„Ernster Störfall“ in Fukushima

Spezial / 21.08.2013 • 20:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Atomkraftwerk in Fukushima wurde ein neues Leck entdeckt, das den Boden verseucht und gesundheitsgefährdende Folgen für Menschen haben kann. Foto: REUTERS
Im Atomkraftwerk in Fukushima wurde ein neues Leck entdeckt, das den Boden verseucht und gesundheitsgefährdende Folgen für Menschen haben kann. Foto: REUTERS

Höchste Alarmstufe seit Tsunami 2011: Radioaktives Wasser verseucht den Boden.

Tokio. Zweieinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima kämpfen die japanischen Behörden mit dem seither schwersten atomaren Zwischenfall in der Anlage. Die Atomaufsichtsbehörde stufte das neue Leck, aus dem radioaktives Wasser austritt, neu als „ernsten Störfall“ ein. Damit erhöhte sie von Stufe eins (Anomalität) auf Stufe drei der bis sieben gehenden internationalen Skala für Atomunfälle. Von einem „ernsten Störfall“ wird dann gesprochen, wenn es außerhalb einer Atomanlage zu einer „sehr geringen Freisetzung“ von Radioaktivität kommt oder das Personal in einem Maße Strahlen ausgesetzt ist, dass „akute Gesundheitsgefahr“ besteht. Ab Stufe vier wird von einem Unfall gesprochen.

Betreiber „sehr besorgt“

Der Anlagenbetreiber Tepco erklärte, das Problem habe höchste Priorität. „Wir befinden uns in einer Situation, in der wir keine Zeit zu verlieren haben“, sagte der Chef der Aufsichtsbehörde, Shunichi Tanaka, bei einem Treffen in Tokio. Über den Austritt von möglicherweise Hunderten Tonnen radioaktiv verseuchten Wassers sei die Behörde „sehr besorgt“.

Die Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 war damals auf die höchste Stufe der internationalen Skala gesetzt worden – genauso wie die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986. Am Dienstag hatte der Fukushima-Betreiber Tepco bekannt gegeben, dass in dem schwer beschädigten Kraftwerk das bisher größte radioaktive Leck seit der Atomkatastrophe 2011 entdeckt worden sei. Rund 300 Tonnen verseuchtes Wasser seien womöglich aus einem der Auffangtanks ausgetreten. Nahe der Tanks seien an Pfützen Strahlungswerte in Höhe von 100 Millisievert pro Stunde gemessen worden, was Wissenschaftern zufolge für Menschen gesundheitsgefährdend ist. Laut Tepco konnte das Leck noch nicht genau lokalisiert werden. Der verseuchte Boden an der Anlage werde abgetragen und das Wasser des beschädigten Tanks abgesaugt, sagte ein Sprecher. Zudem würden die anderen Tanks auf Schäden untersucht, und es werde alles getan, um die Verseuchung von Gebieten außerhalb der Anlage zu vermeiden, „vor allem des Meeres“. Der Vizechef von Tepco, Zengo Aizawa, sagte, der Störfall habe „oberste Priorität“.

Im Atomkraftwerk Fukushima war infolge eines Erdbebens und eines Tsunamis Mitte März 2011 das Kühlsystem ausgefallen, woraufhin es in mehreren Reaktoren zur Kernschmelze kam.

Tepco kämpft seit dem Unglück in Fukushima mit riesigen Mengen radioaktiv verseuchten Wassers, das zur Kühlung an der beschädigten Reaktoren eingesetzt worden war.

AKW im Zeitraffer: Obem 2000, Mitte 2012, unten 2013. Foto: RTS
AKW im Zeitraffer: Obem 2000, Mitte 2012, unten 2013. Foto: RTS
Proteste gegen den Ausbau der Atomenergie: In Japan werden modernisierte Reaktoren bald wieder ans Netz gehen. Foto: AP
Proteste gegen den Ausbau der Atomenergie: In Japan werden modernisierte Reaktoren bald wieder ans Netz gehen. Foto: AP
Ummantelung der abgebrannten Brennelemente. Foto: RTS
Ummantelung der abgebrannten Brennelemente. Foto: RTS