Geheimnis im Nebelwald Perus

Reise / 28.04.2019 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Eine Seilbahn führt in die Bergfestung von Kuelap – das „Machu Picchu des Nordens“.

Lima Es ist früher Morgen in ­Cajamarca. Die Luft ist glasklar, der Rauch aus den Kaminen steigt senkrecht in den blauen Himmel. Er vermischt sich mit den Dampfschwaden, die aus Gullys, Kanälen und Abwasserrohren entweichen – ein Nebenprodukt der Baños del Inca, der heißen Thermalquellen, die schon von den Ureinwohnern im Norden Perus genutzt wurden. Aus dem geöffneten Portal der Kathedrale mit ihrer prächtigen barocken Fassade dringt lauter Gesang. Kleine, füllige Frauen mit wettergegerbten Gesichtern treiben Ziegen auf die Weide. Hühner flattern zur Seite und Straßenhunde kläffen den zwei Geländewagen hinterher, mit denen es aus der 300.000-Einwohner-Stadt geht.

Cajamarca gilt als eine der schönsten Kolonialstädte Perus. Shutterstock
Cajamarca gilt als eine der schönsten Kolonialstädte Perus. Shutterstock

Maisfelder und Eukalyptushaine säumen die Strecke. Die Region ist die einstige Heimat der Chachapoya, eines bis heute rätselhaften Volkes von Ackerbauern und Kriegern. Die Inkas, denen sie sich lange widersetzten, nannten sie „Wolkenmenschen“, weil sie vor allem in den Nebelwäldern hoch oben in den Anden lebten. Wer hier zu einer Rundreise aufbricht, entdeckt noch eine Region im Dornröschenschlaf.

Im Herzen der Kordillere, auf 3000 Metern Höhe, liegt die Bergfestung Kuelap, die zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert entstand. Touristiker schwärmen vom „Machu Picchu des Nordens“ oder dem „Angkor Wat Lateinamerikas“. Schon die Anreise ist ein Abenteuer auf einspurigen Straßen am Rand des Abgrunds – mit Höhenunterschieden zwischen 800 und 3600 Metern und Temperaturen von acht bis 35 Grad. Während der Fahrt wechseln die Klimazonen im Halbstundentakt: Bibbernd vor Kälte steht man auf kahlen, windumtosten Pässen, um eine Stunde später in der Schlucht des Marañón-Flusses in Schweiß auszubrechen. In einem Moment gleitet man durch liebliche Täler, in denen Papayas und Avocados wachsen, wenig später säumen riesige Kandelaberkakteen die Straße. In Kuelap angekommen, wandert man noch eine halbe Stunde durch den Urwald. Plötzlich steht man vor einer 20 Meter hohen, unüberwindlichen Mauer. Nur eine schmale Pforte führt ins Herz der Stadt. Der betagte Torwächter begrüßt die wenigen Besucher noch mit Handschlag. Rund 450 Häuser auf mehreren Ebenen gab es hier einmal vor tausend Jahren, gesichert hinter einer 600 Meter langen und bis zu 21 Meter hohen Mauer und durch Steilhänge.

Moosige Baumstämme krallen sich mit ihren Wurzeln ins Mauerwerk, Flechtenbärte hängen von ihren Ästen. Rot und hellgrün leuchten Bromelien in den Baumwipfeln über den Ruinen. Nach allen Seiten eröffnen sich weite Blicke über Schluchten und Bergspitzen, kleine Dörfer, Maisfelder und Urwaldreste. Bei einem Gerichtsverfahren über Landrechte im Jahr 1843 stieß der damalige Richter auf diese Stätte. Archäologen legten seitdem mehr als 450 Fundamente frei: Wohnhäuser, Tempel, öffentliche Gebäude. Die gigantische Festung soll das bisher größte bekannte Bauwerk Südamerikas sein. Bis zu 3000 Menschen sollen in Kuelap gelebt haben, bis der Puls der Stadt um 1540 zu schlagen aufhörte – vermutlich aufgrund der Pest. Lange von den Besucherströmen übersehen, soll Kuelap nun zum Leben erwachen. Eine Seilbahn nahm vor zwei Jahren den Betrieb auf. Besucher können seither innerhalb von nur 20 Minuten vom Tal in die Ausgrabungsstätte kommen. Die Meinungen darüber sind geteilt: Während die Regierung einen Aufschwung prophezeit, sind Wissenschaftler skeptisch, ob die Bauwerke den Ansturm verkraften. Die Einwohner des nahegelegenen Dorfes Tinga fürchten indessen, dass große Firmen aus Lima am Tourismus verdienen, während sie leer ausgehen.

Schon alleine der Weg zum Gocta Wasserfall ist wunderschön. Shutterstock
Schon alleine der Weg zum Gocta Wasserfall ist wunderschön. Shutterstock

Im nahe gelegenen Cocachimba ist man da schon weiter: Dort profitieren vor allem Einheimische vom Tourismus seit ein deutscher Ingenieur vor zwölf Jahren den mit 711 Metern vierthöchsten Wasserfall der Welt entdeckte. Weil die Pferde ihr größter Schatz sind, lässt es sich keiner der Bauern nehmen, jeden Besucher persönlich zu geleiten. Durch die Felder klappern die Hufe auf Steinstufen aufwärts. Am Fuße des donnernden Wasserfalls benetzt eine Gischtwolke die Gesichter. Einige Mutige wagen sich in den kalten See. Die gefürchtete Riesenschlange von der man sich im Dorf lange erzählte, hält heute wohl einen Verdauungsschlaf, und auch die geheimnisvolle Seejungfrau, die in einigen Dorfmythen vorkommt, holt keinen der Badenden zu sich in die Tiefe. Oliver Gerhard (SRT)

Peru

Hauptstadt Lima

Sprache Spanisch

Währung Peruanischer Sol

Einwohner 31.237.385 (2017)

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Klima Die beste Reisezeit liegt in der Trockenzeit zwischen Mai und September.