Das Recht auf ein schönes Leben – auch für Tiere

Spezial / 04.10.2013 • 15:18 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Eine wahre Tierfreundin: 30 Katzen versorgt Alexandra Stampfer zurzeit in ihren eigenen vier Wänden. Foto: VN/Steurer

Eine wahre Tierfreundin: 30 Katzen versorgt Alexandra Stampfer zurzeit in ihren eigenen vier Wänden. Foto: VN/Steurer

Alexandra Stampfer versorgt seit 20 Jahren Wildkatzen und gibt ihnen eine zweite Chance.

vandans. 30 Katzen und 17 Kaninchen in einem Haushalt – zusammen mit einer fünfköpfigen Familie. So sieht es derzeit bei Alexandra Stampfer zu Hause aus. „Viele denken sich, in diesem Haus muss es stinken und dreckig sein, man sieht solche Dinge ja auch manchmal im Fernsehen. Aber jedes Tier wäre eigentlich sauber, es liegt am Menschen“, meint die 42-Jährige. Von Chaos oder Dreck ist bei ihr gar keine Spur. Für Stampfer sind die Tiere ein Fulltime-Job, Zeit für sich selbst oder Urlaub bleibt kaum.

Seit 20 Jahren setzt sich die Vandanserin für Wildkatzen ein. Sie nimmt sich verlassener und verwahrloster Tiere an und päppelt sie auf, um dann ein gutes Zuhause für sie zu finden. Die Katzen sind oft in einem schlechten Zustand, haben Flöhe und Durchfall, weil Magen und Darm durch Wurmbefall angegriffen sind. Stampfer erinnert sich noch gut an die ersten Wildkatzen, die sie aufgenommen hat: „Die ersten, die ich gefangen habe, waren krank. Ich habe sie aufgepäppelt und behalten.“ Der erste Schritt bei einer Aufnahme ist immer ein Flohbad und medizinische Versorgung. Bei der dreifachen Mutter werden die Katzen fachmännisch betreut und gewöhnen sich schnell an Menschen, ein dauerhaftes Zuhause kann sie vielen Tieren aber nicht geben. Die gelernte Verkäuferin ist immer auf der Suche nach guten Plätzen für Katzen. In den letzten 20 Jahren hat sie für etwa 250 Katzen ein neues Zuhause gefunden.

Vermehrung der Tiere stoppen

Zusätzlich fängt Stampfer Wildkatzen ein, um sie kastrieren zu lassen. Sie ist dankbar für die Kastrieraktion des Landes, die es jedem ermöglicht, Wildkatzen zum Tierarzt zu bringen und kostenlos kastrieren zu lasssen. In Vorarlberg gilt für freilaufende Katzen eine allgemeine Kastrationspflicht – ausgenommen davon sind Bauern. Doch genau dort treiben sich oft viele Katzen herum, die sich unkontrolliert vermehren. Erst kürzlich hat Stampfer wieder zahlreiche Katzen aus einem Stall gerettet, die sonst den Tod gefunden hätten. „Wenn die Leute wilde Katzen sehen, sollen sie es frühzeitig melden. Solange sie klein sind, können wir sie aufziehen, vermitteln und die Katzenmama schneiden.“ Wenn die Katzen älter sind, behalten sie meist etwas Wildes und sind schwer vermittelbar: „Die Katzen hätten alle eine Chance auf ein Zuhause gehabt“, meint die Tierschützerin traurig. Nach der Kastration bringt sie die Wildkatzen, die gesund und stark sind, wieder in Ställe.

Tiere bedeuten Verantwortung

Stampfer überwintert auch Igel und beherbergt Kaninchen, deren Besitzer die Lust an ihnen verloren haben: „Ein junger Hase ist niedlich, aber innerhalb von drei Monaten ist er groß, und dann? Danach macht er Arbeit und ist übrig.“ Das ist mit ein Grund, warum bei der Tierschützerin 17 Hasen ein Zuhause gefunden haben. Sie wünscht sich, dass die Menschen sich besser überlegen, ob sie wirklich die Zeit und das nötige Wissen haben, sich um ein Tier zu kümmern: „Es wäre wichtig, dass sich die Leute besser informieren würden, bevor sie sich ein Tier anschaffen. Sie wissen etwa nicht, dass ein Kätzchen mit sechs Monaten schon geschlechtsreif ist. Und danach haben sie Junge und fragen sich – was mache ich mit denen?“

Auf Unterstützung angewiesen

Ohne die Unterstützung ihres Mannes und ihrer drei Kinder könnte Stampfer ihrer Arbeit nicht nachgehen, sie ist sehr dankbar, dass ihre Familie hinter ihr und ihrer Arbeit steht. Auf das Engagement und die Toleranz ihrer Kinder ist die dreifache Mutter stolz. Dennoch ist die Tierschützerin auch auf Sachspenden und die Unterstützung vom Tierschutzverein und Tierärzten angewiesen – wie Andrea Lackner, die die Wildkatzen kastriert. Die vielen Tiere zu versorgen ist kostspielig. Katzenfutter, Streupellets oder Salat für die Hasen werden deshalb immer gerne angenommen.

Trotz aller Belastungen und dem Wissen, dass ihre Bemühungen nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind, bereitet ihr die Arbeit mit den Tieren Freude: „Es ist schön, ich bekomme etwas von den Katzen zurück, sie freuen sich, wenn ich komme und streichen um mich herum.“ Ideal wäre es, wenn es Tierschützer wie sie gar nicht geben müsste: „Wenn jeder Mensch für sein Tier Verantwortung übernehmen würde, bräuchte es uns gar nicht.“ Bis dahin wird sie aber weiter für hilfsbedürftige Katzen da sein, denn: „Jedes Tier – und selbstverständlich auch jeder Mensch – hat das Recht auf ein schönes Leben.“ Aufgaben gibt es für Alexandra Stampfer vorerst aber mehr als genug.

Wenn jeder Mensch für sein Tier Verantwortung übernehmen würde, bräuchte es uns gar nicht.

Alexandra Stampfer

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