Aktuelles Recht: Vorsicht bei Geburtsanzeigen

Ratgeber / 29.09.2019 • 09:00 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Aktuelles Recht: Vorsicht bei Geburtsanzeigen
APA

Von MMag. Dr. Christian Wirthensohn, Rechtsanwalt in Dornbirn.

Die Geburt eines Kindes ist ein besonderes Ereignis für alle Beteiligten und es ist nachvollziehbar, dass die stolzen Eltern die frohe Mitteilung möglichst weit verbreiten möchten. In Krankenhäusern bieten Firmen außerdem die kostenlose Anfertigung von Fotos an und entsprechende Geburtsanzeigen werden in diversen Medien veröffentlicht.

Systematische Auswertung von Geburtsanzeigen

Weniger bekannt ist dagegen die Tatsache, dass Unternehmen im Bereich des Adresshandels offenbar systematische Auswertungen von Geburtsanzeigen vornehmen und die persönlichen Daten der ganzen Familie in ihren Datenbanken verarbeiten und für Zwecke des Direktmarketings an Dritte weitergeben. Betroffen davon sind Daten wie zum Beispiel Namen von Eltern und Kind und Geschwistern, Geburtsdatum und Wohnort. Im Zuge weiterer Auswertungen lassen sich daraus weitergehende Daten zur gesamten Familie ableiten (Gesamtzahl der Kinder).

Zulässigkeit der Auswertung

Die österreichische Gewerbeordnung enthält Regelungen, die Adressverlagen und Direktmarketingunternehmen die Ermittlung solcher Daten grundsätzlich erlauben. Bisher nicht geklärt ist allerdings die Vereinbarkeit dieser Regelungen mit den Bestimmungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Problematisch erscheint insbesondere die fehlende Transparenz, weil in vielen Fällen keine Information der Betroffenen erfolgt.

Damit der Start ins Leben nicht gleichzeitig der Startschuss für die Verwertung der persönlichen Daten von Kindern ist, sollte überlegt werden, ob die Geburtsanzeige nicht nur an einen geschlossenen Empfängerkreis versendet werden soll. Eine besonders datenschutzfreundliche Alternative ist auch die traditionelle Geburtsanzeige in Papierform.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.