Reise / 14.02.2020 • 09:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Am Ufer des Kawaguchi-Sees liegen zahlreiche Kanus für die Touristen bereit. Shutterstock (5)
Am Ufer des Kawaguchi-Sees liegen zahlreiche Kanus für die
Touristen bereit. Shutterstock (5)

für die Öffentlichkeit freigegeben ist, erklimmen pro Tag etwa 3000 Touristen den Gipfel, 300.000 sind es jedes Jahr. Doch wir haben an diesem Morgen die weitaus weniger anstrengende Variante gewählt. Es ist noch frisch, als wir über den See gleiten und die absolute Stille genießen. Der Nebel saugt alle Geräusche auf. Der Kawaguchi-See ist einer von insgesamt fünf Seen am Fuß des Fuji. Er verfügt nicht nur über die längste Küstenlinie, sondern ist auch berühmt für seine atemberaubende Aussicht. Nur von hier kann man den Fuji von ganz oben bis ganz unten sehen. Und kein Anblick kann es mit diesem aufnehmen: Als um acht Uhr die Sonne durch die Wolken blinzelt, erhebt sich der schneebedeckte Gipfel märchenhaft vor uns, angestrahlt vom warmen Morgenlicht. Oft versteckt der Fuji sein Antlitz hinter Wolken. Doch nicht an diesem Morgen. Es ist ein irrwitziger Anblick: Wir genießen die schnörkellose Schönheit des Berges quasi aus der ersten Reihe. Nichts ist mehr zu hören. Keine Paddelschläge, kein Rascheln von Brotzeitpapier, keine Stimmen. Alle blicken andächtig auf den Berg. Der Kawaguchi-See kann das Paradies bedeuten an so einem Morgen, denn die kaum 100 Kilometer entfernte Millionenmetropole Tokio scheint in solchen Momenten Galaxien entfernt. Wir können uns in diesem Augenblick vor Begeisterung kaum ruhig im Kanu halten, denn wir wissen nicht, wohin wir blicken sollen.

Noch ein letztes Foto schießen

Obwohl sicher tausendmal gesehen, gibt es kaum ein schöneres Fotomotiv in Japan. Doch leider ist der Spaß nach etwas mehr als einer Stunde vorbei, weil der Guide zum Aufbruch mahnt. Noch einmal drehen wir uns um. Noch einmal wenden wir das Kanu, um einige der wunderbaren Momente mit der Kamera festzuhalten. Dann machen wir das Boot wieder am Süd­ufer des Sees fest. Der Fuji blitzt jetzt durch die Blätter der Bäume, er ist umrahmt von rotem Ahorn. Der Japaner ist ganz außer sich. Als wir zurück zum Bus schlappen, raunt er nur: „My god, this is so beautiful.“ Mein Gott, ist das schön. Es fällt einem schwer, ihm in diesem Moment zu widersprechen.