deutschen Niveau.

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Der effektive Zinssatz – bei einer durchschnittlichen Dauer für Anleihen von elf Jahren – liege auf niedrigem Niveau, hält der Wifo-Chef fest, auf 1,2 Prozent: „Der steigt jetzt natürlich, aber wir haben ein paar Jahre Zeit.“ Dieses Fenster könne man einerseits für Investitionen in die Konjunktur nutzen, andererseits müsse man deswegen noch nicht groß gegensteuern: „Da hat Österreich einen ganz guten Job gemacht.“ Dass Österreich höhere Zinssätze auf Staatsanleihen (+0,6 Prozentpunkte) hat, sei zwar „noch keine Katastrophe“. Man müsse aber glaubwürdig signalisieren, dass man wieder einen niedrigeren Schuldenstand anpeile: Maximal 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, wie in den Maastricht-Kriterien festgehalten. So niedrig war dieser Wert in Österreich zuletzt 1992, 2022 liegt er bei 78,3 Prozent.

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