Nachnutzung statt Leerstand

Region / 06.04.2022 • 14:14 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Carina Türtscher steht vor dem alten Gasthaus Gemsle (links im Hintergrund). VN/JUN
Carina Türtscher steht vor dem alten Gasthaus Gemsle (links im Hintergrund). VN/JUN

In Garsella soll im alten Gasthaus Gemsle unter anderem ein Flohmarktlädele entstehen.

Blons, Garsella Das alte Gasthaus Gemsle an der Grenze zu Sonntag-Garsella steht schon seit Jahren leer. Es fristet ein klägliches Dasein, seit sein Besitzer vor rund sechs Jahren verstorben ist. Ausgeräumt wurde das alte Haus nie. Noch immer stehen ungenutzte Betten und Gerümpel in den Stuben. Die Gemeinde Blons hat das Haus samt Grundstück erworben, nicht wegen des Hauses an sich, sondern viel mehr wegen der Nähe zum angrenzenden Fußballplatz.

In der ehemaligen Bar ist bereits der Dartclub angesiedelt. Ein Jugendraum der mobilen Jugendarbeit soll dort ebenfalls entstehen. Letztes Jahr hat die JKAW (JugendKulturArbeit Walgau) ihre mobile Jugendarbeit im Großen Walsertal aufgenommen, ein Raum, der noch dazu zentral im Großen Walsertal liegt, wäre bei schlechtem Wetter daher praktisch. Auch könnte man im Nebengebäude Partys feiern, da das Gemsle außerhalb liegt und keine direkten Nachbarn hat. Im Erdgeschoss und oberen Stockwerk soll ein Flohmarktlädele verwirklicht werden.

Freiwillige beim Ausräumen gesucht

Carina Türtscher ist Mitglied des Sozialausschusses in Blons. Das sechsköpfige Team geht unter anderem auch die Nachnutzung des leer stehenden Gasthauses an. Zuallererst müsse man aber das Haus ausräumen, denn dies hatte, seitdem der Besitzer und Betreiber des Gemsles verstorben ist, noch nie jemand getan. Das Team des Sozialausschusses agiert ehrenamtlich, weshalb es auf Mithilfe aus der Bevölkerung angewiesen ist. Mitte Mai gibt es in der Gemeinde einen Frontag, bei dem jeder Bürger eine Fronarbeit verrichten muss. Carina Türtscher hofft, dass sich dort ein paar Freiwillige finden, die beim Ausräumen mithelfen. Doch bereits vorher will das Team den Müll von den noch gut erhaltenen Gegenständen trennen. „Die guten Dinge behalten wir und legen sie beiseite, der Rest kommt in mehrere Container, die die Helfer dann nur noch befüllen müssen“, erklärt Carina Türtscher die weitere Vorgehensweise. „Vor allem der Dachboden und der Keller schauen schlimm aus.“

Entstanden ist die Idee eines Flohmarktlädeles gemeinsam im Ausschuss. Der Grundgedanke hinter dieser Idee ist die Nachhaltigkeit: „Damit man die Dinge nicht wegwirft“, sagt Carina. „Du trennst dich leichter, wenn du weißt, dass es ein anderer gebrauchen kann.“ Beim Krankenpflegeverein, bei dem die Blonserin arbeitet, gab es alle drei Jahre einen Flohmarkt in der Volksschule. Dort sei wahnsinnig viel Zeug übrig geblieben, das man dann einfach in einen Container geschmissen hat, bedauert Carina Türtscher. Im Team des Sozialausschusses seien zwei leidenschaftliche Flohmarktgänger, die erkennen, was wertvoll ist und was nicht, eine davon ist Helga Bickel, die dieses Projekt auch hauptverantwortlich leitet. Denn der Besitzer war ein Sammler. „Er hat wirklich viel Zeug angesammelt“, weiß Carina Türtscher.

Kaffee und Kuchen in Gaststube

In der alten Gaststube soll Kaffee und Kuchen angeboten werden, während die Besucher in den Räumen nach alten Schätzen stöbern können. Die Öffnungszeiten sind noch unklar, doch einige Frauen hätten bereits Interesse gezeigt, den Flohmarktladen zu betreuen. Das Flohmarktlädele könnte aber nur – so der Plan – von März bis Oktober offen haben, da es in dem Haus keine Heizung gibt und es so in den Wintermonaten zu kalt wäre.

„Solche Projekte finde ich total spannend. Wir kommen in eine Zeit, in der wir achtsamer mit Ressourcen umgehen müssen“, mahnt Carina Türtscher. In den Klamottenläden werden ganze Kollektionen weggeworfen, weil sie nicht verkauft wurden. Mit dem Flohmarktlädele will sie ein Zeichen gegen diese Wegwerfgesellschaft setzen. Sie könnte sich auch vorstellen, dass man ein Zimmer mit einer Nähmaschine ausstattet, um Socken zu stopfen, Kleidung zu flicken oder aus alten Jeans Taschen zu nähen. Diese Ideen „stehen und fallen mit den Leuten, die dabei sind“, sagt Carina Türtscher.

Eine weitere Idee ist zum Beispiel der Nachtflohmarkt am 15. Juni auf dem Dorfplatz in Blons. Bei jeder Witterung soll der Nachtflohmarkt in Zukunft immer am Mittwochabend vor Fronleichnam von 17 bis 22 Uhr geöffnet haben. Das Gasthaus Falva unterstützt den Nachtflohmarkt mit einer Bewirtung und Musik und auch die Gemeinde leistet ihren Beitrag dazu. Letztes Jahr fand der Flohmarkt mit 14 Ständen als Abschlussveranstaltung im Rahmen des Walserherbstes statt.

Öffnungstermin noch fraglich

Ziel des Flohmarktlädeles ist es, noch dieses Jahr zu öffnen. Nachdem das Gemsle bis Ende Mai ausgeräumt sein soll, werde man mit den Putzarbeiten im ganzen Haus beginnen. Dann könne man Ware sammeln bzw. annehmen. „Das ist alles sehr zeitaufwendig, da die Helfer alle berufstätig sind“, hält Carina Türtscher einen fixen Öffnungstermin jetzt noch für unrealistisch. VN-JUN

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