Reisetipp Algarve: genussvolle Tour durch Olhao

Reise / 04.08.2019 • 09:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die beiden Markthallen dürfen bei einer Food Tour durch Olhao nicht fehlen.SHUTTERSTOCK

Bei einer Food Tour durch das Städtchen Olhao in der Algarve kommen Kultur und Kulinarik auf besondere Weise zusammen.

Olhao Von dieser Tour kommt niemand hungrig zurück. Die Olhao Food Tour ist weit mehr als ein kulinarischer Spaziergang. Joana mit den blitzenden Augen und dem Pferdeschwanz verspricht neben dem Gaumenschmaus auch viele neue Erkenntnisse. Ich bin an der Algarve, doch nicht da, wo es die meisten Touristen hinzieht, weil die Felsformationen am Strand so spektakulär sind. Hier rund um Olhao ist das Land flach, die Strände sind den vorgelagerten Inseln vorbehalten. Und zwischen dem Festland und den Inseln breitet sich eine Lagunenlandschaft aus, die sich mehrmals täglich verwandelt, je nachdem ob Ebbe oder Flut ist, der Naturpark Ria Formosa mit seinen Sandbank-Inseln, ein ebenso fragiles wie zauberhaftes Ökosystem. Hergelockt hat mich ein Krimi, geschrieben von dem deutschen Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt unter dem Pseudonym Gil Reibeiro: „Lost in Fuseta“. Schmidt schildert darin eindringlich den Reiz dieser Lagunenlandschaft, das Licht über dem Atlantik, die Liebenswürdigkeit der Portugiesen, die originelle Architektur der Dörfer und die Abgeschiedenheit der Inseln.

Joana lotst ihr Grüppchen nicht nur von einem Genuss-Erlebnis zum nächsten, sondern auch zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Örtchens. Zu der Freiluftgalerie hinter der Fischfabrik, wo schwarz-weiße Wandmalereien vom Alltag der Fischer erzählen oder zu den Skulpturen, die Legenden verkörpern, die sich um Olhao ranken. Joana kennt sich aus in der Geschichte Olhaos, aber die 34-Jährige ist natürlich auch in der Gegenwart zu Hause. Sie kennt die Fischer, die auf dem Fischmarkt ihren Fang des Tages verkaufen. Den alten Joao etwa, der zahnlos grinst, wenn er die Frische seiner Fische demonstriert. 73 Jahre hat er inzwischen auf dem Buckel, mit sieben hat er mit dem Großvater als Fischer angefangen. Es waren harte Zeiten damals, aber das Meer versprach reiche Ernte. Und man ging sorgsam um mit den Gaben der Natur. Das ist Joana auch heute wichtig: „Wir essen alles vom Fisch,“ sagt sie und dass die ganze Region so fruchtbar sei, dass nichts importiert werden müsse.

Fatima, grauhaarig und mütterlich, presst in ihrem kleinen Laden Alquimia da Terra den Geschmack der Algarve in Säfte. Dazu gibt es Mandel-Feigen-Sterne. Wir schlendern vorbei an Tischen, an denen alte Männer mit Sagres, dem portugiesischen Bier, anstoßen. In diese Männerrunden verlieren sich kaum Frauen. So war es immer schon, sagt Joana. Die Fischer mit den von Sonne und Wind gegerbten Gesichtern treffen sich auf ein Bier und eine Runde Petiscos, die portugiesischen Häppchen – und zum Reden. Als wir uns am Tresen eines der Bistros ein Tellerchen mit Carne de vinha d‘alhos, Fleischstückchen in traditioneller Rotweinmarinade, holen, machen die Männer freundlich Platz und nicken uns zu. Schon auffallend, wie freundlich alle hier sind, wie gern sie lachen und von sich erzählen. Und sie haben einiges zu berichten. Wie Sara in der Fischfabrik Manna. Ihr Großvater hat das Unternehmen 1954 gegründet. Da war er nicht der einzige, der mit Fisch in Dosen Geld verdienen wollte. 37 solcher Fischdosen-Fabriken gab es in Olhao, zu viele für den kleinen Ort. Die Fabrik mit dem schönen Namen „Manna“ hielt sich, auch weil man sich immer wieder neu erfand. Die Food-Tour ist auch eine Einführung in die heute so aktuelle „mediterrane Küche“. Dabei, so die Jungunternehmerin, „berühren wir in Portugal das Mittelmeer nicht einmal.“ Doch die Essenz der mediterranen Küche ist auch das Herz der portugiesischen Küche: Brot, Wein und Olivenöl. Im Fischrestaurant von Joao – ja, hier heißen viele so – steht das alles schon auf dem Tisch. Der Besitzer Joao Bento, ein drahtiger Mann in den Vierzigern, war Boxweltmeister im Leichtgewicht. Er führt nicht nur das Restaurant, er betätigt sich auch als Bildhauer und hilft bei der Ausbildung benachteiligter Kinder.

In den Markthallen von Olhao kann man die Vielfalt der Region erkennen. Im Süden Portugals wächst fast alles. Shutterstock
In den Markthallen von Olhao kann man die Vielfalt der Region erkennen. Im Süden Portugals wächst fast alles. Shutterstock

Unser letzter Stopp ist das Eiscafé „Selvi Gelati“, 1951 war es die erste Eisdiele in Olhao. Wir schlecken ein Dom-Rodrigo-Eis aus viel Eigelb, noch mehr Zucker und Mandeln. Dann schlendern wir noch einmal durch die engen Gässchen Olhaos, wo die Bewohner sich abends am Grill treffen, um zu essen, zu trinken und zu reden. Man schottet sich nicht ab in diesem Städtchen; die Gassen, durch die sich kein Auto zwängen kann, sind so etwas wie das erweiterte Wohnzimmer, ein Treffpunkt der Nachbarschaft. Irgendwie schade, dass wir nicht dazu gehören. Simone F. Lucas (SRT)

Olhao

Land Portugal

Region Algarve

Sprache Portugiesisch

Food Tour Die Tour von Joana Cabrita Martins kostet 87 Euro pro Person www.eatingalgarvetours.com

Lesen Alle drei Krimis von Gil Ribeiro – „Lost in Fuseta“, „die Spur der Schatten“ und „Weiße Fracht“ spielen in diesem Winkel der Algarve, und sie machen Lust auf die Gegend.