Tausende Syrer fliehen aus Angst vor Angriff

Spezial / 28.08.2013 • 21:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Tausende Syrer fliehen aus Angst vor Angriff

Ban Ki-moon fordert mehr Zeit für die Klärung der Giftgasvorwürfe gegen Syrien.

Damaskus. Jihan sitzt auf den gepackten Koffern der Familie. Die junge Mutter wohnt neben Mazze, dem Militärflughafen von Damaskus, und ist überzeugt, dass dies eines der ersten Ziele ist, das die USA und ihre Verbündeten bombardieren werden. Todesangst macht sich in Damaskus breit. Die Einwohner verlassen ihre Häuser nur noch für die Arbeit oder für unaufschiebbare Besorgungen. In der Nachbarschaft von Jihan, wo sich strategische Einrichtungen des syrischen Regimes befinden, bangen viele um ihr Leben. Andere reagieren mit Hamsterkäufen auf die schwebende Drohung eines Militärschlags gegen das Regime. Binnen 24 Stunden überquerten von Dienstag auf Mittwoch etwa 10.000 Syrer die Grenze zum Libanon.

Suche nach Beweisen

Unterdessen suchte das UN-Expertenteam nach einer eintägigen Zwangspause weiter nach Beweisen für einen Giftgas-Einsatz. Seine Untersuchungen vor Ort könnten nach Angaben des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon in vier Tagen abgeschlossen sein – sollte es zu keinen Zwischenfällen mehr kommen. Der Syrien-Beauftragte Lakhdar Brahimi sprach gestern bereits von ersten Anzeichen, dass chemische Waffen eingesetzt wurden. Das internationale Recht erfordere aber, dass vor einem Angriff auf Syrien das Einverständnis aller 15 Mitgliedstaaten des UN-Sicherheitsrats eingeholt werde, betonte Brahimi. Er selbst lehne eine militärische Intervention „prinzipiell“ ab.

Aber die Vorbereitungen für eine Strafaktion schreiten erbarmungslos voran. Unter der Führung der USA könnte der Angriff amerikanischen Medienberichten zufolge bereits heute beginnen – Experten glauben aber an einen späteren Zeitpunkt. Zu der „Koalition der Willigen“, die aufgrund der Giftgasvorwürfe einen Strafanschlag gegen Machthaber Baschar al-Assad unterstützen will, zählen auch Großbritannien und Frankreich. Position gegen eine militärische Intervention beziehen hingegen Russland, China, der Iran und Polen.

Kämpfer der Freien Syrischen Armee begleiten die UN-Chemiewaffenexperten durch einen Vorort von Damaskus. Foto: RTS
Kämpfer der Freien Syrischen Armee begleiten die UN-Chemiewaffenexperten durch einen Vorort von Damaskus. Foto: RTS