Laos: Slalom auf dem Mekong

Reise / 29.03.2018 • 19:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Zwei Tage mit dem Schiff vom Goldenen Dreieck in die magische Königsstadt Luang Prabang.

Wie ein Feuerball schiebt sich die Sonne aus dem Dunkel der Nacht über den Mekong. Begleitet wird sie von scheppernder kommunistischer Propagandamusik. Die dröhnt aus den Lautsprechern des laotischen Orts Huay Xai hinüber auf die andere Seite des Flusses. Dort reißt sie die thailändische Stadt Chiang Khong aus dem Schlaf. Im Gänsemarsch ziehen schon die Mönche mit ihrer Almosenschale von Haus zu Haus. Einst war die Grenzstation im Goldenen Dreieck ein wichtiger Standort für den Opiumhandel. Inzwischen ist Huay Xai der Ausgangsort für eine zweitägige Bootstour flussabwärts in die alte Königs- und Tempelstadt Luang Prabang. Der schönste Ort des ehemaligen französischen Kolonialreichs Indochina ist seit 1995 Weltkulturerbe.

Kapitän Somsak Phomichit und seine Frau Malivanh stehen schon bereit auf ihrem traditionellen Langboot. Von Bug bis Heck misst es 40 Meter. Seine Honda hat er gleich am Eingang festgemacht. Die beiden roten Kissen auf dem Barhocker vor dem Steuerrad sind aufgeschüttelt. Eines ist aus Seide. Auf dem anderen sind Hundebilder aufgedruckt. Hier wird der stille Laote die nächsten zwei Tage barfuß sitzen – und mit seinem ganzen Körper schon die kleinste Regung des Mekongs erspüren. Der zeigt auf der 300 Kilometer langen Slalomfahrt seine vielen Gesichter: Mal legt er sich träge in sanfte Wellen, lässt sein gelbbraunes Wasser wie Gold in der Sonne glitzern. Mal wird er wild, dreht Pirouetten, die trichterförmig die Luft in die Tiefe ziehen. Er fließt rückwärts, seitwärts und wieder anders herum, wie es ihm gerade gefällt. Die Menschen, die an seinem Ufer leben, nennen ihn die „Mutter aller Wasser“, aber auch den „turbulenten Fluss“. „Kein Problem“, sagt Somsak. Seit mehr als zehn Jahren fährt er mit seinem Schiff die Strecke. So wie es schon sein Vater getan hat. Sein Cousin assistiert ihm. Er holt die lange Bambusstange vom Bug, an der die laotische Fahne flattert, stochert mit ihr im Wasser, misst die Tiefe. Das Boot treibt durch die Strömung. Somsak reißt das Steuer nach rechts, dann nach

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