VN-Reisebericht: Luzern mit neuen Augen sehen

Reise / 01.09.2019 • 08:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
EDITH RHOMBERG

Entspannt ankommen in Luzern – Reisen mit dem Zug ist wieder in Mode.

Luzern Die bekannten Postkartenmotive sind es nicht, die uns locken. Vielmehr ist es Neues, aber auch Gegensätzliches, das Luzern an der Reuss und am Vierwaldstättersee attraktiv macht. Beim Verlassen des Bahnhofs steuern wir auf die Haltestelle der Buslinie 4 zu. Es ist heiß in der 80.000-Einwohner-Stadt und wir sind froh, dass wir keine Koffer durch die Menschenmenge rollen müssen. Das erledigt der Transportservice der SBB für uns, der die Gepäckstücke von Tür zu Tür bringt. Wir fahren zum Neubad. Es sollte sich lohnen, das ehemalige Hallenbad Biregg von der Nähe anzusehen. „Das Neubad ist ein Haus für Kreativität, Wissenschaft, Kultur, Kunst und Wirtschaft“, erzählt Co-Geschäftsführer Dominic Chenaux über die Zwischennutzung der Anlage. Das Durchstreifen der Coworking Spaces, Seminarräume und Ateliers für Denker, Grafiker oder Hutmacherinnen macht das Konzept sichtbar. Im Open Pool, und darüber hinaus, werden Konzerte und Veranstaltungsreihen wie der Neubad Talk, die Lesebühne oder der Kinderklub abgehalten. Die Galerie präsentiert Ausstellungen mit dem Fokus auf Fotografie. Urbane Gärtner üben und zelebrieren im Neugarten den individuellen Anbau von Gemüse, Kräutern und Früchten. Sie blicken lustvoll über den Tellerrand hinaus und stehen ein für den bewussten Konsum. „Cashcow ist aber die Vermietung an Veranstalter mit unserem hauseigenem Catering“, informiert Dominic Chenaux, denn für ihn zählt genauso ein gutes betriebswirtschaftliches Ergebnis.

Das Neubad, früher ein Hallenbad, ist heute ein Haus für Kreativität, Wissenschaft, Kultur, Kunst und Wirtschaft. Edith Rhomberg
Das Neubad, früher ein Hallenbad, ist heute ein Haus für Kreativität, Wissenschaft, Kultur, Kunst und Wirtschaft. Edith Rhomberg

Der Verein Netzwerk Neubad schließt auch die Bewohner der umliegenden Quartiere Biregg und Sternmatt mit ein. Wo früher die Bahn fuhr, ist jetzt eine Fahrradstrecke und ein Gleisgarten mit 3500 Quadratmetern. Die verkehrsberuhigte Lage bringt viel Lebensqualität. Die Züge fahren jetzt einfach unterirdisch. Die Idee eines Hostels könnte außerdem schon im nächsten Sommer umgesetzt werden. Bei all den Eindrücken sind wir allerdings ziemlich hungrig geworden und bestellen im Bistrogarten die als „Best in town“ bekannte Pizza. Von neuen Denk-, Lebens- und Arbeitsformen im alten Hallenbad inspiriert, spazieren wir zum Fluss und zu einem altehrwürdigen Haus, das sich bald in eine Baustelle verwandeln könnte. Wir besichtigen das Stadttheater und wundern uns, dass 400 Mitarbeiter in dem über 175 Jahre alten Gebäude in beengten Platzverhältnissen gute Stücke auf die Bühne bringen. Aber es geht, und vielleicht fällt ja schon bald die Entscheidung, ob, wann und vor allem wie neu gebaut wird und ob damit auch Stararchitekt Jean Nouvel etwas zu tun haben könnte. In Luzern ist er ja bereits bekannt durch das Kultur- und Kongresszentrum KKL und eine noble Herberge mit dem schlichten Namen The Hotel.

Edith Rhomberg

Und dann ist da der See. Wir trauen uns den Spagat zu, nach dem Neubad abzuheben in die Sphären des Bürgenstock Resorts. Mit dem Funicularie erreichen wir jenen Berg, wo Audrey Hepburn und Mel Ferrer geheiratet und Sophia Loren und ihr Mann Carlo Ponti während sieben Jahren gelebt haben. Nicht nur die einstigen Prominenten sind in die Jahre gekommen oder gar verstorben, auch das luxuriöse Grand Hotel hatte mit ihnen die gute alte Zeit hinter sich gelassen. Die Besitzerfamilie verkaufte das Hotel, und neue Eigentümer nahmen richtig viel Geld in die Hand, um das Ressort neu zu erfinden. „Unsere Gäste bekommen ein maßgeschneidertes Rundum-Service und Reha für Körper und Geist“, sagt Communications Manager Jonas Reif. Er verweist damit auf die von Matteo Thun geplante Design-Ikone, das neu erbaute 5-Sterne-Waldhotel. Es ist eines der vier Hotels des Ressorts, wo 800 Mitarbeiter aus 43 Nationen ihre Gäste aus der Schweiz und den Nachbarländern, aus Großbritannien, China, Amerika oder Russland willkommen heißen. „Unser Ballroom ist genau der richtige Ort für die Million-Dollar-Party, die ein Jubilar zu seinem 75. Geburtstag vor ein paar Tagen hier gefeiert hat“, so Jonas Reif. Und noch eine gute Nachricht gibt der Manager zum Schluss: Man muss kein Millionär sein, um die Welt auf dem Bürgenstock zu bestaunen. Auch Tagesgäste sind willkommen, die feinen Restaurants oder exklusiven Spa-Angebote mit der prachtvollen Aussicht zu genießen. Edith Rhomberg

Luzern

Land Schweiz

Kanton Luzern

Einwohner 403.397

Sehenswertes Kunstmuseum Luzern, Neubad, Verkehrshaus und vieles mehr.

Anreise Mit SBB und ÖBB ab Feldkirch

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