Die InterSky bleibt am Boden: 134 Arbeitsplätze weg

Spezial / 06.11.2015 • 21:07 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Als die Hoffnung noch Anlass zum Höhenflug gab: InterSky-Gründer Rolf Seewald und Renate Moser.  Köhler
Als die Hoffnung noch Anlass zum Höhenflug gab: InterSky-Gründer Rolf Seewald und Renate Moser.  Köhler

Die Flugzeuge in Maastricht, die Schalter verlassen. Mit dem Grounding der InterSky endet eine Ära.

Bregenz. (VN-sca) Es war nur noch ein Strohhalm, an den sich InterSky-Gründerin und Geschäftsführerin Renate Moser klammerte, nachdem die Kaufinteressenten am Mittwoch den Verkauf abgeblasen haben (die VN berichteten). Ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung sollte die Vorarlberger Fluggesellschaft im letzten Moment noch retten. Moser ging davon aus, dass die Firmen Mitteldeutsche Tourismus Entwicklungsgesellschaft mbH und die Mitteldeutsche Aviation die Gerichtskaution hinterlegen werden.

Am Donnerstag dann der Schock. Mit einer lapidaren E-Mail beendete der Weimarer Rechtsanwalt Roland Ehrsam die Verhandlungen mit den Bregenzer Airlinern. Damit starb die letzte Hoffnung auf eine Rettung der Airline. Am Montag werden Moser und ihr Geschäftsführer-Kollege Roger Hohl zusammen mit Anwalt Horst Lumper den schweren Gang zum Konkursrichter antreten. Und auch wenn Airline-Gründerin Moser noch immer von der Möglichkeit einer Weiterführung der Linie spricht, sind die Chancen dafür gering. Bei der Betriebsversammlung am Freitagnachmittag bot Anwalt Lumper den Mitarbeitern keine großen Perspektiven.

Ansprüche gedeckt

Insgesamt sind 134 Mitarbeiter betroffen, 57 davon sind in Deutschland angestellt, der Rest in Österreich. Zumindest den österreichischen Mitarbeitern konnte Alois Egender, Insolvenz-Spezialist der Arbeiterkammer Vorarlberg, vorab erste Informationen geben. „Ich habe ihnen geraten, Ruhe zu bewahren. Die Mitarbeiter sind alle in einem aufrechten Arbeitsverhältnis, sie haben auch ihren Oktoberlohn erhalten.“ Ihre Ansprüche seien durch den Insolvenzfonds gedeckt, so der Fachmann gegenüber den VN, bei den deutschen Mitarbeitern sei das schwieriger, weil der dortige Insolvenzfonds nicht so gut dotiert sei.

Die InterSky hatte es von Anfang an schwer, immer wieder kämpfte das Unternehmen mit finanziellen
Engpässen. Daran änderte auch der Einstieg des deutschen Aviations-Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl nichts. Der Modehaus-Tycoon hat 2012 75 Prozent der Fluglinie übernommen und versuchte mit dem Kauf der moderneren ATR 72-600-Jets für Fluggäste attraktiver und durch mehr Sitzplätze effizienter zu fliegen. Ein Trugschluss, wie Moser gegenüber den VN sagte. „Wir konnten uns die hohen Leasing-Raten nicht leisten.“

Die amerikanische Leasing-Gesellschaft Castlelake hat die Konsequenzen gezogen und vier der fünf InterSky-Flieger beschlagnahmt. Eine Dash 8 steht noch zur Verfügung. Sie ist im Besitz der Seewald-Familiestiftung und derzeit in Graz geparkt. In die Luft geht sie wohl nicht so schnell. Intersky verliert bei einem Konkurs auch die Betriebsgenehmigung. Die Oberste Zivilluftfahrtbehörde führt im Konkursfall ohne Weiterbetrieb ein Widerrufsverfahren durch, sofern die Betriebsgenehmigung vom Masseverwalter nicht von sich aus zurückgelegt wird. Vom Konkurs betroffen ist nicht nur die InterSky Luftfahrt GmbH, auch die Seewald Leasing GmbH wird Insolvenz anmelden.

Im Jahr 2001 wurde aus der Vorarlberger Rheintalflug die Austrian unter der Oberhoheit von AUA und Tyrolean.
Im Jahr 2001 wurde aus der Vorarlberger Rheintalflug die Austrian unter der Oberhoheit von AUA und Tyrolean.
Die bitterste Stunde in der Geschichte der Rheintalflug: Absturz der Aircomnader mit elf Toten. Fotos: VN
Die bitterste Stunde in der Geschichte der Rheintalflug: Absturz der Aircomnader mit elf Toten. Fotos: VN
Neustart mit der InterSky im Jahr 2001: Rolf Seewald saß bis zu seiner Pensionierung im InterSky-Cockpit. 
Neustart mit der InterSky im Jahr 2001: Rolf Seewald saß bis zu seiner Pensionierung im InterSky-Cockpit. 

