Vorarlberger landen in Mathe auf letztem Platz

Spezial / 27.05.2015 • 22:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Zentralmatura erntet grundsätzlich positive Kritik. Dass die Vorarlberger in Mathe aber das Schlusslicht sind, bereitet Kopfzerbrechen. APA

Die Zentralmatura erntet grundsätzlich positive Kritik. Dass die Vorarlberger in Mathe aber das Schlusslicht sind, bereitet Kopfzerbrechen. APA

Schlusslicht bei Zentralmatura: Jede fünfte Schülerin fiel durch. Fazit sonst positiv.

Wien. Besonders für die Vorarlberger Schülerinnen ist das Ergebnis der Zentralmatura ernüchternd. Jede fünfte AHS-Maturantin fiel in ihrer Mathe-Reifeprüfung durch. Die Mädchen sind somit die größte Risikogruppe in dem oft ungeliebten Fach und bilden das Schlusslicht in ganz Österreich. Blendet man diesen Aspekt allerdings kurzfristig aus, herrscht grundsätzlich Zufriedenheit. So bewertet Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek das Ergebnis der Zentralmatura ähnlich positiv wie auch die zuständige Landesrätin Bernadette Mennel. Die Schülervertreter in Vorarlberg stellten der neuen Reifeprüfung ebenso ein passables Zeugnis aus, wenngleich es noch Verbesserungsmöglichkeiten gebe. Gerhard Rüdisser von der Lehrerinitiative erklärte, dass die Ergebnisse im Vergleich nicht viel schlechter oder besser seien als in früheren Jahren.

Mathe-Schlusslicht Vorarlberg

Mit der Zwischenauswertung der Zentralmatura zeichnet das Bildungsministerium ein ähnliches Bild. In Mathematik fielen österreichweit rund zehn Prozent durch, in Englisch waren es sechs und in Deutsch drei Prozent. Die Zahl der Fünfer hat sich damit kaum verschoben, wobei exakte Vergleiche nicht möglich sind: In früheren Jahren wurden lediglich die Noten in den Maturazeugnissen erhoben, die sich aus schriftlicher und mündlicher Matura gemeinsam zusammensetzen. In der aktuellen Auswertung sind die sogenannten Kompensationsprüfungen, mit denen negative Noten ausgebessert werden können, jedoch noch nicht einbezogen. Diese finden erst am 1. und 2. Juni statt.

Nach Bundesländern betrachtet, gibt es die größten Unterschiede in der Mathe-Matura. In Oberösterreich kassieren nur sechs Prozent der Maturanten ein „Nicht Genügend“, in Vorarlberg dagegen 15 Prozent. „Die reinen Oberstufenformen (Anm.: zum Beispiel das BORG) haben tendenziell etwas schlechter abgeschnitten. Sie machen bei uns die Hälfte aller AHS-Standorte aus, viel mehr als in den anderen Bundesländern“, versucht Bildungslandesrätin Bernadette Mennel eine Erklärung für das schlechtere Ergebnis zu finden.

Maßnahmen notwendig

Überraschend große Diskrepanzen gab es auch zwischen Mädchen und Burschen. Österreichweit verzeichneten die Burschen mit acht Prozent an Fünfern bessere Mathe-Resultate als Mädchen (13 Prozent). In Vorarlberg wirkt das Ergebnis noch trister: Jedes fünfte Mädchen fiel in diesem Fach bei der Reifeprüfung durch. Das bereitet Mennel natürlich Kopfzerbrechen. „Wir müssen uns überlegen, wie wir diese Diskrepanz zwischen Mädchen und Burschen beseitigen können“, sagt sie. Lösungen könnten etwa verstärkte Fortbildungsmaßnahmen sein. Außerdem würden die Aufgabenstellungen der Zentralmatura sowie die Schulstandorte und deren unterschiedliche Ergebnisse nach Abschluss der mündlichen Matura genau analysiert.

Wo und ob weitere Fördermaßnahmen gesetzt werden müssten, würde sich dann zeigen. Wichtig sei, dass jene Schulen, die nun ein schlechteres Ergebnis vorweisen, von den besseren Standorten lernen, betont Mennel. Ob dafür zusätzliches Budget notwendig sein wird, konnte sie noch nicht sagen.

Kritik an Kürzungen

Auch vonseiten des Bildungsministeriums hieß es zu den VN, man müsse die Prüfung im Rahmen der Qualitätsentwicklung von Schulen abwarten. Maßnahmen und Ziele könnten erst auf dieser Basis gesetzt werden. Die Themenstellungen der Zentralmatura würden stets weiterentwickelt und ebenso die Kommunikationsprozesse weiter an die Bedürfnisse der Schulstandorte angepasst, verlautet aus dem Ressort. Das sei auch notwendig, sagt AHS-Landesschulsprecherin Amina Al-Dubai. Schließlich habe die Kommunikation zwischen Bifie, Ministerium, Direktionen, Lehrpersonen und Schülern im Vorfeld nicht immer funktioniert.

Al-Dubai hat die schriftliche Matura nun hinter sich gebracht, sie lerne bereits für die mündliche. Dass die Vorbereitungsstunden gekürzt wurden, spüre sie dabei deutlich. „Es gibt Lehrpersonen, die uns freiwillig unbezahlt unterrichten.“ Das sei nicht selbstverständlich. Auch Gerhard Rüdisser von der Lehrerinitiative fordert, dass die Vorbereitungsstunden von den gekürzten vier wieder auf zehn bis zwölf steigen müssen. Mennel kann diesen Wunsch nachvollziehen. Im Bildungsministerium heißt es allerdings, man dürfe Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Schließlich stünden nach der neuen Regelung die Themenpakete der mündlichen Matura mit November schon deutlich früher fest als zuvor. Man werde sich das aber anschauen.

Die Schulen müssen von den besseren Standorten lernen.

Bernadette Mennel

Die Ergebnisse sind nicht viel schlechter oder besser als früher.

Gerhard Rüdisser