Mehr als nur ein Haufen Steine

Reise / 17.06.2022 • 10:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mehr als nur ein Haufen Steine

Menorca hat sich abseits der Strände einiges an Ursprünglichkeit bewahrt.

Viel Steine gab‘s und wenig Brot. So wie im Gedicht von Ludwig Uhland war es auch 1830 auf Menorca. Scharenweise verließen damals die Menschen ihre kleine Insel in Richtung Algerien. Eine Tafel auf dem Aussichtsberg El Toro erinnert daran. Viele Steine gibt‘s immer noch auf der Insel, viele davon verbaut in 11.000 Kilometer Trockenmauern, die Felder schützen und begrenzen. Sie eignen sich außerdem zum Pflastern der Wege wie dem Cami de Cavalls. 180 Kilometer lang ist der Pfad rund um die Insel, ein ehemaliger Patrouillenweg entlang der Küste, der am besten in Etappen zu begehen ist. Denn Unterkünfte oder Zeltplätze gibt es am Weg nicht, wie Biologe Alex Cortada erklärt. Seit zwei Jahren ist der schmale 30-Jährige mit der Brille und dem Bärtchen für das Projekt verantwortlich, das teilweise mit der von Touristen erhobenen Ökosteuer finanziert wird. Und Alex ist begeistert von seiner Aufgabe. Ein gepflastertes Teilstück an der Cala de San Esteve hat es ihm besonders angetan. Teilweise stammt das Pflaster aus alter Zeit, teilweise wurde es von einem Fachmann nach altem Vorbild neu angelegt.

Nicht immer ist der Weitwanderweg so steinig. In der Barranc d‘Algendar, einer kleinen Schlucht, führt er auf sandigem Untergrund durch steil aufragende Felsen und grünen Dschungel. Hier, wo sich der Sage nach ein Räuber mit lockigem Haar, Spitzname Curly, im dichten Gestrüpp versteckt hielt, ist es auch im heißen Inselsommer angenehm schattig. Dem Banditen freilich wurde das Dickicht zur Falle, als es von den Verfolgern in Brand gesetzt wurde. So, heißt es, konnte Curly gefangen genommen werden, und ein neuer Weg wurde geschaffen. Es gibt so manche Sagen auf Menorca, wie der weltläufige Londoner Francis Hoare weiß, der nach langen Wanderjahren in Indien, Mexiko und Samoa auf die Insel kam. Begeistern kann sich der drahtige 68-Jährige auch für die Biodiversität der Insel. 1400 Pflanzenarten gibt es hier, erzählt er, viele davon endemisch, also nur auf der Insel wachsend. Dass das immer noch so ist, liegt auch daran, dass Menorca die ärgsten