Künstlern eine Plattform bieten

Region / 06.04.2022 • 14:27 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Künstlern eine Plattform bieten

In Thüringerberg findet heuer erstmals das durch Barbara Sönser-Gantner initiierte Format „Kunst im Dorf“ statt.

Thüringerberg Vom 7. bis 10. April findet in Thüringerberg erstmals ein kulturelles Highlight der Sonderklasse statt. Mit „Kunst im Dorf“ wird ein umfassendes Angebot an unterschiedlichsten Aktivitäten geboten. Die Idee zu diesem Festival der regionalen Kunst hatte Barbara Sönser-Gantner. Sie ist auch für die Gesamtorganisation zuständig – ein spannendes, vielfältiges und zugleich herausforderndes Unterfangen.

Wie entstand die Idee zu dem Projekt „Kunst im Dorf“?

SÖNSER-GANTNER Es war ein Moment der Eingebung. Ich bin vor einigen Jahren auf den Thüringerberg gezogen und habe hier viele Menschen kennengelernt. Spannend war für mich, dass es so viele Leute gibt, die unterschiedlichste Dinge machen. Oft habe ich einen Haushalt betreten und war ganz von ihrem Tun und Können fasziniert. Was mich aber immer wieder verwunderte, war, dass kaum jemand vom anderen Bescheid wusste. Ein kleines Dorf mit einem unglaublich großen Potenzial: Dies wollte ich einfach mal vor den Vorhang stellen.

Hatten Sie schon früher mit Kunstvermittlung zu tun? Sind sie auch selber künstlerisch tätig?

SÖNSER-GANTNER Beide Fragen kann ich mit „nein“ beantworten. Aber genau das ist es, was mich an diesem Projekt so anspornt. Ich würde gerne schöne Dinge basteln können, auf der Bühne stehen und singen oder die Muse haben, ein Bild zu malen. Was ich aber kann, ist, Dinge zu organisieren und so versuche ich, den künstlerisch tätigen Menschen eine Möglichkeit zu bieten, um sich zu präsentieren. Ich mache dies zum ersten Mal.

Welche Bedeutung hat Kunst für Sie persönlich?

SÖNSER-GANTNER Meine Mama malt sehr viel, meine Onkels machen Musik, komponieren, waren als Holzbildhauer oder Hutmacher tätig und meine Oma hat für mich faszinierende Bilder und Decken gestickt oder gehäkelt. Ich bin mein Leben lang mit Kunst auf irgendeine Art und Weise in Berührung gewesen. Kunst, in all ihrer Vielfalt, gehört in mein und unser Leben. Es macht auch unser Leben bunt und ich glaube, dass sie für uns Menschen sehr wichtig und nicht wegdenkbar ist. Sie macht uns kreativ und erst durch die Kunst betrachten wir die Dinge oftmals von vielen verschiedenen Seiten. Wir können uns über die verschiedensten Interpretationen wundern oder auch darüber diskutieren.

Wann wurde mit der Umsetzung dieses ambitionierten Projekts begonnen?

SÖNSER-GANTNER Nach den Gemeinderatswahlen durfte ich Mitglied im Kulturausschuss werden. Dort habe ich die Leitung einer Arbeitsgruppe für Veranstaltungen übernommen. Kurz darauf entstand dann diese Idee. Ich habe dieses Projekt meinem Team vorgeschlagen. Sie haben es alle sofort als eine tolle Sache empfunden. Im Herbst 2021 haben wir dann mit der Umsetzung und der aktiven Planung begonnen.

War es schwierig, Kooperationspartner zu finden?

SÖNSER-GANTNER Wir haben eine Ausschreibung gemacht und teilweise die Menschen auch persönlich angesprochen, von denen wir wussten, dass sie besondere Dinge machen. Innerhalb von einer Woche hatten wir über 15 Zusagen. Nun sind es einige mehr und es ist ein tolles Programm entstanden.

Aus wie vielen Mitgliedern besteht Ihr Team? Wie werden die jeweiligen Zuständigkeiten geregelt?

SÖNSER-GANTNER Wir sind mit mir ein vierköpfiges Team (Edith Stuchly, Birgit Müller und Adrian Türtscher). Alles wird miteinander gemacht. Da wir alle sehr unterschiedlich sind, uns aber die Kunst und Kultur verbindet, stehen wir uns nicht im Weg.

Im Gegenteil: Wir treffen uns mindestens einmal im Monat und besprechen uns. Oftmals übersehen wir dabei die Zeit und wundern uns, dass wir alle so müde sind. Ein Blick auf die Uhr ist dann des Rätsels Lösung. Bei den jeweiligen Besprechungen teilen wir uns dann die Arbeit auf.

Worauf legen Sie in der Konzeption dieses Formats besonderen Wert?

SÖNSER-GANTNER Dass die Künstler und Künstlerinnen oder mindestens ein Bandmitglied aus dem Dorf sind. Es soll ein Wochenende sein, das die mitwirkenden Menschen in den Mittelpunkt und vor den Vorhang stellt und die Dorfmitglieder in Bewegung bringt. Es ist mir auch wichtig, dass es Freude bereitet.

Thüringerberg ist ein kleiner Ort. Wie kam diese Vielzahl an Veranstaltungen zustande?

SÖNSER-GANTNER Wir haben die Leute gefragt oder sie haben sich bei uns gemeldet. Wenn man mit den Menschen spricht, ihnen die Angst nimmt und erklärt, dass nicht immer alles „perfekt“ sein muss, dann werden sie auch mutiger. Meinen Schülern habe ich schon immer erklärt, dass Fehler und das „nicht perfekt Sein“ genial sind, denn daraus können wundervolle Dinge entstehen – für einen selber und andere. Alle diese Menschen haben besondere Fähigkeiten und wenn sie über ihr Tun erzählen, spürt man ihre Freude.

Es werden auch sehr viele Ausstellungen präsentiert. Was denken Sie: Wie kommt es, dass sich so viele Menschen aus Thüringerberg mit Zeichnen und Malen beschäftigen?

SÖNSER-GANTNER Das ist eine sehr gute Frage, die ich leider nicht beantworten kann. Vielleicht weil wir auf der Sonnenseite leben?

Es werden auch einige Workshops für Kinder und Erwachsene angeboten. Braucht es hierfür spezifische Vorkenntnisse?

SÖNSER-GANTNER Nein, bei keiner der Veranstaltungen braucht es spezifische Vorkenntnisse. Diejenigen, die etwas anbieten, sind Fachleute und leiten einen an.

Worauf freuen Sie sich im Rahmen von „Kunst im Dorf“ im Besonderen?

SÖNSER-GANTNER Ich freue mich auf alles. Jeder einzelne Tag ist etwas ganz Besonderes und dank meines tollen Teams, haben wir vier spannende Tage zusammenstellen können. Egal ob für Jung oder Alt, es ist für jeden etwas dabei. BI

Zur Person

Barbara Sönser-Gantner

Geboren 12. April 1984 in Bludenz

Wohnhaft Thüringerberg

Familie verheiratet, drei Kinder

Beruflicher Werdegang Lehramt Studium für Mittelschule (Mathe, Physik, Chemie und Musik), bis 2018 als Lehrerin tätig, Dipl. Kinesiologin und Kräuterpädagogin

Hobbys Musizieren, Kräuter sammeln, Konzerte besuchen und organisieren

Lebensmotto Think pink and stay tuned

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