Fahrradtanz auf dem Vulkan

Reise / 08.05.2015 • 11:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Teneriffa bietet konditionsstarken Radfahrern malerische Aussichten.

reise. (srt/Norbert Eisele-Hein) Was für ein Ausblick! Der gesamte Inselarchipel der Kanaren scheint in Watte gepackt. Früh am Morgen klettern wir auf unseren Rädern zahllose Serpentinen hoch zum Pico de Teide. Bei Vilaflor, mit 1500 Metern Seehöhe Teneriffas höchstes Dorf, stoßen wir durch die Wolkendecke. Mit jeder Radumdrehung wird die Kulisse großartiger. In der Entfernung tauchen El Hierro und La Gomera aus dem Wolkenmeer auf. Den König des Atlantik, den Pico de Teide, können wir zwar noch nicht sehen, aber die aufgehende Sonne wirft den langen Schatten des Bergriesen direkt auf La Palma. Auf den seidenweißen Wolkensaum folgt ein grüner Gürtel wohlriechender kanarischer Kiefern. Die uralten Bäume erreichen ungeahnte Höhen, der Umfang ihrer wuchtigen Stämme beträgt nicht selten mehrere Meter. Am Boca de Tauce wechselt die Landschaft erneut abrupt. Der Blick über den großen Krater mit fast 16 Kilometern Durchmesser lässt nicht nur Geologen ehrfurchtsvoll durch die Zähne pfeifen. Wir fühlen uns augenblicklich wie auf einen fernen Planeten versetzt. Umrahmt von gigantischen Lavafeldern thront der Vulkankegel des Pico de Teide im Herzen der größten der sieben Kanarischen Inseln. Mit seinen 3718 Metern ist er nicht nur Spaniens höchster Gipfel, sondern auch annähernd so hoch wie der Großglockner. Das gesamte Areal wurde schon 1954 zum Nationalpark erklärt. Das bedeutet für Mountainbiker, dass sämtliche noch so verlockende Trails auf die zahlreichen Kuppen dieser Mondlandschaft tabu sind. Aber auch die Asphaltrunde durch den Parque Nacional de las Canadas del Teide hat ihren Reiz. Im Südwesten dominieren erstarrte Lavaströme, riesige Felder wild zerborstener Lava und bizarr geformte Fels-türme. Diese Roques wirken im Gegenlicht wie ein Miniaturabbild der Dolomiten. Im Ostteil begeistern die Asche- und Schlackehügel, die zum Teil mit bunten Ginsterbüschen bewachsen sind. Ein kleines, knallrot umrandetes Warnschild mit einer Schneeflocke darauf wird unweigerlich zum Blickfang. Angesichts eines makellos blauen Himmels und Temperaturen um die 25 Grad Celsius wirkt es fast schon grotesk. Aber es hat seine Berechtigung: Selbst im Hochsommer kann es am Teide gelegentlich schneien.

Das Tenogebirge an der Westspitze Teneriffas bringt den Härtetest für die Bremsen. Zuerst schrauben wir uns auf einer abenteuerlichen Straße von Santiago del Teide bis zum Barranco de Masca, einer jäh eingekerbten Schlucht, hoch. Die anschließende Abfahrt bringt glühende Felgen und taube Bremsfinger. Wer nebenbei noch die sensationellen Ausblicke in die senkrechten Wandabstürze