Reise / 28.10.2022 • 09:06 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Augenschmaus und beliebtes Fotomotiv sind auch die kambodschanischen Apsara-Tänzerinnen. Shutterstock
Ein Augenschmaus und beliebtes Fotomotiv sind auch die
kambodschanischen Apsara-Tänzerinnen. Shutterstock

seien auch Konkubinen des Königs geworden, erzählt Chantea. „Dieser Tempeltanz ist die Seele Kambodschas, erzählt von der Entstehung und Schönheit der Welt, von Freud und Leid – aber auch von Stärke und Charisma unserer Frauen“, berichtet die Fremdenführerin. „Auf deren Schultern ruht viel Verantwortung, da der Terror des Pol Pot-Regimes einen großen Teil unserer männlichen Bevölkerung hingerichtet hat. Deshalb bin ich sehr stolz darauf, dass die Unesco den Apsara-Tanz in den Rang eines Weltkulturerbes erhoben hat.“ Chantea weiß, wovon sie spricht: Ihr Vater, ein Lehrer, wurde von den Schergen des intellektuellen-feindlichen Diktators hingerichtet. Damals war sie 15 Monate alt.

Es gibt noch viel zu tun

„Wir müssen aufbrechen“, mahnt Chantea, „Frau Binh wartet bestimmt schon mit dem Mittagessen“. Ja, das tut sie, und zwar mit einem viergängigen kambodschanischen Menu: Hühnersuppe, Fischcurry, Rindfleisch, Gemüse und Klebereiskuchen zum Dessert. Gegessen wird im ersten Stock des Pfahlhauses, den ein einziger großer Raum einnimmt, an dessen Kopfende sich die Küche befindet. An einer Seite ist eine hölzerne Kammer abgetrennt. Darin schlafen die Frauen, die älter als fünfzehn Jahre sind, Frau Binh und zwei ihrer Schwestern. Für den gesamten Rest der Familie – ihre Eltern, vier Brüder und zwei jüngere Schwestern -, wird der Raum nachts zum gemeinsamen Schlafzimmer. Frau Binh ist mit ihren 23 Jahren auch schon eine der starken Frauen, die Verantwortung übernehmen in diesem noch immer von Armut und Kriegsfolgen geprägten Land. Sie hat schon früh im landwirtschaftlichen Familienbetrieb helfen müssen. Aber nebenher habe sie fleißig Englisch gelernt und so zusammen mit ihren Kochkünsten der Familie eine neue Einnahmequelle erschlossen.

Chantea, die mit Hilfe eines Rotary-Stipendiums in Bern und Frankfurt perfekt Deutsch gelernt hat, zieht es sie nicht nach Europa? „Ich habe viele nette und hilfreiche Kontakte dahin, aber ich gehöre hierher nach Kambodscha, hier werde ich gebraucht, es bleibt noch so viel zu tun.“

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