Prinz Friso starb 18 Monate nach tragischem Skiunfall in Lech

Spezial / 12.08.2013 • 19:49 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Im Februar 2011 strahlte die Königsfamilie noch komplett beim traditionellen Pressetermin anlässlich des Skiurlaubs in Lech. Auch auf dem Foto: Prinz Friso (r.), seine Frau Mabel sowie die zwei Töchter Zaria und Luana. Foto: APA, VN, EPA
Im Februar 2011 strahlte die Königsfamilie noch komplett beim traditionellen Pressetermin anlässlich des Skiurlaubs in Lech. Auch auf dem Foto: Prinz Friso (r.), seine Frau Mabel sowie die zwei Töchter Zaria und Luana. Foto: APA, VN, EPA

Im Alter von 44 Jahren starb er im Palast seiner Mutter an den Folgen des Lawinenunglücks im Februar 2013.

Den Haag. Ein Leben im Rampenlicht war Prinz Friso verhasst. Der Bruder des niederländischen Königs Willem-Alexander galt als freundlich, aber scheu. Doch sein Schicksal macht Schlagzeilen. Beim Skifahren in Lech erfasste ihn am 17. Februar 2012 eine Lawine. Friso fiel ins Koma. 18 Monate nach dem tragischen Unglück starb der Prinz im Alter von 44 Jahren am Montag in Den Haag, im Palast seiner Mutter Beatrix. König wollte er nie werden. Das hatte der Prinz van Oranje-Nassau schon als Kind deutlich gesagt. Der zweite Sohn der damaligen Prinzessin Beatrix wurde am 25. September 1968 geboren. Er trat nur selten an die Öffentlichkeit. Während sein älterer Bruder Willem-Alexander wegen seines ausschweifenden Studentenlebens den Spitznamen „Prinz Pilsje“ trug, war Friso als „Prinz Schlauköpfchen“ bekannt. Kein Wunder: Er absolvierte im Rekordtempo gleich drei Studiengänge.

1988 kehrte er als Ingenieur von der renommierten Universität Berkeley in den USA in die Niederlande zurück und studierte in Delft Luft- und Raumfahrttechnologie und nebenher auch noch Betriebswirtschaft in Rotterdam. Später beendete er seine Laufbahn bei der Unternehmensberatung McKinsey in Amsterdam, um sich an einer Elite-Hochschule in Paris zum Manager ausbilden zu lassen.

Gerüchte der Klatschpresse

Eine glänzende Karriere wartete auf den begabten Prinzen. Er wurde Vizepräsident für Investmentbanking bei Goldman Sachs in London. Und er war Direktor für Raumfahrt am niederländischen Forschungsinstitut TNO. Zuletzt war Friso Finanzchef der Atomfirma URENCO. Doch die Klatschpresse ließ ihn nicht in Ruhe. Weil man den jungen Mann nie mit Freundin sah, kamen Gerüchte auf, dass er homosexuell sei. Durch den andauernden Gerüchtestrom sah er sich gezwungen, 2001 offiziell zu erklären, dass er sehr wohl Frauen mochte. Kurze Zeit später sah das überraschte Volk eine junge Blondine an seiner Seite. Bei der Beerdigung seines Vaters trat zum ersten Mal Mabel Wisse Smit auf. Doch wieder geriet Friso in die Schlagzeilen, und nicht etwa, weil er eine Bürgerliche liebte. Mabel hatte verschwiegen, dass sie in ihrer Studentenzeit mit einem berüchtigten Drogenboss liiert war, der später erschossen wurde. Unter starkem politischen Druck verzichtete Friso darauf, das Parlament offiziell um Zustimmung zur Hochzeit mit Mabel zu bitten. Damit verlor er automatisch seinen Platz in der Thronfolge.

Zwei kleine Töchter

Ohne parlamentarischen Segen gaben sich die beiden am 24. April 2004 in Delft das Jawort. Das Paar lebte danach in London und bekam zwei Töchter: Luana (8) und Zaria (7). In den Schlagzeilen tauchten sie nicht mehr auf, bis zu jenem Schicksalstag: dem 17. Februar 2012. Der sehr sportliche Prinz war wie jedes Jahr mit der königlichen Familie zum Wintersport in Lech. Wie so oft ging Friso mit seinem Freund Florian Moosbrugger Skilaufen. Trotz erhöhter Lawinengefahr verließen sie die Piste. Wenig später hatte eine Lawine den Prinzen verschüttet. Erst 25 Minuten später konnte er aus den Schneemassen befreit werden – zu spät. Er lebte, doch die Ärzte in Innsbruck stellten fest, dass er unwiederbringliche Hirnschäden erlitten hatte. Im Londoner Wellington-Krankenhaus versuchten daraufhin Spezialisten, seinen Zustand zu verbessern.

