Hochgenuss mit allen Sinnen

Reise / 06.11.2020 • 11:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Hochgenuss mit allen Sinnen

Im Burgenland fühlen sich Feinschmecker und feine Geister wohl.

Was gemeinhin Ärzte oder Apotheker tun, nämlich Mittel für das Wohlbefinden zu verordnen, kann auch diese Frau im mittelburgenländischen Neckenmarkt. Für Arzneien ist sie zwar nicht zuständig, dafür aber für jene kulinarischen „Drogen“, die in ihrem Gasthof „Zur Traube“ rezeptfrei erhältlich sind. Anni Glatz sagt von sich selbst, sie habe das Wirten nie gelernt. Genau das aber beherrscht die bodenständige 68-Jährige aus dem Effeff. Das Konzept der liebenswerten Gastgeberin geht voll auf: „Esst bei mir das, was ihr woanders so nicht bekommt!“ Mit ihrem schon fast entscheidenden „Also schau“ beginnt sie, ihre pannonischen Schmankerl zu verschreiben – Pardon, zu empfehlen. Bohnensterz mit Rahmsuppe, Kraut- und Wildsuppe sowie eine Variation pikanter Strudel. Für den Anfang. Den herzhaften Wildgerichten, diversen Knödelspezialitäten und Blaukraut können die Gäste genau so wenig widerstehen, wie diesen süßen Versuchungen danach: Bsouffani Liesl (mit Weißwein übergossener Gugelhupf), Topfen-Mohnknöderl und in Nuss gewälzte Grießschnitte. Aus homöopathischen Dosen besteht das Menü freilich nicht, die feine Weinbegleitung lässt es dennoch beinahe leicht und gut verträglich erscheinen. Der Wein und die Menschen, die ihn machen, spielen im Burgenland, das im nächsten Jahr seinen 100. Geburtstag feiert, seit jeher eine bedeutende Rolle.

Darauf freut sich auch Albert Gesellmann, der mit Auszeichnungen hoch dekorierte Winzer in Deutschkreutz. Sein Weingut gilt als eines der Top-Weingüter Österreichs. Seine Weine lassen die Herzen der Weinkenner und jener, die es werden wollen, höherschlagen. Im Weingarten und im Verkostungsraum erzählt Gesellmann derart spannend von seiner Arbeit, dass ihm seine Jünger den Wein förmlich aus der Hand trinken möchten. Gern lauscht man den faszinierenden Geschichten und erfährt, wie das ist, einen Teil des Weingartens mit dem Pferd zu bestellen, so wie früher. Dass er sehr heikle französische Berufskollegen aus Bordeaux und dem Burgund von seinem Können überzeugen konnte, freut ihn ganz besonders: „Die haben meinen Blaufränkischen plötzlich nicht mehr belächelt und sogar Englisch mit mir gesprochen.“ Er lüftet auch eines seiner Erfolgsgeheimnisse. „Je älter der Rebstock, desto besser ist die Balance im Wein.“ Es trifft sich also gut, dass er Rebstöcke besitzt, die schon seit 95 Jahren in seinem Weingarten stehen. Als des Winzers Handschrift bezeichnet Gesellmann die Cuvées aus einer individuellen Assemblage verschiedener Weine.

Vom Oberjägerhaus zum Hotel

Nur 14 Kilometer weiter liegt das Schloss Lackenbach. Früher sei es ein Wasserschloss gewesen, dennoch habe er eine Endlos-Schwimmanlage nicht durchsetzen können, erzählt schmunzelnd Philipp Patzel, Direktor des Hotels „Zum Oberjäger“. Bereits im Jahr 2006 wurden der Stallungstrakt und das Arboretum saniert und zu einem Museums- und Veranstaltungsbereich ausgebaut. Der Eisenstädter Florian Bayer, dessen Eltern aus Lustenau stammen, ist Leiter der historischen Sammlungen der Esterházy-Privatstiftung und führt gelegentlich selbst durch die beeindruckende Ausstellung rund um die Jagdtradition der Fürsten Esterházy. Im ehemaligen Wohnhaus des Oberjägers wurden großzügige Gästezimmer nach den Ideen des Wiener Design-Studios POLKA eingerichtet. Erst 2019 entstanden im Westtrakt des Hauptgebäudes weitere Gästezimmer mit Zugang über den zentralen Arkadenhof des Schlosses. Neu, nämlich im Frühjahr 2020, kam der große Salon mit Frühstücksterrasse dazu. Das wechselnde Frühstücksmenü garantiert übrigens einen fabelhaften Auftakt in den Tag: Orangen-Karotten-Shot, Bio Joghurt mit Granatäpfel- und Pinienkernen, Hummus, Falafel, Prosciutto, Büffelmozzarella, confierte Tomaten, geröstetes Gemüse, gefolgt von Ei Benedikt mit Avocado und – als „Die Sünde danach“ – Marillenpalatschinken.

Keine Sünde ist es hingegen, dem jährlichen Liszt-Festival in Raiding zu frönen, das Liszt-Interpreten und Liszt-Fans aus aller Welt in die Marktgemeinde Raiding im idyllischen Mittelburgenland lockt.

Das Franz Liszt Konzerthaus befindet sich in Raiding. Edith Rhomberg (5)
Das Franz Liszt Konzerthaus befindet sich in Raiding. Edith Rhomberg (5)
Das Schloss Lackenbach mit dem Hotel „Zum Oberjäger“.
Das Schloss Lackenbach mit dem Hotel „Zum Oberjäger“.

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