Die Stadt am Wasser

Reise / 16.07.2021 • 11:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Stadt am Wasser

Zürich abseits der Altstadt zu erkunden, lohnt sich und muss nicht teuer sein.

Nur eine gute Autostunde entfernt und für viele, abgesehen vom Stadtzentrum und dem Flughafen, trotzdem ein noch relativ unbekanntes Reiseziel. Dabei hat Zürich so viel mehr zu bieten als nur die zweifelsfrei wunderschöne Altstadt oder die Bahnhofstraße. Wer den ganzen Charme der Stadt auf sich wirken lassen möchte, sollte unbedingt für ein paar Tage bleiben. Vor allem im Sommer gibt es in Zürich viel zu erleben, denn an der Limmat und am Zürichsee spielt sich an heißen Tagen das Leben ab. Und wer glaubt, dass Urlaub in der Schweiz immer teuer sein muss, der irrt, denn Zürich lässt sich durchaus auch mit einem kleineren Budget erkunden. So gibt es beispielsweise in Zürich 1200 Brunnen, aus denen bestes Trinkwasser fließt. „Jedes Quartier hat einen eigenen Brunnenguide, in dem ersichtlich ist, ob es sich um Quellenwasser oder um Hahnenwasser handelt. Beides ist natürlich trinkbar und fließt rund um die Uhr aus den schön verzierten Brunnen. Ein Luxus, den sich wohl nur Zürich leistet“, lacht Elisabeth, als sie mich durch die Altstadt führt, um mir etwas über die Geschichte der Stadt zu erzählen.

Brutstätte für Kunst und Literatur

Wir spazieren vorbei am Fraumünster, einer der vier reformierten Altstadtkirchen, die für ihre schönen Chagall-Fenster berühmt ist, schlendern durch die schmalen, gepflasterten Gassen, werfen einen Blick ins Stadtarchiv, wo man sich kostenlos einen ersten Überblick über die Stadt verschaffen kann, stoppen bei der größten Turmuhr Europas, deren Ziffernblatt einen Durchmeser von achteinhalb Metern vorweist und spazieren durch die Spiegelgasse, eine Brutstätte revolutionärer Kunst, Literatur und Politik. Der deutsche Schriftsteller und Revolutionär Georg Büchner schrieb hier sein bekanntestes Werk „Woyzeck“. Während des Ersten Weltkriegs fanden in der Spiegelgasse Künstler wie Hugo Ball, Emmy Hennings, Hans Arp, Marcel Janco, Richard Huelsenbeck und Tristan Tzara Zuflucht und gründeten das Cabaret Voltaire – und mit ihm die Dada Bewegung. Nur ein paar Häuser weiter wohnte zur selben Zeit Wladimir Iljitsch Lenin, der sich auf die russische Revolution vorbereitete.

Abkühlung im Badi

Es dauert nicht lange, bis wir wieder die Limmat erreichen und damit auch die zahlreichen Badis, wie die Badeanstalten am Fluss und am Zürichsee genannt werden. „Viele davon sind gratis“, erklärt mir Elisabeth. Welche das sind und wie hoch die Auslastung gerade ist, erfährt man auf badi-info.ch. Wir verlassen die Altstdt und spazieren Richtung Oberer Letten in den Kreis 6. Hier treffen sich an warmen Tagen die jungen Menschen, springen in den Fluss und sitzen gemütlich am Ufer. Von der gediegenen Bahnhofstraße ist hier nichts mehr zu spüren. Graffitikunst ziert die Mauern und Musik tönt aus den Lautsprechern der Badegäste.

Trendiges Industriequartier

Nicht weniger kreativ geht es im Kreis 5, dem sogenannten Industriequartier zu. „Den Namen hat das Quartier seiner Geschichte zu verdanken. Es war ein klassisches multikulturelles Einwanderungsquartier, was auch heute noch prägend für das Viertel ist. Heute findet man hier all die coolen Clubs und Lokale, eine Markthalle und zahlreiche Galerien und Museen, die sich in der ehemaligen Löwenbrauerei angesiedelt haben“, erzählt mir am nächsten Tag Barbara, die mit mir eine Fahrradtour zur Kunst im öffentlichen Raum unternimmt. Wer