Florida: Einmal Weltraum und zurück

Reise / 28.09.2019 • 10:00 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
EDELWEISS/LOREN BEDELI

An der Space Coast in Floridas Osten geht es vom Weltall direkt aufs Surfbrett.

Florida Mein Rücken drückt sich immer fester in den Sitz, während der ganze Körper wie wild durchgeschüttelt wird und bei tosendem Lärm alles rundherum zu wackeln beginnt, bevor es plötzlich wieder ganz leise wird. So in etwa fühlen sich also Astronauten bei ihrem Start in den Weltraum. Besucher des Kennedy Space Centers, dem Hauptsitz der NASA, können das in einem Simulator am eigenen Leib erfahren. Hier, an der sogenannten Space Coast Floridas, ganz im Osten des US-Bundesstaates, startete im Juni 1969 die Apollo 11 ihren Flug zum Mond. Wo früher nur ein einfaches Besucherzentrum war, hat man sich aufgrund der großen Konkurrenz der umliegenden Vergnügungsparks inzwischen angepasst und mit dem Kennedy Space Center ein unvergessliches Erlebnis geschaffen. Besucher können hier einen echten Astronauten treffen, sich aus nächster Nähe anschauen, wie ein Space Shuttle von innen aussieht oder erfahren, wie Astronauten essen, schlafen oder die Toilette benutzen. Ein Unterfangen, das man nicht unterschätzen sollte.

Die größte Halle der Welt

Bei einer 40-minütigen Busfahrt über das Gelände werfen wir einen Blick auf die Abschussrampe und die sogenannten Crawler Transporter, mit denen die riesigen Raketen transportiert werden. Und natürlich ist da noch das „Vehicle Assembly Building“, in dem die Raumfahrzeuge zusammengesetzt werden und das bereits aus weiter Ferne zu sehen ist. Es ist – was wären die USA ohne Superlative – das größte einstöckige Gebäude der Welt und könnte die Freiheitsstatue locker in voller Höhe verschwinden lassen oder auch das Kolosseum samt Parkplätzen auf dem Dach beherbergen. „Alleine die amerikanische Flagge, die einen kleinen Teil des Gebäudes ziert, ist so groß wie ein Einfamilienhaus“, tönt es aus den Lautsprechern im Bus.

100.000 Menschen arbeiten derzeit für die NASA. Es ist allerdings schon acht Jahre her, seit das letzte Space Shuttle ins Weltall aufgebrochen ist. Seither wird nur noch an der privaten Raumfahrt gearbeitet. Neben SpaceX schickt auch Boeing noch im Oktober 2019 eine Rakete ins All. Wenn alles gut geht, sollen bald drei Astronauten mit dem Starliner zur Raumstation ISS aufbrechen. Der Weltraum-Tourismus könnte also schon bald Wirklichkeit werden. Zu den Highlights des Besuches beim Kennedy Space Center gehört aber bestimmt der Blick auf die gigantische Raumfähre Atlantis, die nach einem Video über das Shuttle-Programm der NASA plötzlich imposant hinter dem Vorhang auftaucht. In voller Größe zeigt sich die Ikone der jüngsten amerikanischen Geschichte von allen Seiten.

In diesem riesigen Gebäude werden die Raketen zusammengebaut. Edelweiss/Loren Bedeli

Surferparadies Cocoa Beach

Noch immer fasziniert von den vielen Eindrücken, geht die Fahrt vom Kennedy Space Center etwas weiter in den Süden. Hauptsächlich kennt man den Sunshine State noch immer für seine zahlreichen Vergnügungsparks wie Disney World, die Universal Studios, Seaworld und Co. Dass man hier aber auch wunderbar surfen kann, wissen nicht viele. Nur wenige Autominuten vom Kennedy Space Center entfernt, befindet sich Cocoa Beach, ein Paradies für alle Strandliebhaber und für Surfer oder solche, die es noch werden wollen. Die sanften Wellen, die man hier vor allem am Vormittag vorfindet, eignen sich nämlich hervorragend für Anfänger. Das wissen auch Todd und Calvin von der School of Surf. Nachdem für alle das passende Surfbrett ausgesucht ist, sich die ganze Gruppe dick mit Sonnencreme eingeschmiert hat und die ersten Trockenübungen erledigt sind, geht es mit den Riesenbrettern einmal über die Straße direkt an den Strand. „Wenn ich ‚Up‘ rufe, stehst du auf“, erklärt Todd noch einmal geduldig, während ich in Startposition auf dem Brett liege und auf die perfekte Welle warte.