Hoffnung sank

Die königliche Familie war zutiefst erschüttert. Ergriffen und voller Mitgefühl sahen die Niederländer, wie sehr Frisos Frau Mabel und seine Mutter Beatrix vom tragischen Unglück gezeichnet waren. Liebevoll kümmerten sich Frisos älterer Bruder, der jetzige König Willem-Alexander und seine Frau Máxima um Mabel und die beiden kleinen Gräfinnen Luana und Zaria. Beatrix reiste fast jedes Wochenende zu ihrem Sohn nach London.

Im Juli 2013 kehrte Friso in sein Elternhaus zurück. Dass Friso jemals wieder aus dem Koma aufwachen würde, schlossen die Ärzte aus. Spezialisten versorgten den 44-Jährigen in Huis ten Bosch, dem Palast seiner Mutter in Den Haag. Dort starb er am Montag, einen Tag nach dem 45. Geburtstag seiner Frau.

Wir haben bis zuletzt gehofft. Ich bin persönlich tief betroffen.

Ludwig Muxel, Bürgermeister
Prinz Friso (2. v. r.) war ein routinierter Skifahrer. Seit seiner Jugend verbrachte er seinen Skiurlaub in Lech – auch 1981, als dieses Foto entstand.
Prinz Friso (2. v. r.) war ein routinierter Skifahrer. Seit seiner Jugend verbrachte er seinen Skiurlaub in Lech – auch 1981, als dieses Foto entstand.
König wollte Friso nie werden. Er wünschte sich oft eine „normale“ Kindheit.
König wollte Friso nie werden. Er wünschte sich oft eine „normale“ Kindheit.
Weil er das Parlament nicht um Zustimmung zur Hochzeit mit Mabel Wisse Smit bat, verlor Prinz Friso seinen Platz in der Thronfolge.
Weil er das Parlament nicht um Zustimmung zur Hochzeit mit Mabel Wisse Smit bat, verlor Prinz Friso seinen Platz in der Thronfolge.

Chronologie



17. Februar 2012: Prinz Friso fährt gemeinsam mit Florian Moosbrugger gegen 12.15 Uhr in einen Hang im Bereich Litzen – Zugertobel ein. Dabei löst sich bei Lawinenwarnstufe 4 ein rund 40 Meter langes Schneebrett, das den Urlauber verschüttet. Nach rund 20 Minuten wird er gerettet, reanimiert und in kritischem Zustand in die Universitätsklinik Innsbruck geflogen. Die Mutter des Prinzen, Königin Beatrix, und seine Frau Mabel besuchen den Verunglückten noch am Nachmittag auf der Intensivstation.

24. Februar: Schlechte Nachricht bei einer Pressekonferenz des Ärzteteams: Der Sauerstoffmangel hat zu massiven Schäden im Gehirn geführt. Es konnte nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob der Patient jemals wieder das Bewusstsein erlangen würde.

26. Februar: Die Lecher Bevölkerung betet bei einem Gottesdienst in Anwesenheit der Königsfamilie für den Verunglückten.



1. März: Prinz Friso wird mit einem Ambulanzjet in eine Reha-Einrichtung nach London gebracht. Die königliche Familie reist aus Lech ab.

19. Oktober: Die Staatsanwaltschaft Feldkirch stellt das Verfahren gegen den Skibegleiter des Prinzen in Absprache ein. Beiden Skifahrern sei das Risiko von Lawinenabgängen bewusst gewesen, so die Begründung.

19. November: Nach neun Monaten im Koma zeigt Prinz Friso erste Anzeichen von Bewusstsein. Es handelte sich um das sogenannte Minimalbewusstsein.



18. Februar 2013: Ein Jahr nach dem tragischen Lawinenunglück kommt die niederländische Königsfamilie wieder in Lech am Arlberg zusammen.

9. Juli 2013: Prinz Friso ist wieder in den Niederlanden, meldet der Hof. Im Palast Huis ten Bosch in Den Haag werde der Prinz von einem medizinischen Team versorgt.

12. August 2013: Der Hof gibt das Ableben von Prinz Friso bekannt: „Seine Majestät der König teilt mit großem Bedauern mit, dass Seine Königliche Hoheit Prinz Johan Friso Bernhard Christiaan David, Prinz von Oranien-Nassau, Jonkheer van Amsberg, heute Vormittag auf Schloss Huis ten Bosch in Den Haag im Alter von 44 Jahren verstorben ist. Die Königliche Familie dankt allen, die Prinz Friso behandelt und betreut haben, herzlich für die ausgezeichnete und hinwendungsvolle Versorgung des Prinzen.“