Gegen dreihundertjähriges Hochwasser gefeit

Regionalumfrage / 27.11.2019 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dass der aufgeweitete Rhein, wie in dieser Fotomontage, Hochwasser verhindern kann, bezweifeln einige Bürger. IRR

Rhesi-Projektleiter Markus Mähr entgegnet Sorgen der Teilnehmer an VN-Regionalumfrage.

Lustenau Mit dem Bau eines Trinkwasserbrunnens wird die Umsetzung des Projekts Rhesi (Rhein, Erholung, Sicherheit) in Lustenau starten. Es soll unter anderem den Hochwasserschutz im Rheintal verbessern. Doch wie sich in der VN-Regionalumfrage ergab, ist den Lustenauern der Hochwasserschutz zwar wichtig, nicht jeder traut jedoch dem Projekt Rhesi, das das Flussbett des Rheins zwar aufweitet, ihn aber von der schnell fließenden Rinne zu einem langsamer dahinfließenden renaturierten Fluss macht.

Markus Mähr, Projektleiter Rhesi bei der Internationalen Rheinregulierung, bekräftigt im Gespräch mit den VN jedoch, dass das Projekt Rhesi den Hochwasserschutz verbessern werde. Derzeit seien die Anwohner des Rheins vor einem sogenannten hundertjährigen Hochwasser recht sicher. „Die Abflusskapazität wird auf mindestens ein dreihundertjähriges aufgeweitet“, erläutert er das Ziel von Rhein, Erholung, Sicherheit und verweist auf ein Schadenspotenzial von bis zu zehn Milliarden Franken im Falle einer Überflutung des Rheintals, Vorarlberg und die Schweiz zusammengerechnet. Ein zweiter Vorteil, so verspricht es Mähr, sei, dass die Dämme nicht mehr brechen können. „Wir werden die Außendämme komplett sanieren“, sagt er, teils werden die 100 bis 125 Jahre alten Dämme neu gebaut. An das Ufer komme auch wieder eine Steinsicherung.

 Projektleiter Markus Mähr – hier beim Erklären des Rhesi-Modells in Dornbirn . lcf
Projektleiter Markus Mähr – hier beim Erklären des Rhesi-Modells in Dornbirn . lcf

Zweifel kamen bei den Umfrageteilnehmern auf, weil das Geschiebe von Kies und Sand, das der Rhein heute recht schnell in Richtung Bodensee abtransportiert, sich künftig ablagern und Überflutungen begünstigen könnte. „Die Sorge ist berechtigt“, gibt Markus Mähr zu. „Durch Rhesi wird die Fließgeschwindigkeit des Rheins um 20 Prozent reduziert, Sand und Kies werden dadurch liegen bleiben“, fügt er an. Ein Problem, das die IRR jedoch bedacht habe. „Bei Rüthi und Diepoldsau werden Kiesentnahmestellen eingerichtet, im Winter wird jeweils ausgebaggert“, so Mähr. Die zu entfernende Menge kenne man bereits, es handelt sich um rund 100.000 Kubikmeter im Jahr. Die Vorstreckung der Bodenseemündung müsse heute schon ausgebaggert werden, weil das Wasser dort zu langsam fließt, um das Geschiebe ganz in den See zu befördern. Künftig sollen die Bagger diese Arbeit größtenteils weiter flussaufwärts verrichten.

Mehr Lkw-Verkehr?

„Das Entfernen dieser Ablagerungen führt zu höherem Lkw-Aufkommen“, befürchtet ein Teilnehmer an der VN-Regionalumfrage. Das ist durchaus möglich, lautet die Antwort auf diese Frage. Sand und Kies aus dem Rhein werden an die Industrie verkauft. Wo er aufbereitet wird und wohin die Lkw ihn dann liefern, das regelt der freie Markt, so Mähr. Er betont jedoch, dass ein Großteil der Lastwagen, die das Geschiebe derzeit von der Bodenseemündung in Richtung Oberland transportieren, durch Rhesi wegfallen wird.

Übrigens bestätigt der Rhesi-Chef, dass die Lustenauer durch die kürzlich beschlossene Verlegung eines Trinkwasserbrunnens keine Einbußen bei der Wasserqualität haben werden. „Es bleibt dasselbe Wasser“ sagt Mähr, die Qualität habe man getestet.