Chronologie. Von Rheintalflug bis zur InterSky

1973: Gründung des Luftfahrtunternehmens Rheintalflug. Inhaber: Rolf Seewald

1974: Rundflüge und Taxiflüge.

1978: Kauf einer Cessna 414-A für Taxi-, Messe- und Urlaubsflüge.

1984: Seit Mai betreibt Rheintalflug eine regelmäßige Flugverbindung von Hohenems nach Wien.

1988: Erteilung einer Linienkonzession für die Flugstrecke Altenrhein – Wien durch das Eidgenössische Verkehrs- und Wirtschaftsdepartement in Bern. Der österreichische Verkehrsminister erteilt die Streckenbewilligung für Altenrhein – Wien – Altenrhein.

1989: Am 23. Februar kommen bei einem Absturz einer Aero Commander 690D über dem Bodensee bei Rorschach elf Menschen ums Leben. Darunter der damalige österreichische Sozialminister Alfred Dallinger.

1989: Die neue Rheintalflug DASH-8 nimmt den Betrieb von Friedrichshafen auf – nicht von Altenrhein wie ursprünglich vorgesehen.

1991: Das Bundesamt für Zivilluftfahrt erteilt die provisorische Benützungsbewilligung des Instrumentenlandesystems für Linienflüge ab Altenrhein. Die Rheintalflug DASH-8 startet zu ihrem ersten Linienflug ab Altenrhein.

1992: Rheintalflug erhält vom österreichischen Verkehrsministerium die Linienkonzession für Europa.

1994: 10 Jahre Linienflüge Bodenseeraum – Wien. In dieser Zeit wurden insgesamt rund 210.000 Fluggäste befördert.

1997: Unterzeichnung eines Code Share Agreements mit Lufthansa auf der Strecke Friedrichshafen – Berlin.

1997: „Open Sky“ über Europa

1997: Erstflug Friedrichshafen – Berlin im Code Share mit Lufthansa. Rheintalflug nützt damit als erste europäische Fluglinie „Open Sky“. Geflogen wird von Montag bis Freitag 3x täglich, Samstag 1x und Sonntag 2x.

1997: Ein „Memorandum of Understanding“ bezüglich der Teilnahme von Rheintalflug im Team Lufthansa wird zwischen Lufthansa und Rheintalflug unterzeichnet.

1997: Erstflug Friedrichshafen – Düsseldorf. Die Strecke wird Montag bis Freitag täglich 3 x, Samstag und Sonntag 1 x geflogen.

1998: Beitritt zum „Team Lufthansa“

1998: Erweiterung des Streckennetzes um die Destination Hamburg ab Friedrichshafen. Wien wird ebenfalls ab St. Gallen/Altenrhein um eine Rotation erweitert. Somit bietet Rheintalflug von Mo.-Fr. sechs tägliche Flüge nach Wien aus der Bodenseeregion an. Zusätzlich gibt es die neue Verbindung von Düsseldorf nach Straßburg von Mo.-Fr.

1999: Ein komplett neuer Flugplan wird erstellt: statt Friedrichshafen – Düsseldorf wird die Strecke Friedrichshafen – Köln geflogen; 3x tägliche Verbindung Münster – Stuttgart; 5 x tägliche Verbindung St. Gallen/Altenrhein – Wien (mit dem AUA-Codeshare).

2001: Im Februar wurde die Rheintalflug an die AUA verkauft und war Mitglied der Austrian Airlines Group. Ende 2002 wurde sie mit Tyrolean Airways fusioniert und trat als Austrian Arrows neu auf.

2001 erfolgte die Gründung der InterSky durch Renate Moser. Sie war weltweit die erste Frau, die eine Fluglinie gegründet hatte. Von Beginn an bediente die InterSky den Flughafen Berlin-Tempelhof.

2011 vereinbarte die InterSky eine Kooperation mit der Air Berlin, die über ihre Webpräsenz sämtliche ihrer Flüge vermarktete.

2012: Im Februar übernahmen Hans Rudolf Wöhrl und Peter Oncken 74,9 Prozent der Anteile der InterSky. Renate Moser und Rolf Seewald hielten die restlichen 25,1 Prozent.

2013: Ab Jänner setzte InterSky eine neu erworbene ATR 72-600 im Liniendienst ein. Eine weitere ATR 72-600 wurde ab dem 9. April 2013 im Linienverkehr eingesetzt.

2014: Miteigentümer Hans-Rudolf Wöhrl gab bekannt, dass InterSky mittelfristig mit CityJet zu einer neuen Gesellschaft fusioniert werden sollte. CityJet war zuvor durch Wöhrls Beteiligungsgesellschaft Intro Aviation aufgekauft worden.

2015: Am 16. September wurde bekannt, dass die Fluglinie vor dem Verkauf steht.