Das Lausitzer Seenland

Reise / 13.09.2019 • 07:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

In der Lausitz entsteht Europas größte künstliche Wasserlandschaft mit Sandstränden, Häfen und Radwegen.

Einst prägte der Bergbau die Lausitz. Seit den 1970er-Jahren erlebt die Region einen Strukturwandel. Aus stillgelegten, gefluteten Tagebaugruben entsteht die größte von Menschenhand geschaffene Wasserlandschaft Europas: das Lausitzer Seenland, halb in Sachsen, halb in Brandenburg. Wer in diesem Stück Lausitz die unberührte, wildromantische Natur sucht, kommt derzeit ein Jahrhundert zu spät oder ein Jahrzehnt zu früh. Denn vor über 150 Jahren begann der Mensch die Erde zu schinden. Weil er an die Kohle wollte, holzte er Wälder ab, verjagte Tiere und manchmal, wenn Dörfer den Baggern im Wege hockten, auch seinesgleichen. Bergleute holten über zwei Milliarden Tonnen Braunkohle aus bis zu 60 Metern Tiefe. Nun also ist die verletzte Gegend riesige Landschaftsbaustelle. Zwischenlandschaften nennen die Experten den aktuellen Status. Wenn 2026 der Altdöberner See als letzter geflutet ist, wird die gesamte Wasserfläche rund 15.000 Hektar betragen, etwa doppelt so viel wie die der Seen bei Leipzig.

„Energiefabrik“ Knappenrode

Ein Rückblick: Zweimal ertönt die Sirene. Die Menschen, die sich jetzt beeilen, sind keine Kohlekumpel mehr, sondern Museumsbesucher. Und der Sirenenton ist Ausstellungsstück, wie alles in der Brikettfabrik Knappenrode bei Hoyerswerda. Die nennt sich heute „Energiefabrik“ und ist als Lausitzer Bergbaumuseum Teil des Sächsischen Industriemuseums. Besucher ersteigen den transparenten Turm vor der Backsteinfassade, gehen über eine Brücke in die oberste Etage und folgen dann immer treppab dem Weg der Rohbraunkohle zum Brikett. Über einen bequemen Steg. Ohne den Kohlestaub einzuatmen. Ohne die brennende Hitze der Trockner zu spüren. Hier ist zu erfahren, warum die Gegend so ist, wie sie ist. Etwas vom Beginn der Förderung in Schächten, von den Tagebauen, den Fabriken und den Werkssiedlungen, von Grubenloks und Draisinen, von Findlingen und Mineralien. Dennoch – und eigentlich gerade deshalb – kennt die Gegend auch Idylle. Sie scheint aus einer anderen Welt und hat sich

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