Hochprozentiger Ritterschlag

Spezial / 14.03.2019 • 19:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Arthur Nägele weilt rund drei Wochen im Jahr in Surrey, um für den IWSC Spirituosen zu testen. Nägele
Arthur Nägele weilt rund drei Wochen im Jahr in Surrey, um für den IWSC Spirituosen zu testen. Nägele

Arthur Nägele wurde in den Sachverständigen-Ausschuss der „International Wine and Spirits Competition“ gewählt.

Gaißau Fans des Automagazins „Top Gear“ dürfte das Dunsfold Park Aerodrome im britischen Surrey hinlänglich bekannt sein: Die BBC-Sendung wird in einem Hangar des ehemaligen Militärflugplatzes aufgezeichnet, über das Flugfeld schlängelt sich die legendäre, von Lotus konzipierte Teststrecke. Auch der Gaißauer Arthur Nägele (46) testet dort regelmäßig, allerdings nicht Autos, sondern Spirituosen für die „International Wine and Spirits Competition“ (IWSC).

Nur einen Steinwurf vom „Top Gear“-Parcours entfernt befinden sich der Sitz, die Verkostungsräume und die klimatisierten Keller der illustren Vereinigung, die seit 1969 jährlich die besten Weine und Spirituosen aus aller Welt prämiert. Die Auszeichnungen zählen zu den prestigeträchtigsten der Branche. Arthur Nägele ist seit 2005 als Tester im Einsatz. Nun erhielt er seinen ganz persönlichen „Ritterschlag“, wie er sagt. Zusammen mit Branchengrößen wie Richard Paterson (White&Mackay) und David Stewart (Balvenie/Glenfiddich) wurde der 46-jährige Gaißauer in den neugegründeten Sachverständigen-Ausschuss (Spirits Judging Committee) berufen.

In die Wiege gelegt

Arthur Nägele wurde die Liebe zu Hochprozentigem praktisch in die Wiege gelegt. „Mein Papa hat schon selber gebrannt“, erzählt er. Es folgten die Ausbildung an der Hotelfachschule Bludenz, ein Tourismusmanagement-Studium an der Uni Innsbruck, das Destillata-Verkosterdiplom in Gold sowie diverse andere Weiterbildungen und Kurse. Seit fünf Jahren ist Nägele hauptberuflich als Trainer und Berater für Spirituosen tätig.

Zur IWSC kam der Gaißauer eher durch Zufall. „Ich habe in der Gastronomie gelernt und gearbeitet. 2003 war ich dann zum ersten Mal in London auf einer großen Weinmesse. Die Competition hatte dort einen Stand, um die Sieger zu präsentieren und da sind wir ins Reden gekommen“, erinnert sich der 46-Jährige, der kurz darauf eine Bewerbung in Richtung England schickte. „Ich habe dann lange nichts gehört, bis irgendwann die Einladung zur Aufnahmeprüfung gekommen ist.“

Die rund 400 IWSC-Experten bewerten während sieben Monaten im Jahr über 10.000 Produkte aus rund 90 Ländern. Die Spirituosen sind im Juni und Juli an der Reihe. Im Oktober findet das große Bankett in London statt, bei dem die Sieger verkündet werden. Als Mitglied des Sachverständigen-Ausschusses steht Arthur Nägele Gruppenleitern und Verkostern vor und ist unter anderem für die Kategorieneinteilung zuständig. „Nach der erfolgten Prämierung verkosten wir jedes Produkt, das mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde, noch einmal und schauen, ob es auch wirklich goldwürdig ist. Außerdem wird aus jeder Kategorie ein Sieger gewählt“, erläutert der Gaißauer. Pro Prämierungstag bekommt der 46-Jährige normalerweise zwischen 55 und 80 Spirituosen vorgesetzt. „Die werden natürlich alle fein säuberlich gespuckt, sonst wäre schon nach dem dritten oder vierten Ende des Tages“, merkt Nägele mit einem Schmunzeln an. VN-ger