Reise / 10.01.2020 • 10:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Beim Schnorcheln und Tauchen in der Silfra-Spalte sieht man aufgrund des klaren Wassers bis zu 100 Meter weit. Shutterstock (5)
Beim Schnorcheln und Tauchen in der Silfra-Spalte sieht man aufgrund des klaren Wassers bis zu 100 Meter weit. Shutterstock (5)

Hundert Metern in den Thingvellir-See mündet, ist ein besonderer. Hier driften die Kontinentalplatten von Nordamerika und Eurasien bis zu zwei Zentimeter pro Jahr auseinander. Die Sichtweiten bei der „Silbernen Frau“, so die Bedeutung des Wortes „Silfra“, reichen manchmal bis 100 Meter. Denn das kalte Schmelzwasser des Langjökull-Gletschers fließt jahrelang durch filterndes Lavagestein, bevor es aus unterirdischen Quellen wieder hervorquillt. Das alles erklärt Ian den Schnorchlern, bevor sie ins Wasser gleiten, sich wie aufgeblasene Puppen treiben lassen und durch ihre Taucherbrillen nach unten gucken. Kurz herrscht die Sorge, dass trotz enger Verpackung Wasser einströmen könnte, doch die kommenden 45 Minuten, in denen die langsame Strömung die Schnorchler fast automatisch durch die verschiedenen Passagen treibt, bleiben überwiegend trocken. Mal ist es so seicht, dass man gerade so über die schroffen Lavafeldformationen gleitet, mal geht es bis zu 37 Meter in die Tiefe. Von Unterwasserdampf oder Rauch keine Spur, ebenso wenig von Fischen oder Pflanzen. Nur ein paar Algenteilchen schweben vorbei. Dafür sorgen verschiedene Blau- und Grüntöne für echte Begeisterung.

Frosttemperaturen – pah. Richtig kalt wird es erst wieder beim Ausstieg ein paar Hundert Meter weiter. Eine bleibt prompt mit ihren Handschuhen am eisigen Geländer kleben. Kicherstimmung dann am Van, wo man – die Taucheranzüge frieren in Nullkommanix an – kaum aus den Anzügen kommt. Bei Juliana ist es besonders schwierig, drei Männer müssen ihr förmlich den Anzug vom Leib reißen. „Ich komm’ mir vor wie bei der Geburt!“, witzelt sie. In der Tat: Man fühlt sich wie neugeboren. Vollgepumpt mit Adrenalin ist manchem so warm, dass er gut gelaunt ohne Handschuhe und Jacke umherläuft – vor einer Stunde undenkbar. Einigen Mitschnorchlern jedoch stellt (sich) immer noch die Sinnfrage, warum man ausgerechnet im Winter in so kaltes Wasser steigen sollte. Dazu meint Gaddi: „Im Sommer ist es im vier Grad warmen Wasser auch nicht viel komfortabler. Heute waren die zwei Grad zumindest deutlich wärmer als draußen.“