Das sagt der Abtreibungsarzt zur neuen Lösung

Politik / 17.12.2022 • 05:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Das sagt der Abtreibungsarzt zur neuen Lösung
Vonseiten der aks und der KHBG betont man die Vorteile der gefundenen Lösung. Es ist aber nicht jeder so optimistisch. aks, VN/Rauch/Sams

Künftiger Standort in Bregenz mit Fragezeichen. Hausrecht reicht nicht gegen radikale Abtreibungsgegner.

Schwarzach Derzeit führt nur ein Arzt in Vorarlberg Schwangerschaftsabbrüche im Rahmen der Fristenregelung durch. Benedikt-Johannes Hostenkamp hat seine Praxis in Bregenz, will aber im Laufe des kommenden Jahres in Pension gehen. Deshalb muss eine Nachfolgelösung her.

Im Personalwohnheim neben dem Landeskrankenhaus Bregenz befinden sich bereits die Babyklappe und das Stillcafé. <span class="copyright">VOL.at/Rauch</span>
Im Personalwohnheim neben dem Landeskrankenhaus Bregenz befinden sich bereits die Babyklappe und das Stillcafé. VOL.at/Rauch

Diese ist dem Land zufolge nun gefunden: Ein neuer Standort soll im Personalwohnheim neben dem Krankenhaus Bregenz entstehen, die VN berichteten. Die Krankenhausbetriebsgesellschaft KHBG vermietet die Räumlichkeiten, betreiben soll sie der Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin (aks) als neutraler Anbieter. Während die einen erleichtert sind, kritisiert Hostenkamp die Vorgangsweise. Zudem hält er eine Bannmeile für notwendig.

In der Nähe des Spitals

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) zufolge haben sich insgesamt 15 Ärztinnen und Ärzte beim Land gemeldet. Nun würden aks und KHBG auf die Personen zugehen, um ein Konzept auf die Beine zu stellen. „In Zukunft soll eine gynäkologische Praxis entstehen, die Abbrüche vornimmt“, sagte Rüscher.

Eine wichtige Rolle kommt dem aks zu. Schon seit über 50 Jahren unterstütze die aks gesundheit GmbH Kranke in Rehabilitation, Versorgung und Prävention, hielt Geschäftsführer Georg Posch in einer Stellungnahme fest. “Seit mehr als zwei Jahren bauen wir Gesundheitszentren da auf, wo Ärztinnen und Ärzte in Vorarlberg fehlen.” Daher sei es ein “logischer Schritt” gewesen, für die Konzeption einer gynäkologischen Ordination in Bregenz angefragt zu werden. Wesentlich sei, neutral und nicht wertend, diese Aufgabe zur Umsetzung des geltenden Rechts der Fristenlösung wahrzunehmen. “Wir rechnen mit einem zeitgerechten Start Mitte 2023.”

Georg Posch sieht die aks als naheliegenden Partner. <span class="copyright">aks gesundheit</span>
Georg Posch sieht die aks als naheliegenden Partner. aks gesundheit

Wichtig sei, dass es eine Lösung im Land gibt, zwar nicht im Spital, aber in der Nähe, betont auch KHBG-Geschäftsführer Gerald Fleisch im VN-Gespräch. „Betroffene dürfen sich nicht dazu gezwungen sehen, ins Ausland zu gehen oder gar im Hinterzimmer solche Eingriffe vornehmen zu lassen.“ Die KHBG stelle die Räumlichkeiten zu Verfügung. Auf die Frage, warum Abbrüche weiterhin nicht in den Krankenhäusern stattfinden, verweist Fleisch auf verschiedene Herangehensweisen. „Im Klinikbetrieb ist es sehr schwierig, auch betriebsorganisatorisch.“ Seiner Ansicht nach könne die Anonymität für die Betroffenen in einer ausgelagerten Einheit auch besser gewahrt werden.

KHBG-Geschäftsführer Fleisch zufolge kann die Anonymität der Betroffenen in einer ausgelagerten Einheit besser gewahrt werden. <span class="copyright">VN/Sams</span>
KHBG-Geschäftsführer Fleisch zufolge kann die Anonymität der Betroffenen in einer ausgelagerten Einheit besser gewahrt werden. VN/Sams

Lob gab es von den Neos. Die Nachfolge von Hostenkamp sei gesichert, und Frauen hätten weiterhin eine Anlaufstelle für Beratung und medizinische Versorgung im Falle einer ungewollten Schwangerschaft; das sei die Hauptsache, sagt der Abgeordnete Johannes Gasser. Auch Elke Zimmermann (SPÖ) begrüßt die Entwicklung: „Der Kampf für das Selbstbestimmungsrecht von Frauen und die Frauengesundheit gehören seit jeher zu den wichtigsten Anliegen der Sozialdemokratie.”

Hostenkamp selbst ist hingegen kritisch, was die von Rüscher vorgebrachte künftige Lösung angeht. „Für mich ergibt sich ein großes Fragezeichen.” Vieles sei noch unklar. Beim aks handle es sich laut Satzung um eine präventive Vereinigung. Zudem kritisiert er den geplanten neuen Standort, ausgerechnet bei der Babyklappe und dem Stillcafé. „Dann müssen die Patientinnen etwa an stillenden Müttern vorbeilaufen?“ Zwar ist der der Arzt nach wie bereit, bei der Übergabe zu helfen. Doch die Lösung müsse schon Sinn machen. Hostenkamp verweist auf seine bestehende Praxis. „Man hätte ausgetretene Pfade.“ Dies wäre wohl auch die kostengünstigste Variante gewesen, vermutet er.

Landesrätin Rüscher zufolge sollen die Räumlichkeiten bis Mitte 2023 bezugsfähig sein. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Landesrätin Rüscher zufolge sollen die Räumlichkeiten bis Mitte 2023 bezugsfähig sein. VN/Hartinger

“Hausrecht haben wir auch”

Die Ausführungen von Landesrätin Rüscher, wonach es auch künftig keine Bannmeile brauche, kann der Arzt auch nicht nachvollziehen. Sie hatte erklärt, dass die KHBG eine Schutzpflicht gegenüber Patienten, Besuchern und Mitarbeitern zukomme. Das Hausrecht eröffne somit die Möglichkeit, Aktionen von radikalen Abtreibungsgegnern bei der künftigen Ordination zu untersagen. „Das Hausrecht haben wir auch. Dann stehen die Personen eben auf der Straße davor“, gibt Hostenkamp zu bedenken. „Sie belästigen unsere Patientinnen, verfolgen sie, geben Flyer aus, beschimpfen sie.“ Das Personal habe auch schon „sehr unschöne Szenen“ erlebt. Um eine Bannmeile komme man nicht herum, wolle man dies einschränken.

In Österreich gilt die Fristenregelung. Grundsätzlich besteht auf eine Abtreibung eine Freiheits- oder Geldstrafe, außer der Abbruch erfolgt innerhalb der ersten drei Monate nach Beginn der Schwangerschaft. Später ist eine Abtreibung erlaubt, wenn eine ernste Gefahr für die Schwangere besteht, sie jünger als 14 Jahre alt ist oder eine schwere geistige oder körperliche Behinderung des Kindes zu erwarten ist. Kosten werden von der Sozialversicherung übernommen, wenn der Abbruch aus medizinischen Gründen nötig ist. Rüscher zufolge soll es grundsätzlich bei einer privaten Leistung bleiben.

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