Magisches Japan: ein Berg wie gemalt

Reise / 15.02.2020 • 14:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
SHUTTERSTOCK

Die halbe Welt möchte den Fuji besteigen. Es gibt aber eine viel komfortablere Variante.

Tokio Um sieben Uhr früh, wenn der See noch daliegt wie ein Tischtuch, kein Lüftchen die spiegelglatte Oberfläche bewegt, und nur das Eintauchen der Paddel zu hören ist, dann ist das eine magische Zeit am Kawaguchi-See. Noch wabern Nebel über dem Wasser. An manchen Stellen können wir kaum die eigene Nase vor unseren Augen sehen. Doch wir wissen: Irgendwo da hinten muss er sein, der Berg. Aber fangen wir von vorne an: Wir sind um kurz nach sechs aufgestanden. Verschlafen sind wir im Bus vom Hoshinoya Fuji Resort die engen Kehren zum See hinunter geschaukelt. Der Guide hat uns eine kurze Einweisung gegeben: im Kanu nicht zu hektisch das Gewicht verlagern, gleichmäßig rudern, nicht aufstehen. Jetzt gleiten wir quasi lautlos über das spiegelglatte Wasser. Während alle Welt den Fuji besteigen will, haben wir eine viel komfortablere (und fotogenere) Möglichkeit gewählt, dem Berg nahe zu kommen: mit dem Kanadier, dem Kanu, auf einem der schönsten Seen Japans.

Der Everest Japans

Der Fuji ist das Wahrzeichen des Landes und eine Vergleichsgröße wie das Matterhorn, der Kilimandscharo und der Mount Everest. Er ist sozusagen der Everest Japans. Nur ästhetischer, wohlgeformter, ja quasi perfekt. Japaner verehren den 3776 Meter hohen Berg genau deswegen: wegen seiner makellosen Form. Seit Jahrhunderten ist der Fuji ein Objekt von religiöser Bedeutung und künstlerischer Inspiration. Er taucht als Kulisse in Romanen auf, sein Bild ziert Postkarten, T-Shirts und Reisschüsseln, seine Schönheit wird in zahlreichen Büchern gepriesen und in Liedern besungen. Der japanische Dichter Matsuo Basho (1644-1694) schrieb einst über den höchsten Berg Japans: „Wolken und Nebel zaubern in jedem Augenblick hundert Kulissen.“ Heute will gefühlt ganz Japan auf den Berg. Im Sommer, wenn der Aufstieg während weniger Wochen für die Öffentlichkeit freigegeben ist, erklimmen pro Tag etwa 3000 Touristen den Gipfel, 300.000 sind es jedes Jahr.

Doch wir haben an diesem Morgen die weitaus weniger anstrengende Variante gewählt. Es ist noch frisch, als wir über den See gleiten und die absolute Stille genießen. Der Nebel saugt alle Geräusche auf. Der Kawaguchi-See ist einer von insgesamt fünf Seen am Fuß des Fuji. Er verfügt nicht nur über die längste Küstenlinie, sondern ist auch berühmt für seine atemberaubende Aussicht. Nur von hier kann man den Fuji von ganz oben bis ganz unten sehen. Und kein Anblick kann es mit diesem aufnehmen: Als um acht Uhr die Sonne durch die Wolken blinzelt, erhebt sich der schneebedeckte Gipfel märchenhaft vor uns, angestrahlt vom warmen Morgenlicht. Oft versteckt der Fuji sein Antlitz hinter Wolken. Doch nicht an diesem Morgen. Es ist ein irrwitziger Anblick: Wir genießen die schnörkellose Schönheit des Berges quasi aus der ersten Reihe. Nichts ist mehr zu hören. Keine Paddelschläge, kein Rascheln von Brotzeitpapier, keine Stimmen. Alle blicken andächtig auf den Berg. Der Kawaguchi-See kann das Paradies bedeuten an so einem Morgen, denn die kaum 100 Kilometer entfernte Millionenmetropole Tokio scheint in solchen Momenten Galaxien entfernt. Wir können uns in diesem Augenblick vor Begeisterung kaum ruhig im Kanu halten, denn wir wissen nicht, wohin wir blicken sollen.

Noch ein letztes Foto schießen

Obwohl sicher tausendmal gesehen, gibt es kaum ein schöneres Fotomotiv in Japan. Doch leider ist der Spaß nach etwas mehr als einer Stunde vorbei, weil der Guide zum Aufbruch mahnt. Noch einmal drehen wir uns um. Noch einmal wenden wir das Kanu, um einige der wunderbaren Momente mit der Kamera festzuhalten. Dann machen wir das Boot wieder am Südufer des Sees fest. Der Fuji blitzt jetzt durch die Blätter der Bäume, er ist umrahmt von rotem Ahorn. Der Japaner ist ganz außer sich. Als wir zurück zum Bus schlappen, raunt er nur: „My god, this is so beautiful.“ Mein Gott, ist das schön. Es fällt einem schwer, ihm in diesem Moment zu widersprechen. Fabian von Poser (srt)

Japan

Einreise Bei der Einreise kann kostenlos ein 90 Tage geltendes Touristenvisum beantragt werden.

Beste Reisezeit Von März bis Juni und von Ende September bis Ende November.

Kanuausflug Die Ausflüge finden an allen Wochentagen zwischen sieben und 8.30 Uhr morgens statt. Buchung sind vor Ort in den Hotels möglich.

Am Ufer des Kawaguchi-Sees liegen zahlreiche Kanus für die Touristen bereit. <span class="copyright">Shutterstock</span>
Am Ufer des Kawaguchi-Sees liegen zahlreiche Kanus für die Touristen bereit. Shutterstock
Japans Hauptstadt Tokio liegt nicht weit vom Fuji entfernt, scheint aber wie eine andere Welt.<span class="copyright">Shutterstock</span>
Japans Hauptstadt Tokio liegt nicht weit vom Fuji entfernt, scheint aber wie eine andere Welt.Shutterstock