Das System der Armut aufbrechen

Spezial / 30.11.2014 • 22:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Hauptgründe, dass bei uns in Vorarlberg Menschen in existenzielle Not geraten, sind Krankheit, Todesfälle und Einkommensverlust. Schulden können nicht mehr getilgt, Zinsen nicht mehr bezahlt werden, das tägliche (Über-)Leben ist nicht mehr leistbar. Eine Schande in unserer Neid-Gesellschaft, in der Wohlhabende hofiert und Gescheiterte schräg angeschaut und ausgerichtet werden. Allein über den Sommer hat unsere „Ma hilft“-Patin Marlies Müller bis jetzt zwei dicke Aktenordner mit tragischen Fällen gefüllt. Die VN-Sozialaktion leistet rasche Überbrückungshilfe in akuten Notlagen und kümmert sich vermittelnd um die vielfach verzweifelten Betroffenen, damit sie aus der würdelosen Position des Almosenempfängers und der Elendsspirale, nach Möglichkeit auch aus eigener Kraft, wieder herausfinden können.

Das Prinzip von Ursache und Wirkung macht klar, dass der Fehler im System liegt. Warum global die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird, ganze Volkswirtschaften ruiniert werden, ist hinlänglich bekannt. Regional spüren wir längst die Auswirkungen. Hierzulande stöhnen wir alle unter der gigantischen Steuerlast, die für Arbeitgeber und Arbeitnehmer unerträglich geworden ist. Eine spürbare Entlastung durch Steuer- und Strukturreformen muss kommen: ohne neue Steuern und ohne neue Schulden. Zudem frisst sich eine ausufernde Bürokratie und Verwaltung mit Apparatschiks, Pfründen und Luxuspensionen seit Jahrzehnten wie ein Krebsgeschwür in alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Sie drangsaliert Unternehmen, Bürger, Arbeitnehmer, sogar Sozialhilfeempfänger und diejenigen Elenden, die durchs Amtsnetz fallen. Bei der Gegenfinanzierung hier als erstes anzusetzen, macht Sinn.

Genau wie beim Förderchaos muss in Sachen Bürokratie die „Löschen“-Taste gedrückt und ein neuer, schlanker, effizienter und nützlicher Bürgerservice aufgesetzt werden. Das wäre ein Riesenschritt. Wir brauchen einen attraktiven Wirtschaftsstandort für unsere innovativen Unternehmen, die neue, zukunftsorientierte Arbeitsplätze schaffen. Wir brauchen deutlich mehr Netto vom Brutto und eine Grundsicherung, die zum Leben reicht. Mit der Armut im Land sähe es dann anders aus.

05572/501-337, verena.daum-
kuzmanovic@vorarlbergernachrichten.at