Wandertouren auf Gozo

Reise / 18.10.2019 • 10:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Zu Fuß auf Maltas kleiner Schwesterinsel: Wo die Meeresnymphe Kalypso einst Odysseus gefangen hielt.

Es muss ein ohrenbetäubender Krach gewesen sein, als das markante Felstor „Azure Window“, das Wahrzeichen Gozos, im fürchterlichen Sturm einstürzte. Jahrmillionen hat es gedauert, bis die Landmassen Gozos vom einstigen Urkontinent Gondwana 97 Kilometer vor Sizilien zum Stillstand kamen. Und es brauchte wohl etliche Jahrtausende, bis der Steinbogen bei Dwejra durch das unablässig anbrandende Meer in dieser ästhetischen Perfektion geschaffen wurde. Der katastrophale Sturm am 8. März 2018, nicht mal ein Wimpernschlag in der geologischen Historie Maltas, hat dem ein spektakuläres Ende gesetzt.

Doch selbst die Trümmer des einstigen „Blauen Fensters“ bleiben spannend. Taucher schätzen weiterhin die nur einen Steinwurf entfernte blaue Grotte. Auch der nahe Fungus Rock, eine tatsächlich pilzförmige, vorgelagerte Insel, blieb unbeschädigt. Und Wanderer finden auf Gozo, der gerade mal knappe zehn mal fünf Kilometer kleinen Schwester der Hauptinsel Malta, nach wie vor ein geradezu betörend schönes Terrain vor. Highlight ist der 50 Kilometer lange Coastal Walk, eine stramme Tour rings um die komplette Insel, die ambitionierte Wanderer am besten auf vier Tage verteilen. Ein Sahnestück daraus offenbart die etwa 12,5 Kilometer lange westliche Etappe nach Marsalforn. Sie führt zunächst leicht ansteigend nach Gharb, wo auf dem Kirchplatz der Anblick der barocken Prachtkirche aus dem hiesigen Sandstein schier überwältigt. Der Kirchplatz steht sinnbildlich für Maltas mehr als 7000-jährige Kulturgeschichte in seiner einzigartigen Mischung aus mediterranen, orientalischen und britischen Einflüssen. Vorbei an der Kapelle des Heiligen Dimitri folgen wir einem wilden, mit Cistrosen und Ginsterbüschen gesäumten Pfad Richtung zerklüfteter Küste. Ausgewaschene Kalksteinwege führen an den haarsträubend steil abfallenden Klippenrand bei Wied-al-Mielah, wo ein weiteres kapitales, locker 50 Meter hohes Felstor aus dem Meer aufragt. „Das Tor ist bei Kletterern äußerst beliebt . . . und so wie es aussieht, wird es hoffentlich noch ein paar tausend Jahre überdauern“, erklärt Dietmar Treptow, ein deutscher Auswanderer, der hier sämtliche Routen kennt und eigene Wanderführer verfasst. Der breite

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