Tausende Tote bei Erdbeben in Nepal

Spezial / 26.04.2015 • 22:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das verheerende Erdbeben hat zumindest 2500 Menschen den Tod gebracht. Noch immer wird nach Verschütteten gesucht. Auch Weltkulturerbe und Pilgerstätten im Tal von Kathmandu wurden zerstört.
Das verheerende Erdbeben hat zumindest 2500 Menschen den Tod gebracht. Noch immer wird nach Verschütteten gesucht. Auch Weltkulturerbe und Pilgerstätten im Tal von Kathmandu wurden zerstört.

Nach dem Erdbeben graben sich Helfer teils mit bloßen Händen durch Schutthaufen.

Kathmandu. Leichen aufgereiht vor Spitälern, ganze Bergdörfer in Schutt, verheerende Lawinen am Mount Everest: Ein gewaltiges Erdbeben im Himalaya der Stärke 7,8 hat Tod und Zerstörung gebracht; es war das stärkste Beben in Nepal seit mehr als 80 Jahren. Die Rettungskräfte in Nepal, Indien, China und Bangladesch bargen bis Sonntagabend fast 2500 Leichen. Tausende Menschen wurden nach offiziellen Angaben verletzt.

Das ganze Ausmaß der Zerstörung war noch nicht abzusehen, weil viele abgelegene Dörfer zunächst nicht erreicht wurden. Eine internationale Hilfswelle lief an. Auch die EU hat Nepal drei Millionen Euro an Soforthilfe zugesagt.

Der Erdstoß am Samstag zerstörte große Teile der Infrastruktur Nepals, zahlreiche alte Häuser sowie Weltkulturerbe- und Pilgerstätten. Die Bewohner von Kathmandu flohen auf die Straßen und trauten sich nicht in ihre Häuser zurück, weil zahlreiche Nachbeben die Region weiter erschüttern. Alle Parks, Gehwege und öffentlichen Plätze hätten sich in Zeltstädte verwandelt, sagte ein Sprecher des Roten Kreuzes. Selbst Krankenhäuser sind so überfüllt, dass sie im Freien behandeln.

Dringend Hilfe benötigt

Nepal hat in den betroffenen Gebieten, in denen 6,6 Millionen Menschen leben, den Notstand ausgerufen. Die Krankenhäuser und Leichenhäuser seien überfüllt, Blutkonserven und Medikamente gingen zur Neige, erklärten die Vereinten Nationen. Schulen und Universitäten bleiben für eine Woche geschlossen. Die Stromversorgung könnte lange ausfallen, da das Erdbeben die Wasserkraftwerke beschädigt hat, von denen Nepal fast all seinen Strom bezieht. In Nepal kamen nach Angaben aus dem Innenministerium 2352 Menschen ums Leben. In Indien starben 50 Menschen, in China sechs und in Bangladesch kam eine Frau ums Leben. Tausende Verletzte werden behandelt. Die Zahl der Toten könne weiter steigen, sagte Laxmi Dhakal vom Innenministerium.

Koordiniert wird die Hilfe vom UN-Büro zur Nothilfe-Koordinierung (OCHA). Hilfsflugzeuge aus aller Welt erreichten die Hauptstadt Kathmandu, mit Gütern wie Nahrungsmitteln, Medikamenten und Kommunikationsgeräten. Der Flughafen war laut Polizei am Wochenende nur vorübergehend für Linienflüge offen, die Landebahn wurde wegen der Nachbeben immer wieder geschlossen. Deswegen sitzen zahlreiche Touristen in Nepal fest, unter anderem auch mehrere Vorarlberger. Derzeit ist dort Hauptsaison für Bergsteiger und Wanderer.

Orte teils völlig zerstört

Das Epizentrum des Bebens lag etwa 80 Kilometer westlich von Kathmandu. Dort lägen die Dörfer direkt an großen Berghängen und die Häuser bestünden aus einfachen Stein- und Felskonstruktionen, sagte Matt Darwas von der Hilfsorganisation World Vision. „Viele dieser Dörfer sind nur mit Geländewagen und zu Fuß erreichbar, manche Stunden oder sogar Tagesmärsche von der Hauptstadt Kathmandu entfernt.“

Fast nirgendwo in Kathmandu gab es Strom, manche Menschen halfen sich mit Solarlampen und luden ihre Handys an Autobatterien. Wie es in den abgelegenen Städten und Dörfern in dem Himalaya-Land aussah, war zunächst kaum zu überblicken. Das Dorf Barmak, unter dem das Epizentrum des Bebens lag, sei fast vollständig zerstört, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Augenzeugen berichten, dass Helfer an vielen Orten mit bloßen Händen nach Überlebenden graben.