Kein Espresso im Coffeeshop

Reise / 11.10.2019 • 12:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Kanäle, Coffeshops und sündige Meilen: Amsterdam ist eine kunterbunte Metropole mit Sinn für Schräges.

Die Morgensonne lässt glitzernde Strahlen auf der Gracht blinken. Ein Hausboot mit einer eingetopften Yuccapalme an Deck dümpelt träge vor sich hin, die Bewohner schlafen noch. Elegante Patrizierhäuser reihen sich an den Ufern entlang, fast abweisend mit ihren streng geometrischen Fassenden. Noch ist es ruhig im Herzen der Stadt, dort wo Herengracht, Keizersgracht und Prinsengracht im Halbrund nebeneinander liegen. Wie gerne würde man als fremder Besucher einmal eine der kleinen Treppen mit ihren schmiedeeisernen Geländer hochsteigen, durch eine der hohen Türen treten und schauen, was sich im Inneren der noblen Stadtpaläste verbirgt, die von Amsterdams goldenem Zeitalter im 17. Jahrhundert erzählen.

Was unmöglich erscheint, lässt sich aber tatsächlich realisieren. Einmal im Jahr wird zum Tag der offenen Gärten geladen. Einige der schönsten Grachtenhäuser öffnen dann ihre Türen, sodass man einen Blick ins Innere werfen kann und durch die Hintertür ins Grüne tritt. Auch viele Privatleute machen mit. Miep im Blumenkleid und mit hochgestecktem Haar und ihr Nachbar Hans mit Baskenmütze sitzen an einem polierten Kirschholztisch im Salon und nippen am Earl Grey in feinen Porzellantassen. „Welkom“, begrüßen sie die Besucher, die sich ein Ticket für die Gartentour gekauft haben und nun zu Fuß, mit dem Rad oder einem Kanalboot die einzelnen Stationen ansteuern. Durch die Hintertür geht es in einen verwunschenen Garten mit einem plätschernden Brunnen und einem von Kletterrosen umrankten Gartenpavillon. In Amsterdams Gärten und Hinterhöfen gibt sich die Metropole fast dörflich, es sind idyllische Oasen inmitten einer trubeligen Metropole, die rund ums Jahr Touristen aus aller Welt anzieht – zu viele, meinen manche.

Doch die Stadt an der Amstel mit ihren vielen Tausend denkmalgeschützten Häusern ist eine Schönheit, die auch unter dem Ansturm von Besuchern nicht an Glanz verliert. Neben Ästheten kommen auch kunstsinnige Gäste auf ihre Kosten. Dreh- und Angelpunkt ist der Museumsplein mit gleich vier

Fortsetzung auf Seite G2