Reise / 18.10.2019 • 10:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
So sah das berühmte „blaue Fenster“, noch vor dem großen Sturm aus, der ihn im Jahr 2018 einstürzen ließ. Shutterstock (5)
So sah das berühmte „blaue Fenster“, noch vor dem großen Sturm aus, der ihn im Jahr 2018 einstürzen ließ. Shutterstock (5)

Rücken des Bogens ist von jedermann problemlos zu begehen. Unsere Route folgt der exponierten Küste und zickzack nach einer weiteren Stunde bergab zu den Salzpfannen der Qbajjar Bay. Am Ende der Bucht – kurz vor unserem Etappenziel in Marsalforn – ragen monumentale weiße Felsen in das Meer.

Die zweite Tour starten wir in Victoria, Gozos Hauptstadt. Wir wandern westwärts vorbei an einem aufwendig restaurierten Aquädukt. Unser Ziel am Vormittag, die Wallfahrtskirche Ta‘Pinu unweit von Gharb, gewissermaßen das Lourdes Gozos. 1883 hörte die gozitanische Bäuerin Carmela Grima an dieser Stelle die Stimme der Mutter Maria. Die Erscheinung sprach sich schnell herum und ging mit angeblichen Wunderheilungen einher.

Die Höhle der Kalypso

Nachmittags starten wir erneut von Victoria Richtung Norden. Wandern durch ein fruchtbares Hochtal gemütlich nach Xaghra, einem der am frühesten besiedelten Orte der Insel. Die neolithische Ausgrabungsstätte Ggantija hat wahrlich Gigantisches zu bieten. Die Architekten der Großstein-Kultur bewegten schon vor über 6000 Jahren Steine mit bis zu 50 Tonnen Gewicht, um ihre Monumentaltempel zu errichten. Die beeindruckende Kultstätte zählt längst schon zum Unesco-Weltkulturerbe und verströmt eine tiefe Aura. Von hier aus ist es nicht mehr weit zur angeblichen Höhle der Kalypso, etwas oberhalb der Ramla Bay in der Felswand gelegen. Odysseus – der Held des trojanischen Krieges, wurde nach seinem Schiffbruch mit einem Floß an der Küste angespült. Die listenreiche, schön gelockte, aber ebenso furchtbare Tochter des Atlas, lockte den gebeutelten Helden auf ihr Lager, bot ihm Unsterblichkeit. Doch den undankbaren Odysseus zog es stets zurück nach Ithaka. Wir Wanderer können von der mittlerweile etwas verfallenen Höhle bereits den rot glänzenden Sandstrand der Ramla Bay erspähen. Dort wird es dann höchste Zeit die Wanderlatschen auszuziehen und in die Fluten zu hüpfen. Warum Odysseus so zauderte, wissen wir nicht. Wir jedenfalls könnten es hier noch ewig aushalten.