Politische Debatte um Fracking nahe Nationalpark geht weiter

Politik / 17.01.2023 • 14:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Klimaschutzministerin pocht auf ein Fracking-Verbot. <span class="copyright">APA</span>
Klimaschutzministerin pocht auf ein Fracking-Verbot. APA

In Oberösterreich sollen große Mengen Gas liegen. Österreich hat im Vorjahresvergleich 20 Prozent Gas gespart.

Wien In der Gemeinde Molln in Oberösterreich liegt möglicherweise einer der größten Erdgasspeicher im Land. 22 Milliarden Kubikmeter Erdgas sollen in etwa 2000 Meter Tiefe schlummern. Angesichts der aktuellen Gaskrise werden nun die Stimmen lauter, die darauf drängen, in der Nähe des Nationalparks Kalkalpen Fracking zu betreiben, die VN berichteten. Die Bundesforste haben bereits einen Pachtvertrag mit dem Unternehmen, das Probebohrungen durchführen möchte, vereinbart.

Widerstand in Molln

In dem 3600 Einwohner-Ort Molln regt sich Widerstand, auch wenn die Pläne noch nicht fix sind. Laut SPÖ-Bürgermeister Andreas Rußmann blieben nach dem Gespräch am Montag mit dem Unternehmen “Fragen offen”, wie er dem Ö1-Journal sagte. Rußmann fordert nun mehr Informationen.

Bei dem Unternehmen handelt es sich um ADX Energy Vienna, einer Tochterfima des australischen Konzerns ADX Energy. ADX hat bislang lediglich eine Aufsuchungslizenz, die für Probebohrungen notwendig ist. ADX verfügt aber weder über eine Bohr-, noch eine Förderlizenz.

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ÖVP und Grüne beraten zu Fracking-Verbot

ÖVP und Grüne scheinen sich auf Ebene der Bundesregierung bezüglich des von Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) gewünschten Fracking-Verbots noch uneinig zu sein. In Vorarlberg lehnen die Regierungsparteien Fracking aber weiterhin ab, das ist auch seit 2014 in der Landesverfassung verankert. “Daran hat sich nichts geändert”, bestätigte Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) den VN. Auch Landesrat Daniel Zadra (Grüne) bekräftigt den Standpunkt und fordert stattdessen einen rascheren Ausbau der Erneuerbaren für eine Energieunabhängigkeit.

“Wir haben Ende der vergangenen Woche einen Vorschlag für einen Ministerratsvortrag zu einem Bekenntnis gegen Fracking in Österreich übermittelt”, heißt es aus dem Klimaschutzministerium Gewesslers. Dieser Ministerratsvortrag befinde sich “aktuell in regierungsinterner Abstimmung”. Die ÖVP wollte zum Stand der Beratungen am Dienstag keinen Kommentar abgeben.

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Lange Vorlaufzeiten bei Fracking

Fracking könne “zu weitreichenden Auswirkungen auf Umwelt und Natur führen” und leiste “aufgrund der langen Vorlaufzeit auch keinen Beitrag zur Versorgungssicherheit”. Nach einer erfolgreichen Probebohrung dauert es tatsächlich einige Jahre, bis das Gas gefördert werden kann. In der aktuellen Krise ist daher keine akute Abhilfe zu erwarten. Aus diesem Grund “sind wir der Überzeugung, dass sich die Menschen hier eine klare Linie der Politik verdient haben. Das wollen wir sicherstellen”, so Gewessler.

Beim Fracking wird mit Quarzsand und Chemikalien vermischtes Wasser unter hohem Druck in Schiefergestein gepresst. Neue Technologien verzichten auf Chemikalien, der CO2-Ausstoß und Wasserverbrauch bleiben dennoch enorm. <span class="copyright">Reuters</span>
Beim Fracking wird mit Quarzsand und Chemikalien vermischtes Wasser unter hohem Druck in Schiefergestein gepresst. Neue Technologien verzichten auf Chemikalien, der CO2-Ausstoß und Wasserverbrauch bleiben dennoch enorm. Reuters

Die Ministerin wolle laut “Krone” in dem Papier festhalten, dass “Fracking in Österreich weder unter energiewirtschaftlichen noch unter betriebswirtschaftlichen, umwelt- oder klimapolitischen Gesichtspunkten eine verfolgenswerte Option ist”.

Die SPÖ kündigte eine parlamentarische Anfrage an Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) an, zu dessen Ressort die zuständige Montanbehörde gehört. Der oberösterreichische Parteichef Michael Lindner will wissen, “wie es überhaupt dazu kommt, dass diese Lizenz an einen ausländischen Konzern vergeben wurde”. 

Abhängigkeit reduzieren

Österreich will seine Abhängigkeit von russischem Gas weiter reduzieren. Vor einem Jahr bezog das Land noch 80 Prozent des Gases aus Russland, ein Jahr später konnte dieser Anteil auf 20 Prozent reduziert werden, wie das Klimaschutzministerium informiert. Doch das kostet. Das verflüssigte Erdgas (LNG) ist zum Beispiel deutlich teurer.

Zwischen acht und neun Milliarden Kubikmeter Gas werden pro Jahr benötigt. Als weitere Strategie, auch um die Klimaziele zu erreichen, setzt das Klimaschutzministerium auf Energiesparen. Ein Minus von 18 Prozent ist in diesem Jahr geplant. Die EU fordert Einsparung von 15 Prozent von August 2022 bis März 2023. Im Vergleich zum Vorjahr ist der monatliche Gasverbrauch in Österreich bereits um 20,1 Prozent gesunken. Eine erfreuliche Zahl, die zum Teil aber wohl auch dem milden Winterwetter geschuldet ist.

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