Jahrhundertrotwein auf dem Ardetzenberg

24.09.2015 • 18:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zeigt her eure Weintrauben: Christoph Fulterer produziert heuer einen Rotwein. Fotos: VN/Hofmeister
Zeigt her eure Weintrauben: Christoph Fulterer produziert heuer einen Rotwein. Fotos: VN/Hofmeister

Der heiße Sommer beschert Vorarlbergs Weinbauern einen sensationellen Jahrgang.

Feldkirch. Christoph Fulterer (37) streift an diesem diesigen Vormittag mit einem breiten Lächeln durch seinen Weinberg. „Die weißen Trauben für unseren Müller-Thurgau haben wir bereits gelesen, aber schaut euch diese roten Früchte an.“ Es bleibt nicht beim Schauen. Genüsslich verzehren Fulterer und seine Gäste ein paar der kleinen, aber prallen Trauben. „Hoher Zuckergehalt. Das kann 13 Prozent geben. Bald lesen wird die Früchte.“

Blauburgunder

Ein Rotwein am Ardetzenberg: Das passiert im Rebberg von Christoph Fulterer, der das Altenstädter Traditionsgasthaus „Schäfle“ führt, nur alle drei Jahre. „Entweder werden die Trauben nicht reif, oder es gibt kaum welche“, erklärt Fulterer. Auf seiner Anbaufläche von einem Hektar hat er ohnehin nur ein Zehntel für die roten Blauburgunder-Trauben reserviert. Der Rest gehört den Müller Thurgau-Trauben. Das sind in Flaschenstückzahlen: Zirka 3000 Flaschen insgesamt, davon nur 300 bis 500 Rotwein, so es welchen gibt. „Wir haben hier eine Südostlage“, erklärt Fulterer. „Ideal zum Anbau von Weintrauben.“

Sensible Trauben

Seit zehn Jahren produziert der ehemalige Handballer Wein. Aus Zweckgemeinschaft mit dem Rebensaft, zu der ihn früher sein Vater bei der Weinlese verpflichtete, ist mittlerweile Liebe geworden. „Erst als mein Vater krankheitsbedingt nicht mehr keltern konnte, ließ er mich auch in unserem Weinkeller die Arbeit tun. Da kam ich dann allmählich auf den Geschmack.“ Viel hat er in den letzten Jahren über Wein und Wein-Machen gelernt. Er kennt sich aus mit den Trauben. Er weiß, dass die roten Trauben, je reifer sie werden, auch sensibler sind. „Natürlich ist es ideal, wenn sie noch die ersten Herbsttage erleben. Doch wenn es einen längeren Kälteeinbruch mit viel Regen gibt, dann müssen sie schon früher runter.“

Es gärt

Schauplatzwechsel in die prächtigen Räume des Weinkellers im Gasthaus „Schäfle“. In einem Stahlfass lagert dort der Saft, der bald schon ein gelungener Weißwein werden soll. Die Gärung hat bereits begonnen. Ein schmackhafter „Sturm“, würde man in Innerösterreich sagen. Im April oder Mai des kommenden Jahres gibt es den heurigen Jahrgang zu trinken. Fulterer ist überzeugt, dass der Alkoholgehalt die zwölf Prozent übersteigen wird, ein Qualitätsmerkmal der außergewöhnlichen Ernte 2015. „Der Wein“, sagt Fulterer, „ist für unser Gasthaus ein Alleinstellungsmerkmal. Aber natürlich bieten wir auf unserer Weinkarte auch andere Weine an.“ Der Blick in den stilvoll eingerichteten Lagerraum zeigt eine bunte Sammlung an nationalen und internationalen Rot- und Weißweinen.

Kaum Schädlinge

Über einen Ausnahmejahrgang dürfen sich heuer alle Weinbauern Vorarlbergs freuen. Es ist dabei nicht nur die Qualität der Weiß- und Rotweintrauben, die Reben blieben heuer auch großteils von Schädlingen verschont. Auch die Kirschessigfliege machte sich praktisch nicht bemerkbar. Einige Hagelschläge blieben glücklicherweise auf kleine Gebiete beschränkt.

Vorarlberg gehört mit seinen 15 Hektar Anbauflächen zu den kleinsten Weinbauregionen Österreichs. Die jährlich etwa 50.000 gewonnen Liter werden fast ausschließlich direkt vermarktet, zum Beispiel über Heurigen und Gasthäuser.

Der Sturm gärt heran. Auch der Weißwein wird sehr gut.
Der Sturm gärt heran. Auch der Weißwein wird sehr gut.