Kindergärten, Pflege: Darum suchen die Gemeinden händeringend nach Personal

Politik / 09.05.2023 • 17:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In der Pflege herrscht Personalmangel. Das spüren auch die Gemeinden sehr stark. <span class="copyright">APA/Fohringer</span>
In der Pflege herrscht Personalmangel. Das spüren auch die Gemeinden sehr stark. APA/Fohringer

Viele Kommunen tun sich schwer, dringend benötigte Arbeitskräfte zu finden. Eine Entspannung ist nicht in Sicht.

Schwarzach In vielen Branchen ist die Suche nach geeigneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schwierig. Das wirkt sich auch auf die Kommunen aus. Sie suchen händeringend nach Personal. Auch Vorarlberger Bürgermeister können von der Problematik ein Lied singen: Gerade bei der Kinderbetreuung und in der Pflege wird es vielerorts eng. Dies dürfte sich zukünftig wohl noch verschärfen.

Fachkräftemangel als Problem

Über die schwierige Mitarbeitersuche in den Kommunen hatte zuerst der ORF in Salzburg berichtet. Mehr als 80 Prozent der Gemeinden bundesweit finden demnach nicht genügend qualifizierte Arbeitskräfte. Auch in Vorarlberg kämpfen viele Gemeinden zum Teil mit großen Schwierigkeiten, wie die Vorarlberger Gemeindeverbandspräsidentin, Dornbirns Bürgermeisterin Andrea Kaufmann (ÖVP), im VN-Gespräch ausführt. Neben der Pflege und dem elementarpädagogischen Bereich verweist sie zum Beispiel auf fehlende IT-Kräfte, Bautechniker oder Ingenieure. Dies habe mit der aktuellen Marktsituation und dem allgemeinen Fachkräftemangel zu tun. „Die Entwicklung wirkt sich natürlich auch auf die Gemeinden aus.“

Auch im elementarpädagogischen Bereich bleibt die Lage herausfordernd. <span class="copyright">APA/Schneider</span>
Auch im elementarpädagogischen Bereich bleibt die Lage herausfordernd. APA/Schneider

In Dornbirn, der größten Stadt Vorarlbergs mit über 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, gibt es der Bürgermeisterin zufolge gerade in der Pflege massive Probleme. „Wie andere Gemeinden mit Pflegeheimen benötigen auch wir mehr Kräfte.“ Daneben hebt sie Schwierigkeiten im elementarpädagogischen Bereich hervor. Ähnliches kann der Bürgermeister von Nenzing, Florian Kasseroler (FPÖ), berichten. Er identifiziert die Kindergärten und die Pflege als „die zwei Hauptthemen“. Darüber hinaus verweist Kasseroler etwa auch auf den Bauhof oder die Verwaltung, wo es zunehmend Probleme gebe, geeignetes Personal zu finden. „Es ist überall nicht mehr so einfach, wie es einmal war“, konstatiert der Bürgermeister der rund 6300-Einwohner-Marktgemeinde. Bisher schaffe es Nenzing, die Lage zu stemmen: „Aber der Zustand ist natürlich nicht angenehm.“ 

Andrea Kaufmann ist Gemeindeverbandspräsidentin und Bürgermeisterin von Dornbirn. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Andrea Kaufmann ist Gemeindeverbandspräsidentin und Bürgermeisterin von Dornbirn. VN/Hartinger

Vergleichsweise entspannter klingt es in der kleinen Kommune Raggal. „Wir sind momentan ausreichend besetzt“, sagt Gemeindechefin Alexandra Martin (Zukunft Raggal) und verweist auf viele langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch im Kindergarten in der rund 900-Einwohner-Gemeinde gebe es zumindest aktuell keine Personalprobleme. Martin rechnet allerdings mit Herausforderungen durch das neue Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz. Ab Herbst sieht es einen Versorgungsauftrag für Gemeinden vor, der schrittweise eingeführt wird. „Der Prozess startet erst. Da wird es Umstellungen geben“, ist sie sich sicher. Denn klar sei: „Es gibt ganz definitiv zu wenige Pädagogen, auch Freizeitpädagogen.“

Nenzings Bürgermeister Florian Kasseroler. <span class="copyright">Elke Kager</span>
Nenzings Bürgermeister Florian Kasseroler. Elke Kager

Auch Kurt Fischer (ÖVP), Bürgermeister von Lustenau mit fast 24.000 Bewohnern, sieht neben dem Dauerbrenner Pflege die Ausweitung der Angebote im Bildungsbereich, speziell in den Kindergärten, als besonders herausfordernd. Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter zu finden, ergeben sich laut Fischer mittlerweile auch im handwerklichen Bereich, bei Hoch- und Tiefbauingenieuren sowie in der Kernverwaltung, besonders der Buchhaltung, der Personalverrechnung und im Baurecht.

Alexandra Martin, Bürgermeisterin von Raggal. <span class="copyright">Alexandra Martin </span>
Alexandra Martin, Bürgermeisterin von Raggal. Alexandra Martin

Doch welche Gegenstrategien gibt es? Fischer sagt: „Wir versuchen uns in einem umkämpften Markt als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.“ Das gelte etwa auch für Teilzeit-Angebote, die nicht nur von weiblichen Arbeitskräften nachgefragt würden. In der Pflege würden intensive Strategien laufen, um neue Mitarbeiter zu finden. Von neuen Anwerbemaßnahmen spricht auch Dornbirns Bürgermeisterin Kaufmann. Beim bestehenden Personal würde zum Teil versucht aufzustocken.

Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer. VN/Paulitsch

Anpassungen beim Gehalt

Die Gemeindeverbandspräsidentin erhofft sich außerdem Verbesserungen für die Kommunen durch eine Anpassung bei den Gehältern im öffentlichen Bereich. Günter Meusburger, Geschäftsführer des Gemeindeverbands, berichtet von angestrebten Änderungen im Gemeindeangestelltengesetz. So sollen die Gehaltstabellen an jene der Landesbediensteten angeglichen werden. Das nach entsprechenden Abstimmungen geschnürte Forderungspaket sei dem Land übermittelt worden – „mit dem Ansuchen, dass es zu Beginn nächsten Jahres umgesetzt wird“.

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