Zu Fuß durch die nordische Wildnis

13.11.2015 • 10:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wenn die Mitternachtssonne das Fjäll erhellt, scheint die Zivilisation unglaublich weit weg.

reise. (VN-doh) „Wer wandert, macht auf einer kurzen Strecke eine lange Reise.“ Die Philosophie von Henry David Thoreau entspricht genau dem, was der Kungsleden im Norden Schwedens zu bieten hat. Zumindest im Großen und Ganzen, denn wer den Königsweg in seiner ganzen Länge erwandern will, legt zwischen Abisko und Hemavan über 400 Kilometer zurück.

Der Kungsleden ist ein alter und in Schweden sehr bekannter Weitwanderweg durch das Fjäll. Vor rund 100 Jahren legte der Schwedische Touristenverein (STF) die Basis für die Route. Praktisch wie mit dem Lineal gezogen, führt der Weg von Abisko nach Süden. Rund 30 Tagestouren sind es bis zum Ende in Hemavan. Wir wollen uns mehr an die Philosophie Thoreaus von langer Reise auf relativ kurzer Strecke halten und nutzen eine der Möglichkeiten, in den Kungsleden einzusteigen. Auf etwa halber Strecke liegt Kvikkjok. Die 210 Kilometer nach Abisko sind in 10 bis 11 Tagestouren machbar. Kvikkjok ist ein kleiner Ort, der durch seine Lage am Rand des schwedischen Fjälls Ausgangspunkt für Ausflüge in die Nationalparks Sarek und Padjelanta und eben den Kungsleden ist. Der Ort ist wie ein letzter Posten vor der Wildnis. Die etwa 100 Kilometer lange Straße von Jokkmok endet hier, was das Gefühl der Abgeschiedenheit verstärkt. Kaum ist die Station außer Sichtweite, tauchen wir ein in diese Abgeschiedenheit. Spätestens, wenn der erste höhere Bergrücken erreicht ist und der Wald den Blick auf den See Stuor Dáthá freigibt, ist es nicht nur die Abgeschiedenheit, sondern die pure Wildnis Lapplands, die das Wandern zum Genuss macht. Die schneebedeckten Gipfel im Sarek-Nationalpark, dichte Wälder, das glitzernde Flussdelta und die riesigen Seen beeindrucken. Die höher gelegenen Passagen auf dem Kungsleden (1100 Meter) erinnern an die hochalpinen Berge Vorarlbergs. Doch die Weite der Landschaft ist nicht zu vergleichen: Keine Lifttrasse, Forststraße, Alp­hütte oder auch nur andere Wanderer sind zu sehen.

Wir wandern nördlich des Polarkreises. Die Sonne steht zur Sommersonnenwende rund um die Uhr über dem Horizont. Je weiter nördlich man sich befindet, desto länger scheint die Mitternachtssonne. Und auch im August wird es nachts nur dämmrig, wenn die Sonne gegen 23 Uhr unter und um 3 Uhr wieder aufgeht.