Kleiner als riesig geht nicht

Reise / 24.01.2020 • 08:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Katar: Das Emirat am Persischen Golf, das die Fußball-WM 2022 ausrichtet, mag es gerne groß.

Das Baby ist groß, mit vier Metern ein Riese. Es ist das letzte einer Reihe von 14 Skulpturen, die Damien Hirst 2013 in Doha vor das Medical and Research Hospital gestellt hat. Die „Miraculous Journey“, wie der Künstler seine Mega-Installation nennt, zeigt die Entwicklung von der Befruchtung bis zur Geburt. Und das dank der gigantischen Ausmaße in allen Details. In einem islamisch geprägten Land wie Katar eine Provokation. Erst seit kurzem präsentieren sich alle 14 Skulpturen unverhüllt. Und bei der schieren Größe stellt sich die Frage: „Geht’s nicht auch eine Nummer kleiner?“ Die gilt übrigens für ganz Katar. Denn das kleine Emirat mag’s gern groß, riesengroß. Das liegt auch daran, dass Geld hier keine Rolle spielt. Es liegt buchstäblich unter der Erde: Katar verfügt nicht nur über riesige Erdölvorkommen, sondern auch über Erdgasvorräte, die jedes Jahr 30 bis 40 Milliarden Dollar in die Kassen des Emirats spülen und den Bürgern das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt bescheren. Das gilt allerdings nur für die Landeskinder, die mit 300.000 nur einen Bruchteil der 2,6 Millionen Einwohner stellen. Expats sind dabei, darunter 1500 Deutsche. Der Großteil aber sind Gastarbeiter, die nur einen sehr geringen Anteil am nationalen Wohlstand haben. Scheich Tamim bin Hamad Al Thani kann aus dem Vollen schöpfen, er engagiert Stararchitekten aus aller Welt und sorgt für einen Bauboom ohnegleichen. Natürlich waren sie alle hier, die Architekten mit den großen Namen: Ieoh Ming Pei, der im Mai im Alter von 102 Jahren verstorbene Architekt der Glaspyramide im Pariser Louvre, hat das ikonische Museum für islamische Kunst geplant. Selbstbewusst forderte er eine Alleinstellung seines Museums – und Qatar schüttete einfach Land auf. So macht man das in dem kleinen Land, das etwa halb so groß ist wie Hessen und beim Geldausgeben keine Grenzen kennt.

Ein komplett neuer Stadtteil – das seit 2004 entstehende Westbay ist auf Sand gebaut, mittendrin der Burj Doha von Jean Nouvel, ein runder Turm, der aussieht, als trüge er einen Überzug aus Spitze. Gleich daneben der Tornado Tower,

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