In den Vormittagsstunden eignen sich die kleinen Wellen besonders gut für Anfänger. Edelweiss/Loren Bedeli
In den Vormittagsstunden eignen sich die kleinen Wellen besonders gut für Anfänger. Edelweiss/Loren Bedeli

Dann ist es so weit. Todd schiebt mich an, ich gleite auf der Welle, erinnere mich an die Anweisungen und… stehe nach einem lauten „Up!!“ tatsächlich auf dem Brett, um sanft Richtung Strand zu surfen. Ok, vielleicht muss man fairerweise sagen, dass es nicht mein erster Versuch ist, auf einem Brett zu stehen, aber auch der Rest der Gruppe schafft es nach nur wenigen Anläufen, die erste Welle zu stehen, denn die Bedingungen sind ein Traum. Während der Verschnaufpausen – so eine Surfstunde ist ganz schön anstrengend – gleitet mein Blick immer wieder über den kilometerlangen, fast menschenleeren Strand. Ende August ist Hurricane Season. Dementsprechend ruhig ist es in dieser Zeit. Bis auf einen oder zwei heftige Schauer, die uns tagsüber immer mal wieder zwingen, eine kurze Pause einzulegen, ist von den Stürmen aber zum Glück nichts zu spüren.

Celebration wurde zum Teil nach den Plänen von Walt Disney gebaut. Edelweiss/Loren Bedeli

Perfektionismus in Celebration

So ganz ohne Disney kommt ein Besuch in Florida dann aber zum Glück doch nicht aus. Im kleinen idyllischen Städtchen Celebration kann man sehen, wo Disneys Träume leben, denn Walt Disney träumte in seinen letzten Jahren davon, eine hoch technologisierte Planstadt zu erschaffen. Nach seinem Tod wanderten die Pläne in ein Museum. Eine auf dem Reißbrett geplante Stadt baute der Konzern in den 90er-Jahren aber trotzdem: das ca. 11.000 Einwohner zählende Celebration. Hier sollte alles perfekt sein. Ein Leben ohne Sorgen mit wunderschönen Häusern, kleinen Vorgärten und weißen Vorhängen. Und auch wenn nicht alles ganz nach Plan der Erfinder gelaufen ist: Das Städtchen verzaubert heute noch mit seinem Charme, bietet nostalgische Häuser, tolle Restaurants und Cafés und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Schließlich hat man nicht jeden Tag die Gelegenheit, mit dem Fahrrad entlang der Wisteria Lane zu fahren, in der viele Szenen der Serie „Desperate Housewifes“ gedreht wurden.

Florida

Anreise Edelweiss Air bietet ab 659 Franken Direktflüge ab Zürich an. Tampa: ganzjährig, 1- bis 3-mal wöchentlich. Orlando: September bis Oktober 2019 und Mai bis August 2020, einmal wöchentlich. www.flyedelweiss.com

Surfen School of Surf, Cocoa Beach www.schoolofsurf.org

Kennedy Space Center Alle Infos auf www.kennedyspacecenter.com

Infos zu Kissimmee und den Ferienhäusern: www.experiencekissimmee.com

Cocoa Beach www.visitspacecoast.com

Restaurant-Tipp Celebration Columbia mit leckeren Cuban Sandwiches und Sangria

Restaurant-Tipp Disney Springs Paddlefish. Unbedingt die Guacamole mit frischem Hummer probieren. Wird direkt am Tisch zubereitet.

© Edelweiss/Ervin Bedeli


Das Tor zur Abenteuerwelt

Das Vergnügungsviertel Disney Springs ist vor allem abends einen Besuch wert. Edelweiss/Loren Bedeli
Das Vergnügungsviertel Disney Springs ist vor allem abends einen Besuch wert. Edelweiss/Loren Bedeli

Kissimmee Die Kleinstadt Kissimmee liegt nur einen Katzensprung von den Vergnügungsparks rund um Orlando entfernt und eignet sich damit perfekt als Ausgangspunkt für viele Aktivitäten. Für Familien bieten sich vor allem die zahlreichen Ferienhäuser an, die hier gemietet werden können. Von schlichter Unterkunft bis zum Luxushaus mit zehn Zimmern und eigenem Kino gibt es alles, was das Herz begehrt. Auch für Ausflüge in die Natur liegt Kissimmee perfekt, denn von hier aus erreicht man nach kürzester Zeit die Ausläufer der Everglades.

Auf Alligatorensuche mit dem Luftkissenboot

Die scheuen Alligatoren im dichten Gras zu finden, ist gar nicht so einfach. Edelweiss/Loren Bedeli

Naturerlebnis Eingebettet in einer 32 Hektar großen Parklandschaft und an den Ufern eines Sees liegt Boggy Creek Park. Von hier aus kann man man mit einem Luftkissenboot über die Sumpflandschaft rauschen. Neben zahlreichen Vogelarten gibt es die wohl berühmtesten Bewohner Floridas zu entdecken: die Alligatoren.

Sonnenaufgang im Heißluftballon

Ballonfahrer Grant ist schon früh morgens zu Späßen aufgelegt. Edelweiss/Loren Bedeli
Ballonfahrer Grant ist schon früh morgens zu Späßen aufgelegt. Edelweiss/Loren Bedeli

Ballonfahrt Frühmorgens heben die ersten Ballone über Orlando ab, denn aus 600 Meter Höhe lassen sich der Sonnenaufgang und der Blick auf Orlando samt seinen Vergnügungsparks besonders gut genießen. Während man lautlos durch die Luft schwebt, weiß Ballonfahrer Grant viel Interessantes über die Region zu erzählen.